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Man war damals sicher, dass die Luftschiffe
große Zukunftsaussichten auch in der zivilen
Luftfahrt haben würden. Der damalige
Oberbürgermeister (ab 1929
Ehrenbürger) der
Stadt Baden-Baden Fieser wollte dies für seine
Stadt nützen und so den Anschluss
Baden-Badens an den Weltverkehr sichern.
Im Mai 1909 fanden erste Verhandlungen über
eine Luftschiffstation zwischen Vertretern
der Stadt
Baden Baden
und
Graf Ferdinand von
Zeppelin statt. Im September kommt
das Luftschiff "Zeppelin III." nach
Baden-Baden, fliegt einige Runden über der
Stadt und die Bürger bestaunen die
"fliegende Riesen-Zigarre". Die
Werbebotschaft erreicht ihr Ziel, die
Verhandlungen machen einen riesigen Schritt
nach vorne.
Im November
1909 wird die "Deutsche
Luftschifffahrt-Aktien Gesellschaft"
gegründet, die Stadt Baden-Baden beteiligt
sich an der Gründung mit einem fünf-
prozentigem Anteil. Auch die Suche nach
einem Platz für den Luftschiffflughafen ist
erfolgreich, im Stadtteil Oos wird ein
geeignetes Gelände gefunden. Die
Verhandlungen mit 260 Besitzern mit Gelände
im zukünftigen Luftschiffflughafen können
beginnen, wer nicht verkaufen will, wird
enteignet.
Anfang 1910
wird mit dem Bau der 148 Meter langen und 25
Meter breiten Luftschiffhalle, einem
Werkstattgebäude und den notwendigen
Gleisarbeiten zur Anfahrt der Gasflaschen
begonnen. Auf dem Gelände des
Passagierlufthafen wurden in einem Lager
über 12.000 Kubikmeter Wasserstoff gelagert,
ein Umstand, der, denkt man an die damaligen
Sicherheitsvorkehrungen, heute wohl
undenkbar wäre.
Im Juni 1910
findet im Kurhaus die "1. Generalversammlung
der Deutschen-Luft-Schiffahrts AG (DELAG)
statt. Am 21. August, genau in der Zeit der
"Großen Woche" auf der
Iffezheimer
Pferde-Rennbahn
wird der erste Passagierlufthafen
Deutschlands in Baden-Oos eröffnet. Kurz
nach elf Uhr ist es soweit, aus der
Zeppelinwerft in Friedrichshafen kommt das
Luftschiff mit 60 Stundenkilometer und
schwebt so zwischen Fremersberg und
Korbmattfelsen heran, zieht noch eine
Schleife über der Stadt. Unter der
Beteiligung vieler tausender Zuschauer wird
das 144 Meter lange Luftschiff "Zeppelin
VI." am betonierten Haltepunkt festgemacht,
später in die große Luftschiffhalle
gebracht.
Am 23. August
macht das Luftschiff "Zeppelin 6." seinen
ersten Start in Baden-Baden, an der ersten
offizielle Passagierfahrt beteiligen sich
zwölf Passagiere die für die knapp
zweistündige Fahrt je 200 Mark bezahlen
"durften". Von nun an wurden fast täglich
Rundfahrten durchgeführt.
Am 25. August
kommt Graf Ferdinand von Zeppelin mit dem
Schnellzug nach Baden-Baden, bei der
Einfahrt in den Bahnhof wird er vom
Luftschiff "Zeppelin 6." empfangen, das über
dem Bahnhof schwebt.
Am 29. August
besuchen Großherzog Friedrich II. und
Großherzogin Hilda die Luftschiffhalle, dem
Herrscherpaar wird, begleitet von
Oberbürgermeister Fieser, eine technische
Vorführung geboten.
Im September
1910 geschah das erste Unglück, ein Monteur
hatte in der Halle mit Benzin geputzt, was
bei einer Fehlzündung beim Start des
Luftschiffes eine Stichflamme auslöste.
Dadurch, dass der Wasserstoff nach außen
gedrängt wurde, nahm die Halle kaum Schaden,
das Luftschiff "Zeppelin 6." brannte
allerdings bis auf ein Aluminiumgerippe, ein
paar Tuchfetzen und Maschinenteilen aus.
Am 27.
September wird Graf Ferdinand von Zeppelin
zum
Ehrenbürger der Stadt Baden-Baden
ernannt.
Mit dem
Luftschiff "Zeppelin 10 Schwaben." werden im
August 1911 wieder mit Passagierfahrten
begonnen, im Mai 1912 folgt mit der
"Zeppelin 12 Viktoria Luise" ein weiteres
Luftschiff.
Im Juni 1913
kommt Graf Ferdinand von Zeppelin wieder
nach Baden-Baden, auf dem Passagierlufthafen
startet der Graf mit der "Sachsen" zur
ersten Zeppelin Fernfahrt von Baden aus, bei
der Ankunft nach acht Stunden wird die
"Sachsen" in Wien begeistert begrüßt.
Am 16. August
1913 wird der Betrieb der
Merkur Bergbahn
unter Anwesenheit zahlreicher, sogar
internationaler Gäste, von Oberbürgermeister
Fieser eröffnet. Über der Merkurbahn
schwebte das aus der Zeppelinwerft in
Baden-Oos untergebrachte Luftschiff
"Viktoria Luise".
Im Jahr 1914, mit Ausbruch des Ersten
Weltkriegs, übernehmen die Militärs den Flughafen, nach Ende des Krieges wird
der Flughafen Opfer der Abrüstung, da Baden-Baden im Bereich der 50 km breiten
entmilitarisierten Zone liegt. Auf Anordnung der Interalliierten
Luftüberwachung wird die große Luftschiffhalle abgebaut.
Somit hat
schon nach wenigen Jahren das Kapital des
Zeppelin in Baden-Baden wieder ein Ende
gefunden. Die Geschichte des Baden-Badener
Flugplatzes für normale Flugzeuge hatte zu
dieser Zeit aber bereits begonnen. Mehr dazu
an anderer Stelle. |