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Markgraf Ludwig Wilhelm regierte in der Art eines absolutistischen Herrschers

Von seinem 20. Lebensjahr bis wenige Monate vor seinem Tode war der Markgraf fast ununterbrochen im Auftrag seines Kaisers mit den Interessen des Reiches beschäftigt. Seine Markgrafenschaft mit gerade mal 100.000 Einwohnern wurde daher zumeist in Vertretung verwaltet, das übernahmen vornehmlich seine Tante die Markgräfin Maria Franziska und sein Onkel Markgraf Hermann. Stellvertreterfunktion hatte auch der vom Markgraf eingesetzte "Geheime Rat", Namentlich bekannt sind Johann Christop von Greiffen und Carl Ferdinand von Plittersdorf, der Rat besaß zwar viele Freiheiten, aber wie überliefert ist auch in kleinen Angelegenheiten gerne beim Markgrafen rückfragte.

Das aus gutem Grund, Markgraf Ludwig Wilhelm regierte in der Art eines absolutistischen Herrschers wie es vor allem vom Französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. bekannt ist. Wiederholt wurden neue Arten von Steuern erhoben um dem ständig in Geldnot befindlichen Markgrafen seinen ihm zustehenden Lebensstil zu ermöglichen.

 


Das Volk lebte in Leibeigenschaft und war ständig bedroht vom französischen Nachbarn, der nahm die kleine Markgrafenschaft mehrmals ein, zerstörte die Städte und Dörfer oder erpresste jahrelang Geldzahlungen damit er genau das nicht tat. Markgraf Ludwig Wilhelm mit seinen Forderungen tat sein Übriges dazu. Bauern und Arbeiter wurden für den Bau der Rastatter Schlosses zum Frontdienst gezwungen. Der kleine Staat war völlig verarmt und zerstört, das hielt den Markgrafen, dessen Geschlecht von den ehemals reichen und einflussreichen Zähringer abstammte, den alten Zeiten nachzutrauern und mit deren Lebenstil im eigenen Land zu leben.

Und dieses Land konnte des Öfteren erweitert werden. Kaiser Leopold I., der dem Markgrafen die wirklich großen Wünsche wie eine Standeserhöhung und die Kurwürde verweigerte, war gerne bereit seinen kleinen unbedeuteten Fürsten mit Geschenken bei Laune zu halten. Unter diesen Geschenken befindet sich das Lehen Bühl, die Herrschaft Windeck, die Festung Kehl, die Landvogtei Ortenau, die Reichsvogtei Offenburg, Zell am Harmersbach und Gengenbach, die Grafschaft Eberstein mit Gernsbach, Scheuern und Staufenberg. 

Die ausführliche Geschichte des Markgraf Ludwig Wilhelm

Ludwig Wilhelm wurde am 8. April 1655 im Hôtel de Soissons in Paris als Sohn des zukünftigen Markgrafen von Baden-Baden dem Erbprinzen Ferdinand Maximilian sowie der französischen Prinzessin Louise Christine von Savoyen-Carignan (Tochter von Thomas Franz von Savoyen, Fürst von Carignan und Maria von Bourbon-Condé, Gräfin von Soissons) geboren.

Die Ehe seiner Eltern war wie in diesen Kreisen damals üblich eine reine Zweckehe zur Standeserhöhung und sollte die Verhältnisse der badischen Markgrafenschaft zu den Franzosen verbessern, Gefühle spielten dabei keine Rolle. Die Verheiratung fand, auch das unter den damaligen Adeligen üblich "per procurationem" in Abwesenheit des Bräutigams 1654 in Paris statt. Nach der Hochzeit lies sich die frisch verheiratete Markgräfin Louise Christine aber nicht dazu bewegen, vom glanzvollen französischen Hof, wo sie als Hofdame Anna von Österreich, der Mutter von Sonnenkönig Ludwig XIV diente, nach Baden überzuwechseln. Ferdinand Maximilian reiste daher selbst nach Paris um die Ehe zu vollziehen und seine Gemahlin nach Baden heim zu holen. Dabei muss es aber wohl zu einer beleidigenden Bemerkung des Markgrafen über Luise Christine gekommen sein, wohl eher aber zu einer leichtfertigen Bemerkung, die der jungen Markgräfin sehr gelegen kam und es ihr so ermöglichte, sich einem Umzug in die Markgräfliche Residenz nach Baden zu verweigern. Eine herrschsüchtige Mutter, die ihre Tochter nicht ziehen lassen wollte unterstützte sie dabei redlich.

Die Ehe aber wurde vollzogen und so kam 8. April 1655 ihr Sohn zur Welt. Als Name des Kindes wurde Ludwig Wilhelm nach seinem Großvater Markgraf Wilhelm und seinem Taufpaten Ludwig XIV., dem König von Frankreich gewählt. Aber auch die Geburt des gemeinsamen Kindes konnte die Prinzessin nicht dazu bewegen mit ihrer kleinen Familie in die Markgräfliche Residenz nach Baden zu übersiedeln, selbst der vom Erbprinz Ferdinand Maximilian zur Vermittlung gebetene König von Frankreich Ludwig XIV. konnte die Prinzessin nicht zu gehorsam überreden.

 

So musste Erbprinz Ferdinand Maximilian unverrichteter Dinge ohne seine junge Familie nach Baden zurück kehren. Noch im Geburtsjahr des kleinen Ludwig Wilhelm lies er das Kind durch seinen Kanzler Krebs und Moritz de Lassolaye in die badische Markgrafenschaft entführen. Die Familie des Markgrafen residierte zu dieser Zeit im Neuen Schloss zu Baden-Baden, wo Ludwig Wilhelm nun ohne seine Mutter aufwuchs. Die Mutterrolle für Ludwig Wilhelm nahm dabei wohl Maria Magdalena von Oettingen-Baldern, die zweite Ehefrau von Großvaters Wilhelm ein. Weitere Bezugspersonen waren natürlich Großvater Markgraf Wilhelm und seine Onkels, Kinder aus des Markgrafen Wilhelm erster Ehe Leopold Wilhelm und Hermann sowie der Tante Anna. Aus des Markgrafen zweiter Ehe und etwa gleich alt wie Ludwig Wilhelm boten sich als Spielgefährten Stiefonkel Karl Bernhard und Stieftante Maria Anna Wilhelmine an. 

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