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Das
obere Schloss in Neuweier
An der Stelle
der heutigen St. Michael’s Kirche, stand
mitten im Ort, heute noch den Steinacker
genannt, das obere Schloss, welches
vermutlich älter war als das untere Schloss,
wahrscheinlich wurde es noch vor 1200
erbaut. Zugang zum Schloss hatte man wohl
von der Mauerbergstraße aus über den
Schlossackerweg zum heutigen Gasthaus
Rebstock.
Auf dem Rebstock-Gelände sind noch Reste der
Vorburg zu finden. Der riesige gewölbte
Keller vom Rebstock war der Weinkeller des
Schlosses. An seinem Eingang ist das Wappen
der Freiherren von Stein von 1579
eingemeißelt, drei
schwarze Mühlhauen in einem goldenen Feld.
Ebenso der Psalmvers: „WO DER HERR NICHT DA
HAVSZ BAWET SO ARBEIT UMBSONST DIR DRAN
BAW“. Ebenso erhalten sind die Bronnenstube
und das damalige Benefiziatshaus in der
Vorburg.
Bei Grabungen
1932 sowie beim Kirchenneubau 1945 bis 1950
fand man die Grundmauern der quadratischen
Wasserburg. Unter der Westwand des
Langhauses befindet sich das östliche
Fundament des Schlosses. Neben der Sakristei
der Kirche zeigt ein Riß über dem südlichen
Fenster die Nahtstelle Schloss/Schlossgraben
an. Als 1983/84 die Sakristei erweitert
wurde, fand man ca. 80 cm tief ein 58 cm
langes Teil von einem Fenstergewände aus
gelbem Sandstein mit Schmiege und Falz im
hoch- oder spätgotischen Stil. Den Stein
kann man mit einer Geschichtstafel am
Eingang der Kirche anschauen.
Es wird vermutet, dass das obere Schloss
Neuweier
bereits im 13 Jh. von mehrere
Familien der Röders bewohnt wurde. Vier
Herren Röder vom oberen Schloss und zwei
Herren von Bach, Heinzmann Bube, ein
Schildträger des Tales Neuweier sowie andere
Edelleute stiften 1329 eine Kapelle und
einen Altar neben dem oberen Schloss, und
zwar zu Ehren der seligsten Jungfrau, des
Heiligen Johannes des Teufers sowie des
Heiligen Ritters Georg. 1466 heiratet die
Stein von Reichenstein, ein schwäbisches
Rittergeschlecht in die Geschichte des
oberen Schlosses ein. 1477 war Conrad von
Reichenstein markgräflich badischer Obervogt
zu Stollhofen. Er war der Sohn des Junker
Conrad Stein von Reichenstein und dessen
Ehefrau Barbara Röder. Er hatte in dieser
Zeit das gesamte obere Schloss mit seinen
Anteilen in seinen Besitz genommen. Junker
Conrad von Stein verkaufte am 26. Juni 1521
das gesamte Schlossgut an Conrad Knebler.
Darauf folgend ging das obere Schloss an den
Edlen Egidius. Während diesen Jahrzehnten
der Reformation des 16. Jahrhundertes
wechselte die Familie Stein von Reichenstein
zum lutherischen Glauben. Sie schlug sich
auf die Seite zum Markgrafen von
Baden-Durlach und Straßburg. Das obere
Schloss wurde 1575 von den Gebrüdern
Philibert und Georg von Stein mit all seinen
Besitztümern zurück gekauft.
Als 1632 die
beiden Markgrafschaften Baden-Durlach und
Baden Baden
von den Schweden überrannt und besetzt
wurden, wurde Friedrich von Stein vom oberen
Schloss mit Gustav Adolf, bekannt als König
von Schweden, unter Führung des lutherischen
Margrafen Friedrich V. von Baden-Durlach,
zum Amtmann der Ämter Stainbach, Bühl und
Großweier ernannt. In diesem Jahr gelang es
Friedrich von Stein das obere Schloss mit
all seinem Besitz an sich zu nehmen. Die
kaiserlichen besetzten 1634 beide
Markgrafenschaften und vertrieben die
Schweden. Im Oktober floh Markgraf von
Baden-Durlach, im Dezember floh die Familie
von Stein aus dem oberen Schloss ins Exil
nach Straßburg. Nachdem Abzug der Schweden
im Jahre 1650 kehrte Friedrich von Stein
1651, der inzwischen zum Domkapitular des
Bistums von Straßburg gewählt worden war,
aus Straßburg nach Neuweier ins obere
Schloss zurück. Friedrich von Stein von
Reichenstein starb 1666 und wurde in
Lichtenau evangelisch beerdigt. Französische
Truppen zerstören und plündern am 15.
September 1690 im pfälzischen Erbfolgekrieg
das gesamte Dorf Neuweier. Der Nordflügel
des unteren Schlosses
Neuweier
geht in Flammen auf und es wird vermutet,
auch das obere Schloss sowie die Kapelle.
Wie durch ein Wunder bleibt die Marienstatue
in der Kapelle unbeschädigt, seit diesem
"Wunder von Neuweier" gilt die
Reblandgemeinde als Wallfahrtsort.
Freiherr Franz Philipp von Katzenellenborgen
erwarb 1778 das gesamte obere Schloss mit
allen Besitzungen käuflich. Er ließ 1783 das
obere Schloss wegen Baufälligkeit abreißen
und den Platz einebnen. Der letzte Grundherr
von Neuweier verstarb 1816 und wurde in der
Ortskapelle vor dem Marienaltar der
ehemaligen Kapelle des oberen Schlosses
beerdigt.
Das obere Schloss hatte beim Durchschreiten
der Jahrhunderte nicht so viel Glück als das
untere Schloss
Neuweier. Ab Ende des 16.
Jahrhunderts gab es kaum noch nennenswerte
geschichtliche Ereignisse und gegen Ende des
18. Jahrhunderts endete die Geschichte des
oberen Schlosses von Neuweier.
Die Geschichte der
Reblandgemeinde Neuweier im Überblick
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