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Naturschutzgebiet SchliffkopfGrindenhochflächen und Hochmoore im Nordschwarzwald

Als Grinde (ursprünglich kahler Kopf) auch Bergheiden genannt, werden die einstmals von Menschen verursachten fast baumfreien Feuchtheiden auf den abgeflachten Buntsandstein-Höhenrücken der Hornisgrinde, Schliffkopf und Kniebis im Nordschwarzwald.
Entstanden sind die Grindenflächen aufgrund der stetig wachsenden Bevölkerungszahlen im Mittelalter, die einen großen Bedarf an Holz und Weideflächen verlangte. Nach Einstellen der Beweidung in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts bestand die Gefahr, dass die offenen Flächen wieder zu Waldflächen werden.
Durch Pflegemaßnahmen und gezielte Beweidung versucht der Mensch die landschaftsprägenden und ökologischen Flächen der Grinden zu erhalten. Die Grinden, die teilweise von größeren Torfkörpern bedeckt sind (Hochmoore), besitzen eine Gesamtfläche von rund 300 Hektar und umfassen dabei nur etwa 3 % der Kulisse des Nationalparks Schwarzwald. Sie liegen in der Managementzone, sie sollen erhalten, dauerhaft gepflegt und miteinander vernetzt werden.

Die Entstehung der Grindenflächen

Im Hoch- und Spätmittelalter

Die im Mittelalter wirtschaftliche und kulturelle Entfaltung der Menschen förderte Handwerk und Handel, das geht einher mit einem Ansteigen der Bevölkerung. Um die Versorgung der Menschen zu ermöglichen mussten neue Produktionsmethoden entwickelt, die Erträge erhöht werden.
Der Aufschwung der Städte erforderte die Entstehung neuer Handelsrouten. Um diesen Aufschwung zu ermöglichen bedurfte es riesiger Mengen an Wirtschaftsgütern, die vorwiegend der Wald in Form von Nutz- und Brennholz, Holzkohle, Potasche, Harz, Terpentin und mehr liefern musste. Daneben war der Landverbrauch für Äcker und Beweidung der Tiere enorm...

Das hölzerne Zeitalter

Nur wenige Gebäude, vorwiegend Kirchen und Burgen wurden zu damaliger Zeit aus Stein errichtet, fast alle anderen Häuser wurden aus Holz erbaut, Holz wurde aber auch als Brennstoff gebraucht. Das erforderte einen immensen Bedarf an Holz, den Holzbedarf pro Kopf errechnet man zu damaliger Zeit mit 3 bis 4 Festmeter pro Person und Jahr.
Der Nordschwarzwald war einstmals ein fast undurchdringlicher Urwald, der Holzbedarf der Bevölkerung führt zu einer Auslichtung der Wälder, große Flächen werden einfach kahlgeschlagen. Anfangs werden nur die unteren Höhen gerodet, später einhergehend mit dem weiteren Ansteigen der Bevölkerung und Holzbedarf geht es immer weiter auf die Höhe, wichtig war nur der mögliche Abtransport der Holzstämme.
Die unmittelbar bevorstehende Versorgungskrise beim Rohstoff Holz wird schon erkannt, der Begriff der "Holznot" geht um, Holzsparmaßnahmen werden zu einem wichtigen Thema. Die Landesordnung der Grafen von Eberstein aus dem Jahr 1508 schreibt vor, neu errichtete Häuser kniehoch mit Stein zu mauern und mit einem Kamin und Schornstein zu versehen, ein notwendiger Schritt, die häufig vorkommenden Brände zu verringern. Auch die auf den Dächern verwendeten Holzschindeln mussten beim Bau neuer Häusern durch Ziegelsteine ersetzt werden.


Grindenbeweidung Schliffkopf SchafeDie Beweidung der Schwarzwaldhöhen

Die in den Tallagen vorkommenden Weideflächen reichen nicht mehr aus, das verlangt nach neuen Weideflächen, so beginnen im Mittelalter die Menschen die Schwarzwaldhöhen zu bewirtschaften. Neben dem Abholzen der Bäume erfolgt eine Brandrodung die erst 1763 verboten wird, immer größere Herden von Rindern, Schafen und Ziegen führen etwa ab dem 15. Jh. zu massivem Nährstoffentzug und Bodenverdichtung. Dadurch vernässen die Böden, versauerten die nährstoff- und kalkarmen Oberböden was im Laufe der Zeit zur Moorbildung führt. Langsam entstand so das heute noch sichtbaren Landschaftsbild der Grinden. Feuchte Heideflächen, stellenweise nur mit Latschen = Bergkiefern (Pinus mugo) oder Fichten bewachsen. Besonders im Herbst leuchten die Flächen aus Borsten- und Pfeifengras in intensiven Farben. Moorheiden mit Sträuchern der Heidel-, Preisel- oder Rauschbeere wechseln mit scheidigem Wollgras, gewöhnlicher Moosbeere und Rosmarinheide, auch der Sonnentau gehört zu den hier vorkommenden Arten. Zu den Tiere, die in den Grinden vorkommen, gehören verschiedene Vogelarten wie der Dreizehenspecht, Raufußkauz, Sperlingskauz, Wanderfalke, das Auerhuhn und das Haselhuhn, Wiesenpieper, Braunkehlchen und Steinschmätzer. Zu den seltenen Insektenarten gehören verschiedene seltene Heuschreckenarten wie die Alpine Gebirgschrecke.

Das Ende der Beweidung

Nachdem der Mensch die Stallhaltung und die Heumadh einführt wird die intensive Beweidung der Grindenflächen eingestellt, auf den Hochlagen wird die Waldweide 1786 bis auf wenige Ausnahmen verboten. Noch bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhundert wird das Heu gebraucht, so werden zumindest einige der Flächen immer noch gemäht, dann wird auch die "Madh" eingestellt. Die Grindenflächen drohen wieder zu verwalden, der Lebensraum zahlreicher seltener Vogelarten und Insekten geht verloren.
Da hat der Freizeitmensch den Schwarzwald für sich schon erobert, "Sommerfrischler" und "Luftschnapper", wie die Wanderer und Ausflügler früher genannt wurden, verlangen den Erhalt der offenen Grindenfläche. So gehen seit dem Jahr 1966 einmal im Jahr freiwillige Helfer verschiedener Gemeinden und Verbänden daran unter fachkundiger Leitung der Naturschutz- und Forstverwaltung die Verbuschung und Bewaldung der Grinden zu verhindern. Erst auf dem Schliffkopf, später auch auf der Hornisgrinde.

Schwarzwälder HinterwäldlerDie Beweidung wird wieder aufgenommen

Im Jahr 1997 starten Forstämter und Kommunen sowie Naturschutzzentrum ein ursprünglich auf 5 Jahre festgesetztes Pilotprojekt, bei dem zwischen Hochkopf und Kniebis wieder Rinder und Schafe weiden. Für diese Landschaftspflege wurden eine alte vom Aussterben bedrohte Rasse, die Schwarzwälder Hinterwäldler aus leichten robusten Tieren mit gerade mal 1,35 Metern Schulterhöhe, ausgewählt. Was anfangs als Pilotprojekt gestartet wurde ist heute auch aus Kostengründen zum Standard geworden, neben 30 Rindern sorgen viele hundert Schafe und einige Ziegen bei jedem Besuch der Grinden für waldfreie Fläche.
Wer etwas Glück hat kann auch heute beim Besuch der Grinden in den Sommermonaten den Schäfer/Schäferin sehen, der mit den Tieren, Schafen und Ziegen, die Landschaftspflege betreibt.

LIFE-Projekt Grindenschwarzwald

Eines der Ziele des von 2001 bis 2005 geführten LIFE-Programm der Europäischen Union war die Erhaltung und Verbesserung der Lebensräume des „Grindenschwarzwald“. Dabei wurde neben Öffentlichkeitsarbeit, darunter gehören Hinweistafeln und Broschüren, aber auch Erlebnispfade wie der Lotharpfad, die Erhaltung und Beweidung der Grinden-Heidenflächen, der Schutz der Hochmoore, die Verbesserung der Lebensräume seltener Tier und Pflanzenarten. So konnte durch das LIFE-Projekt „Grindenschwarzwald“ die äußere, geografische Landschaft verändert und erhalten und zudem die positive Haltungen der Menschen gegenüber der Natur und dem Naturschutz gefördert werden. Die Finanzierung des Projektes wurde zu 50 % von der Europäischen Union und zu 50 % vom Land Baden-Württemberg sichergestellt.

Die Grindenhochflächen entlang der Schwarzwaldhochstraße

Grindenhochfläche Nationalpark SchwarzwaldSchliffkopf Grindenflächen
Der auf 1.054 m ü.NN. gelegene Schliffkopf liegt seit Mai 2014 im Nationalpark Schwarzwald. Er war davor schon Teil des Naturraum Grindenschwarzwald und Enzhöhen, seit dem 24. September 1938 ist das Gebiet mit einer Fläche von Rund 876 ha als Schutzgebiet ausgewiesen. Der Schliffkopf ist somit das älteste Schutzgebiet auf den Höhen des Nordschwarzwald. Der Schliffkopfbergrücken besteht aus einem Untergrund aus Buntsandsteinm, der besonders während der letzten Eiszeit durch Wind und Eis geformt wurde und so seine heutige Form erhalten hat.


Hochkopf/PfriemackerkopfHochkopf/Pfriemackerkopf
Für uns die schönste Grindenfläche überhaupt, wer Glück und nicht gerade am Wochenende oder Feiertag unterwegs ist,  kann hier fast alleine wandern. Es empfiehlt sich Ende Juli wenn die Heiden blühen vorbei zu schauen. Der Hochkopf mit seiner Grindenlandschaft liegt 1038,3 m ü. NHN. er befindet sich nordöstlich der Hornisgrinde, in etwa 700 Metern Entfernung liegt als Teil des gleichen Bergzugs in nördlicher Richtung der Pfriemackerkopf mit 1035,7 m ü. NHN. Hier eine Rundwanderung von der Hundseck zum Hochkopf.

Hornisgrinde-Biberkessel - HochmoorHornisgrinde-Biberkessel - Hochmoor
Die Hornisgrinde mit 1164 Meter ü. NN ist der höchste Berg im Nordschwarzwald. Der Bergrücken der Hornisgrinde erstreckt sich über eine Länge von rund zwei Kilometern mit einer etwaigen Ausrichtung in Nord-Süd. Ab dem 15. Jahrhundert wurde der Wald gerodet und anschließend als Weidefläche genutzt. Es entstanden baumlose Feuchtheiden auf der dieser Hochfläche, auch Grinden genannt. Im südöstlichen Bereich des Gipfelplateaus ist das Hochmoor bis zu fünf Meter stark und vermutlich mindestens 6000 Jahre alt. 1992 wurden 95 ha der Hochfläche mit dem Hochmoor sowie die Karwand zum Biberkessel zum Naturschutzgebiet Hornisgrinde-Biberkessel erklärt.


Röschenschanze wandernZollstock/Zuflucht
Im Nationalpark Schwarzwald hat man sich das Ziel gesetzt die wertvollen Lebensräume der Grindenflächen langfristig zu erhalten und zu verbessern. Als eine erste Maßnahme in der Managementzone werden im Bereich Zollstock/Zuflucht die Grinden wieder freigestellt um damit die Bedingungen für die seltenen Arten der Grinden zu verbessern. Im Verlauf dieser Verbesserung werden einige Birken und andere Büsche und Bäume, die sich im Laufe der Jahre dort angesiedelt haben, gefällt.
Die offenen Grinden eignen sich für die Schafbeweidung, was wiederum optimale Bedingungen für viele seltene Arten nach sich zieht. So verbessern sich die Lebensbedingungen für die dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten.

SeekopfSeekopf

Direkt am Nationalparkzentrum am Ruhestein führt der Weg in Serpentinen über den Skihang zur Bergstation, von hier aus geht es in Richtung Naturschutzgebiet und Bannwald Wilder See. Auf breiten Wegen führt der Weg nur leicht ansteigend entlang einer nur mit großen Gebüschen aus Bergkiefern durchsetzten offenen Weidelandschaft. Wer zwischen Juli und September wandert, kann mit etwas Glück Schafe und Rinder beim Weiden sehen. Wer möchte kann vom Eutinggrab aus auf den Wilden See schauen und dann weiter zur Darmstädter Hütte (Selbstbedienung leider oft mit Warteschlange) wandern.



Weitere sehenswerte Naturschutzgebiete im Nationalpark Schwarzwald

Naturschutzgebiet und Bannwald Wilder SeeNaturschutzgebiet und Bannwald Wilder See
Das Naturschutzgebiet und Bannwald Wilder See liegt im nördlichen Schwarzwald im Gemeindegebiet von Baiersbronn (Freudenstadt), genauer in den Hochlagen östlich des Gebirgskammes zwischen Hornisgrinde und Ruhestein. Da er in der Nähe der Darmstätter Hütte liegt, wird zumindest der auf dem Seekopf (1055 m ü. NN) dazu gehörende Wildseeblick mit Euting-Grab oft besucht.
Der Karsee "Wilder See" selbst auf etwa 910 MüNN ist weniger stark frequentiert, der Blick vom Seekopf dürfte für weniger ambitionierte Wanderer doch ausreichen. Wer die Natur und Ruhe am See genießen möchte, der sollte sich den Abstieg zum See in der 120 m hohen Karwand aber nicht nehmen lassen. Selbstverständlich kann man den Wilde See in Verbindung einer Rundwanderung, z.B. vom Seibelseckle über den Standort "ehemalige Falzhütte" aus erwandern.


Weitere sehenswerte Naturschutzgebiete im Nordschwarzwald

 HohlohseeDer Hohlohsee mit seinem Hochmoor auf dem Kaltenbronn
Kaltenbronn mit seinem Natur- und Waldschutzgebiet südöstlich von Gernsbach im Murgtal ist eines der beliebtesten Ausflugsziele des Nordschwarzwaldes, das liegt natürlich auch an der urwüchsigen Hochmoorlandschaft mit den Seen Wildsee, Hornsee sowie kleiner und großer Hohlohsee. Die umliegende Moorlandschaft der Seen ist das größte naturbelassene Hochmoorgebiet Deutschlands. Das Hochmoor des Hohlohsee liegt auf einem Bergplateau auf 981 Meter üNN. Schon am 19. Februar 1940 wurde das Hohlohseemoor, in dem der ca. 2 ha große und 3 Meter tiefe Hohlohsee und der kleine ca 0,75 ha große Hohlohsee liegen, auf einer Fläche von 36 ha zum Naturschutzgebiete erklärt.

WildseeDer Wildsee und Hornsee mit Hochmoor auf dem Kaltenbronn
Das Hochmoor des Wild- und Hornsee liegt auf einem Bergplateau auf 909 Meter üNN und damit etwas unterhalb des auf 981 Meter üNN liegenden Hohlohsee. Auch der Wildsee mit ca. 2,3ha Fläche und der 0,7 ha große Hornsee steht unter Naturschutz, der Status war Aufgrund der damaligen Zeit, Baden- und Württemberg waren noch nicht vereinigt etwas schwerer erlangt. So gibt es für den um das Hochmoor befindlichen Bannwald und das Moor mit den Seen Ausweisungen zwischen dem 25. Oktober 1927 und 4. April 1939.




Weitere sehenswerte Naturschutzgebiete im mittleren Schwarzwald

Blindensee bei SchonachDer Blindensee bei Schonach
etwa 4 Kilometer von Triberg entfernt liegt eines der wenigen noch intakten wachsenden Hochmoore im Schwarzwald. Es liegt auf einem Granitmassiv zwischen Schönwald und Schonach, somit also im Bereich des mittleren Schwarzwaldes.

Das Naturschutzgebiet "Blindensee" auf Gemarkung Schönwald wurde mit Verordnung vom 2. März 1960 unter Schutz gestellt. Das auf etwa 1000 Meter üNN gelegene Schutzgebiet besitzt eine Fläche von etwa 28,5 Hektar. Der Blindensee in diesem Hochmoor besitzt einen fast kreisrunden Durchmesser von ca. 50 Metern. Im See spiegelte sich ein langsam rotierendes riesiges Windrad, dessen Bild durch das fast schwarze Wasser noch verstärkt wird. Die Tiefe des Sees beträgt etwa 3 Meter.

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