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Die Geschichte der Badekultur in Baden-Baden - Teil II.

Die zu empfehlende Verweildauer im Bade war im 16. und 17. Jahrhundert immer noch abzuklärender Gegenstand der Ärzteschaft, so empfiehlt der Arzt Brunfels 1535 die Badedauer von vier auf sechs und dann auf acht Stunden zu erhöhen. Sein Kollege der berühmte Theophrastus Paracelsus dagegen stellte den Grundsatz auf, das die Verweildauer sich nach der Art des Leidens richten sollte. Im Jahr 1541 geht aus den Anweisungen eines Walter Rifs hervor, das unsinnig lang gebadet wird und man nicht so lange im Wasser bleiben dürfe bis man Ohnmächtig werde. So soll es Badende geben, die Tag und Nacht in der Bütte verbrachten und dabei sogar schliefen. Kollege Leucippäus pflichtet 1593 Theophrastus Paracelsus bei und gibt an vier Stunden am Tag seien das Normale und sollte acht Stunden gebadet werden, dann die Badezeit auf den Vormittag und Nachmittag zu verteilen sei. 37 Tage sollte die Badekur nicht überschreiten.

Geschrieben haben die Ärzte zu dieser Zeit viel, aber wie auch heute noch, kümmert sich kaum einer drum und die Leute badeten so viel und so lange wie sie es für richtig hielten. In einer Sache war man sich aber einig, das heiße Bäder in der kalten Jahreszeit gefährlich seien. Zumindest von einem Fall war aber bekannt, das eine Winterbadekur mit großem Erfolg verabreicht wurde, und zwar bei einem Grafen Friedrich von Fürstenberg. Der Graf war wie es hieß durch übermassigen Weingenuß zu schaden gekommen, und hatte in Baden eine Entziehungskur wohl erfolgreich abgeschlossen.

 

Die Frage der Verweildauer war im Jahr 1620 immer noch nicht ausreichend beantwortet, es war Johannes Matthäus der eine lange Badedauer von sechs Stunden empfiehlt, aber der Erste war, der die Nützlichkeit von kaltem Thermal-wasser und Thermalschlamm erkannte. Auch war da noch die Frage über Sinn und Unsinn der Trinkkur zu beantworten, Paracelsus empfahl das Trinken des heißen Quellwassers von Fall zu Fall. Der Arzt Etschenreutter tat die Trinkkur gar als Unsitte ab, "Wein sei doch viel bekömmlicher". Die ersten chemischen Untersuchungen des Thermalwassers unternahm wohl Leonhard Thuneysers aus Basel im Jahr 1572.

Während des 30jährigen Krieges (1618 bis 1648) wird Baden Baden von schwedischen Truppen angegriffen, das geht einher mit der Teilung Badens sowie einer Zeit mit häufigem Regierungswechsel. Plünderungen zerstören die Bade-anlagen der Stadt, die Unruhen, die vielen Glaubenswechsel und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen gehen einher mit Seuchen und halten die Badegäste fern.

Aus der Zeit von 1673 geht hervor, dass es von Anfang Mai bis Ende September wieder so etwas wie eine allgemeine Badezeit gab, jeder Gasthof hatte jetzt seine eigenen Bäder. Nicht alle der Quellen wurden für die Badegäste genutzt, zwei der heißen Quellen waren für wirtschaftliche Zwecke genutzt, man rupfte und brütete darin das Federvieh und die Schweine.

Französische Truppen besetzen im "Pfälzischen Erbfolgekrieg" 1688/89 Baden-Baden, am 24 August 1669 wurde die Stadt in Brand gesetzt, was die Badenden Gäste für lange Zeit fern von Baden halten sollte.

Noch im Bäderbuch "De praecipuis medicalis Germaniae fontibus" 1924 von G.G. Hoffmanns aufgelegt wird Baden nicht einmal erwähnt. Die Qualität der vorhandenen Badeärzte gibt dabei auch Fragen auf, so stellte ein Dr. Joh. Caspar 1731 Untersuchungen darüber an, ob sich das Thermalwasser auch für Frauen eignet. Zumindest kam er zu dem befriedigenden Ergebnis, dass die "Weibspersonen" weil sie vernünftiger als die Männer lebten einen größeren Nuten als diese durch das heiße Thermalwasser hätten.

Wie sehr das Herbergswesen im Argen lag und wie lange die auswärtigen Badegäste wohl fernblieben, kann auch am Tagebuch des päpstlichen Prälat Monsignore Giuseppe Garampi erkannt werden, dieser besuchte 1763 Baden-Baden und in diesem ist zwar von vielen Ruinen aber kein Wort von heißem Wasser und Bädern zu finden.

Auch die Regierung erkennt die Notwendigkeit den einstig blühenden Badeort zu unterstützen und erbaut 1765 am Fuße des Beutig ein kleines hölzernes Promenadenhaus (heute steht an dieser Stelle das Kurhaus) und lässt eine Allee davor anlegen. Mit Erfolg, schon 1790 zählt man in Baden-Baden wieder 554 Badegäste, die sich allerdings mehr der damals üblichen Trinkkur bedienten. Die französische Revolution bring viele Emigranten herüber und der 1797-99 stattfindende Rastatter Kongress auch vornehme Persönlichkeiten.

Gleich um 1800 erlebt Baden-Baden hohen Fürstenbesuch, 1802 weilt Markgräfin Amalie von Baden (Witwe von Erbprinz Karl Ludwig) für ganze fünf Wochen in der Bäderstadt. 1804 werden im neuen Schloss, das zu dieser Zeit in ziemlich verwahrlostem Zustand befindet eilig ein paar Räume für die ankommende Königin Luise von Preußen hergerichtet. Fürst Karl Friedrich besucht seinen hohen Gast im eigenen Schloss des öfteren und lernt so selbst die Annehmlichkeit des Kurortes kennen, was ihn im nachfolgenden Jahr wohl dazu veranlasste seine Sommerresidenz von Karlsruhe-Durlach nach Baden in das neu restaurierte Neue Schloss zu verlegen.

1804 wird die Altertumshalle auf dem Marktplatz erbaut, sie dient der Aufnahme der Funde aus der Vorzeit. Im Jahr 1807 wird ein Herr von Sternhayn als Badedirektor eingestellt, der Herr stellt sich aber als überhaupt nicht "Herrlich" heraus und treibt es derart bunt, das er 1808 auf die Festung Dilsberg bei Neckargmünd gebracht wird, wo ihm aber schon nach acht Tagen die Flucht gelang.

Mittlerweile wurden in den Gasthöfen Theaterveranstaltungen und zwei Mal wöchentlich Bälle abgehalten, was den Besucherzahlen erträglich war.

wird fortgesetzt ....

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