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Das Volk lebte in Leibeigenschaft und war ständig bedroht vom französischen
Nachbarn, der nahm die kleine Markgrafenschaft
mehrmals ein, zerstörte die Städte und Dörfer oder erpresste jahrelang
Geldzahlungen damit er genau das nicht tat. Markgraf Ludwig Wilhelm mit
seinen Forderungen tat sein Übriges dazu. Bauern und Arbeiter wurden für den Bau
der Rastatter Schlosses zum Frontdienst gezwungen. Der kleine Staat war völlig
verarmt und zerstört, das hielt den Markgrafen, dessen Geschlecht von den
ehemals reichen und einflussreichen Zähringer abstammte, den alten Zeiten
nachzutrauern und mit deren Lebenstil im eigenen Land zu leben.
Und dieses Land konnte des Öfteren erweitert
werden. Kaiser Leopold I., der dem Markgrafen die wirklich großen Wünsche wie
eine Standeserhöhung und die Kurwürde verweigerte, war gerne bereit seinen
kleinen unbedeuteten Fürsten mit Geschenken bei Laune zu halten. Unter diesen
Geschenken befindet sich das Lehen Bühl, die Herrschaft Windeck, die Festung
Kehl, die Landvogtei Ortenau, die Reichsvogtei Offenburg, Zell am Harmersbach
und Gengenbach, die Grafschaft Eberstein mit Gernsbach, Scheuern und Staufenberg.
Die ausführliche Geschichte des Markgraf
Ludwig Wilhelm
Ludwig Wilhelm wurde am 8. April 1655 im Hôtel
de Soissons in Paris als Sohn des zukünftigen Markgrafen von Baden-Baden dem
Erbprinzen Ferdinand Maximilian sowie der französischen Prinzessin Louise
Christine von Savoyen-Carignan (Tochter von Thomas Franz von Savoyen, Fürst von
Carignan und Maria von Bourbon-Condé, Gräfin von Soissons) geboren.
Die Ehe seiner Eltern war wie in diesen Kreisen
damals üblich eine reine Zweckehe zur Standeserhöhung und sollte die Verhältnisse der badischen Markgrafenschaft zu den Franzosen verbessern,
Gefühle spielten dabei keine Rolle. Die Verheiratung fand, auch das
unter den damaligen Adeligen üblich "per procurationem" in Abwesenheit des
Bräutigams 1654 in Paris statt. Nach der Hochzeit lies sich die frisch
verheiratete Markgräfin Louise Christine aber nicht dazu bewegen, vom
glanzvollen französischen Hof, wo sie als Hofdame Anna von Österreich, der
Mutter von Sonnenkönig Ludwig XIV diente, nach Baden überzuwechseln. Ferdinand
Maximilian reiste daher selbst nach Paris um die Ehe zu vollziehen und seine
Gemahlin nach Baden heim zu holen. Dabei muss es aber wohl zu einer beleidigenden
Bemerkung des Markgrafen über Luise Christine gekommen sein, wohl eher aber zu
einer leichtfertigen Bemerkung, die der jungen Markgräfin sehr gelegen kam und es
ihr so ermöglichte, sich einem Umzug in die Markgräfliche Residenz nach Baden zu
verweigern. Eine herrschsüchtige Mutter, die ihre Tochter nicht ziehen lassen
wollte unterstützte sie dabei redlich.
Die Ehe aber wurde vollzogen und so kam 8.
April 1655 ihr Sohn zur Welt. Als Name des Kindes wurde Ludwig Wilhelm nach
seinem Großvater Markgraf Wilhelm und seinem Taufpaten Ludwig XIV., dem König
von Frankreich gewählt. Aber auch die Geburt des gemeinsamen Kindes konnte die
Prinzessin nicht dazu bewegen mit ihrer kleinen Familie in die Markgräfliche
Residenz nach Baden zu übersiedeln, selbst der vom Erbprinz Ferdinand Maximilian
zur Vermittlung gebetene König von Frankreich Ludwig XIV. konnte die Prinzessin
nicht zu gehorsam überreden.
So musste Erbprinz Ferdinand Maximilian
unverrichteter Dinge ohne seine junge Familie nach Baden zurück kehren. Noch im
Geburtsjahr des kleinen Ludwig Wilhelm lies er das Kind durch seinen Kanzler
Krebs und Moritz de Lassolaye in die badische Markgrafenschaft entführen. Die
Familie des Markgrafen residierte zu dieser Zeit im Neuen Schloss zu
Baden-Baden, wo Ludwig Wilhelm nun ohne seine Mutter aufwuchs. Die Mutterrolle
für Ludwig Wilhelm nahm dabei wohl Maria Magdalena von Oettingen-Baldern, die
zweite Ehefrau von Großvaters Wilhelm ein. Weitere Bezugspersonen waren
natürlich Großvater Markgraf Wilhelm und seine Onkels, Kinder aus des Markgrafen
Wilhelm erster Ehe Leopold Wilhelm und Hermann sowie der Tante Anna. Aus des
Markgrafen zweiter Ehe und etwa gleich alt wie Ludwig Wilhelm boten sich als
Spielgefährten Stiefonkel Karl Bernhard und Stieftante Maria Anna Wilhelmine an.
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