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Vier Festspielzeiten gliedern das Programm des
Festspielhaus Baden-Baden in Pfingst-, Sommer-, Herbst- und Winter-festspiele.
Jede der Festspielzeiten bringen jeweils mindestens eine Opernproduktion und
zahlreiche klassische Konzerte hervor. Renommierte Ballett-Compagnien und
Entertainment-Shows runden das Programm im Festspielhaus Baden-Baden ab. Das
Festspielhaus Baden-Baden investiert aber auch in seine zukünftigen Besucher, so
sorgt man unter dem Programm "Kolumbus - Klassik entdecken" für die Musikbildung
bei Kindern und Jugendlichen. Nicht umsonst sind so seit 2002 rund 14000 Schüler
in den Genuss vergünstigter Aufführungen gekommen, die Aktion geht auf Initiative
des bekannten Baden-Badener Medien- und Touristikunternehmer Karlheinz Kögel
zurück und soll in Zukunft auch für Erwachsene angeboten werden.
Aber auch wer zuerst nur mal "schauen" möchte,
kann das Festspielhaus erleben, für Interessierte gewährt das Festspielhaus
Montag bis Freitag um 11 Uhr, Samstag/Sonntag und an Feiertagen um 14 Uhr, unter
wissenden Festspielhaus-Führern Einblick auch hinter die Kulissen des
größten Opern- und Konzerthauses Deutschlands.
Eingang ins Festspielhaus erhält der Besucher
wie schon erwähnt durch das 1894 mit prunkvoller Fassade im Neorenaissance Stil
erstellte
Bahnhofsgebäude,
hier befinden sich die Kassen und Garderoben. Eine Glaspassage verbindet das
historische Gebäude mit dem schlichten Gebäude des Festspielhauses, wo sich die
unteren Foyerbereiche befinden. Die unteren Foyerbereiche deshalb, weil sich
diese über sechs Ebenen verteilen, deren Treppen an einer Glaswand entlang
führen.
Der mit 19.100 qm Raumvolumen große Opernsaal,
der von den europäischen Opernhäuser an Größe nur von der Opèra La Bastille in
Paris übertroffen wird, bietet Platz für bis zu 2500 Besucher. Die Akustik des
rechteckigen Konzertsaales ist Ideal, der sogenannte Nachhall, eines der
wichtigsten Klangkriterien liegt bei vollbesetztem Haus bei 1,8 Sekunden und
entspricht so dem der Semperoper in Dresden.
Die einzigartige Akustik und Atmosphäre im
Festspielhaus Baden-Baden, die wunderbaren Veranstaltungen und die gehobene
Küche im Festspielhaus-Restaurant Aida lassen den Besuch im Festspielhaus
Baden-Baden zu einem einzigartigen kulturellen Genuss und Erlebnis werden.
Über den
aktuellen Spielplan, Künstler,
Veranstaltungen etc ... , können Sie sich
auf der offiziellen
Webpräsenz
des Festspielhauses informieren.
Die Geschichte des Festspielhaus Baden-Baden
beginnt natürlich schon vor der Gründung des
Komitees für kulturelle Förderung Baden-Badens im Jahr 1989, aber die Forderung
nach einem Festspielhaus wird so in den Köpfen mancher Baden-Badener konkret.
Im April 1991, vernimmt man in der Stadt die Kunde des
Kunst-Mäzens Ermano Sens-Grosholz die Salzburger Festspiele nach
Baden-Baden zu holen. Auch wenn das ungläubiges Staunen hervorruft, der Plan vom Festspielhaus beginnt sich in manchen Köpfen
einzunisten.
Unter der Führung von Lothar Späth und dem
damaligen Oberbürgermeister der Stadt Ulrich Wendt konstituiert
sich für das Festspielhaus ein Freundeskreis, ein gemeinnütziger Verein, der mit
den Beiträgen seiner Mitglieder das künstlerische Programm des Festspielhaus
Baden-Baden fördern will.
Im Februar 1995 verliert die Stadt nach einem
Beschluss des Landtags über ein neues Spielbankgesetz ihre Anteile an der Spielbankgesellschaft und die damit verbundenen
Gewinnanteile. Das Land Baden-Württemberg verlangt diesen hohen Preis für den
zukünftigen Landeszuschuss in die Festspielhauskasse.
Am 9. März stimmt der Gemeinderat in einem
Grundsatzbeschluss der Errichtung des Festspielhauses hinter dem Alten Bahnhof
zu, die konkrete Planung kann beginnen. Eine Spendenaktion versucht schon seit
Februar Geld für das Projekt zu sammeln.
Im Mai übertragen Land, Stadt und die für die
Finanzierung des 120 Millionen Mark teuren Projekts zuständige Südwest LB dem
Diplom Ingenieur Walter Veyhle die Konzeption und Gesamtentwicklung für das
Bauvorhaben Festspielhaus, Walter Veyhle ist in Europa als erfahrener
Theaterbauer bekannt.
Im Juni werden die Pläne des Wiener Architekten Prof.
Wilhelm Holzbauer, der auch die Pläne für Oper Amsterdam entwarf, für den
Festspielhausbau akzeptiert, der Baugesuch wird eingereicht.
Im 1996 Januar steht die Betriebsgesellschaft für das Festspielhaus. Die Stadt ist
durch die Baden-Baden-Marketing und die Baden-Baden-Festival mit 10 % am
Stammkapital von 500 000 DM beteiligt. Die beiden Gesellschaften sollen jährlich
500 000 Mark an die Betriebsgesellschaft bezahlen.
In der Stadt mehren sich die Stimmen der Gegner
des Projekts, während die Befürworter vom „Jahrtausendwerk" schwärmen, sprechen
die Gegner vom „Millionengrab". Weder die Einsprachen von Einwohnern noch ein
gescheitertes Bürgerbegehren können den Bau des Festspielhauses verhindern.
Dann endlich am 10. Mai 1996 der erste
Spatenstich, den übernimmt die damalige Kanzlergattin Hannelore Kohl. In
Rekordzeit entsteht der Rohbau des Festspielhauses, der schon im Dezember des
gleichen Jahres fertig gestellt wird. Unter der Konzeption und Gesamtleitung des
Stuttgarter Experten für den Bau öffentlicher Gebäude Dipl.-Ing. Walter Veyhle
und der Architektonischen Gestaltung des Wiener Architekten Wilhelm Holzbauer
entsteht das mit 2.500 Sitzplätzen größte Opernhaus Deutschlands. Die Baukosten
von 96 Millionen Mark für das Gebäude können um rund 6 Millionen Mark
unterschritten werden, für Bühnentechnik, Fernseh- und Hörfunkeinrichtung,
Luftzirkulation und .... werden weiter 23 Millionen Mark verbaut. Vom Auftragsvolumen verbleiben rund 70 Prozent der Bausumme dank
gezielter Auftragsvergabe in der Region.
Das im Bau befindliche Festspielhaus ist in der Bevölkerung
weiterhin Thema Nummer eins, Kritiker und Warner des Festspielhaus streiten aufs
Heftigste mit
den Anhängern des Festspielhauses. Im April verlässt der Ideengeber für das
Festspielhaus, Ermano Sens-Grosholz, den Freundeskreis für das Festspielhaus. Im
Dezember findet die Bauabnahme statt, es folgt die symbolische Schlüsselübergabe
an die Betreibergesellschaft, die "Festspielhaus und Festspiele Baden-Baden
GmbH".
Am 8. Februar 1998 beginnt die Baden-Badener
Philharmonie mit Probekonzerten, Mit einer Live-Übertragung im Fernsehen wird am
18. April das hinter dem
Alten Bahnhof
befindliche Festspielhaus Baden-Baden durch Valery Gergiev mit dem World
Orchestra for Peace feierlich eröffnet.
Das Drama um das Festspielhaus beginnt,
aufgrund von Managementfehlern und überteuerten Preisen genießt das
Festspielhaus weder Sympathie noch Akzeptanz in der Badener Öffentlichkeit. Der
Kartenverkauf bleibt schon bei den ersten Aufführungen deutlich hinter den
Erwartungen zurück, Karten, die bis zu 600 Mark kosten, sind nicht verkäuflich,
dazu kommt eine miserable Werbung. Hochklassiges Orchester und Künstler spielen
vor fast leeren Zuschauerrängen. Um das zu ändern werden Karten zu
Dumpingpreisen verramscht. Nur drei Monate nach seiner Eröffnung steht das neu
eröffnete das Festspielhaus vor der Insolvenz.
Öffentlicher Hohn und Spott brechen über das
Haus herein, als bekannt wird, dass die Betriebsgesellschaft DEKRA sich aus
ihrem Engagement zurück zieht. Die Geschäftsführer sowie der künstlerische
Leiter werden von ihren Aufgaben entbunden. Die Stadt Baden-Baden übernimmt für
den symbolischen Preis von 50 Cent die Gesellschaftsanteile von der DEKRA.
Mit dem Musikwissenschaftler Andreas Mölich-Zebhauser
kommt im Sommer ein neuer Intendant und Geschäftsführer, der die Wende schaffen
sollte, er ändert das ursprüngliche Konzept, wonach das Festspielhaus nur mit
Spielen im Frühjahr und Sommer bespielt werden soll in eine Ganzjährige Saison
mit Pfingst-, Sommer-, Herbst- und Winterfestspielen um. Daneben werden die viel
zu hohen Kartenpreise auf ein realistisches Maß gekürzt, mit dem US-Mäzen
Alberto Vilar als Sponsor gelingt ihm eine spektakuläre Freikartenaktion zu dem
kaum verkauftem Opern Event, dem Mariinsky-Sommerfestspielen.
Die
eigentliche Rettung für das Festspielhaus
kommt aber erst am 31. März 2000, an diesem
Tag gründen der bekannte Baden-Badener Medien- und Touristikunternehmer Karlheinz Kögel,
Ernst H. Kohlhage, Hugo und Rose Mann, der Projektmanager des Festspielhauses Walter Veyhle
sowie der US-Mäzen Alberto Vilar die private Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden,
Anfangskapital 5 Millionen Mark. Die Kulturstiftung
übernimmt für den symbolischen Preis von 50 Cent alle Gesellschaftsanteile der
Betriebsgesellschaft von der Stadt Baden-Baden, somit entsteht der erste privat
finanzierte Opern- und Konzertbetrieb in Europa.
Die wirtschaftliche Sanierung trägt im folgenden Jahr erste Früchte.
Das Festspielhaus Baden-Baden verzeichnet ein deutlich gesteigertes
Besucherinteresse. Neue zahlende Mitglieder treten in den Freundeskreis
Festspielhaus Baden-Baden e.V. ein. Mittlerweile sind es (Mitte 2008) über 1300
Mitglieder die als Einzelperson 520 EUR, als Paar 780 EUR oder als Unternehmen
1500 EUR Mitgliedsbeitrag bezahlen, so kann der Freundeskreis das Festspielhaus
mit 600.000 EUR im Jahr unterstützen.
Seit 2002 kann
das Baden-Badener Festspielhaus für den
Spielbetrieb ganz auf öffentliche Gelder
verzichten, lediglich die Miete von 1.8
Millionen EUR sind von der Stadt zu tragen.
Im Jahr 2020 muss die Stadt, sofern sich
kein Betreiber findet, das Haus für 18
Millionen EUR kaufen, mit dem Sparen wurde
aber schon begonnen ...
Mittlerweile
kann sich auch die Baden-Badener Bevölkerung
für das Festspielhaus begeistern, die
Stimmen der Mahner sind verstummt, eine
Studie hat kürzlich ergeben, dass 70% der
Besucher im Festspielhaus aus einem Umkreis
von bis zu 150 Kilometer kommen. Bei
Kartenpreisen bis maximal 230 EUR, also
gerade mal die Hälfte, die bei den
Salzburger Festspielen verlangt werden,
schafft das Festspielhaus eine sehr gute
Auslastung von 85 Prozent.
Das
Festspielhaus hinter dem alten Bahnhof.
Treppenförmig das Foyer und dahinter der
rechteckige Bühnensaal.
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