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Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa)

Der Blauglockenbaum kommt ursprünglich aus China wo er als Kiribaum bekannt ist. Unter dem Namen Blaublütenbaum, Japanischer Kaiserbaum oder Kaiserliche Paulownie ist er bei uns bekannt. Da der Baum was die Holzmasseproduktion betrifft alle anderen Bäume weit übertrifft, bezeichnen viele ihn schon als neuen Wunderbaum.

Der Blauglockenbaum ist eine sehr schnellwachsende Baumart, die aber auch sehr kurzlebig ist, schon nach 60 bis 70 Jahren gehen die meisten Bäume ein.

In Deutschland gibt es den Blauglockenbaum vorwiegend in wärmeren Regionen wie Baden-Württemberg wo er als invasiver Neophyt gilt.
In Städten, Grünanlagen und Gärten in fast ganz Deutschland gibt es ihn als Ziergehölz und Stadtbaum.

In seiner Heimat erreicht er unter idealen tropisch-warmen Bedingungen eine Höhe von über 30 Meter, bei uns wird er in der Regel nur 10 - 15 Meter hoch. Es gibt mittlerweile einige Zuchtformen die für kleinere Gärten geeignet sind und Wuchshöhen nur zwischen 5 - 8 Meter erreichen.

Der Blauglockenbaum gehört zu den am schnellsten wachsenden Bäumen der Welt, besonders in jungen Jahren ist sein Wuchs enorm, höchste Wuchskraft erreicht er mit 20 bis 30 Jahren. Für die Holzproduktion werden Hybrid-Arten zwischen der Paulownia Tomentosa (Blauglockenbaum) und der Paulownia Fortunei verwendet. Die gezüchtete Sorte Nordmax21® soll mit einem Zuwachs von bis zu 6 Meter pro Jahr der am schnellsten wachsende Baum auf der Welt sein.

Standortansprüche
Als Tiefwurzler braucht der Baum gute, tiefgründige pH-neutrale Böden, besonders gut gedeiht er auf sandigen Böden. Was er nicht mag sind Wind und Frost exponierte Lagen, flachgründige Böden und Staunässe.

Wir finden den Baum bei uns eigentlich nur in Lagen unter 700 m Seehöhe. Niederschläge über 600 mm sollten sein, ältere Bäume sind trockenverträglich, beim Setzen der Pflanzlinge kann jedoch eine Bewässerung zumindest in der Anwuchsphase erforderlich sein.

Rinde/Borke/Triebe
Die Rinde ist bei jungen Bäumen glatt und die Lentizellen als helle Punkte gut sichtbar, junge Zweige besitzen klebrige Drüsenhaare. Die Borke bei älteren Bäumen ist leicht rissig und grau-braun.

Wurzeln
Auch wenn er keine Hauptwurzel hat, besitzt er ein gut entwickeltes, weitreichendes Wurzelsystem mit dem der Baum Bodentiefen bis 1,0 Meter erreicht. Seine Seitenwurzeln können dabei deutlich über den Umfang der Krone hinausreichen. Die Wurzeln können massive Schäden an Hauswänden und Mauern verursachen.

Blätter
Die Blätter junger Triebe, besonders wenn sie zuvor auf Stock gesetzt wurden sind sehr groß, teilweise bis zu 50 cm. Erst wenn der Baum älter wird, werden die filzig-behaarten Blätter vergleichbar mit denen der einheimischen Laubbäume. Dann ähneln sie besonders den Blättern des Trompetenbaums Die Blätter bleiben bis zum ersten Frost am Baum, sie bekommen keine Herbstfärbung.

Blüten und Samen
Der Baum mit den bis zu 35 cm großen violett-blauen nach Vanille duftenden Blütenständen blüht bereits Ende April und Mai, noch vor dem Blattaustrieb. In einem Alter von 8-10 Jahren bildet der Baum erstmals Früchte, zumeist im 2-jährigen Rhythmus. Die walnussgroßen Fruchtkapseln, die etwa 1200 Samen enthalten, öffnen sich im folgenden Januar bei trockenem und sonnigem Wetter. Ein Baum kann bis zu 20 Millionen Samen im Jahr produzieren die durch Wind und Wasser verbreitet werden.

Sonstiges
Der Blauglockenbaum verfügt über spezielle Ausscheidungsdrüsen und Drüsenhaare (Trichome), die Schleimstoffe absondern, welche Insekten, vor allem Ameisen, anlocken. Diese dienen dann dem Baum als Schutz vor Pflanzenfressern.

Wie gelangt der Blauglockenbaum nach Europa

Die Art wurde durch den Botaniker, Natur- und Japan-Forscher Philipp Franz von Siebold (1796 - 1866) nach Europa eingeführt.
Siebold gab dem Baum seinen lateinischen Namen zu Ehren der russischen Prinzessin und Grossfürstin Anna Paulowna die von 1840 bis 1849 Königin der Niederlande war.

Der Blauglockenbaum war wohl auch der Lieblingsbaum des österreichisch-ungarischen Kaisers Franz Joseph I. was heute noch an vielen Bäumen in und um Wien erkennbar ist.

In Frankreich wurde der Baum erstmals 1834 kultiviert. In Deutschland findet man den Baum erstmals 1843 in Hamburg im Handel.
Für seine Expansion hat sich die Art Zeit gelassen. In Deutschland wurde ein verwilderter Baum erstmals im Jahr 1925 entdeckt, 1976 wurde in Geisenheim (Hessen) ein etwa 50 Jahre alter Baum gesichtet, der nachweislich nicht angepflanzt wurde.

In Baden-Württemberg wurden die ersten „wilden“ Bäume in den 1970/80er Jahren nachgewiesen. Heute finden wir den Baum in Baden-Württemberg in größeren Beständen.

Die positiven Eigenschaften des Blauglockenbaum

- Der Baum verträgt sommerliche Trockenphasen ohne Trockenstress, so ist er ein Gewinner des Klimawandels. Die Wuchsbedingungen, im Moment gedeiht der Baum am besten in Regionen mit Weinbauklima, werden sich zukünftig weiter verbessern.

- Auch wenn die Endknospen des Baums im ersten Jahr der Pflanzung erfrieren und zurückgeschnitten werden müssen, treibt der Baum über die Seitenknospen erneut aus. Ältere Bäume sind dann relativ frosthart, sie können Temperaturen bis -20°C ertragen. Alternativ werden die Pflanzen nach dem ersten Jahr auf Stock gesetzt. Soll Nutzholz oder Furnier z.B. für Möbel produziert werden ist konsequente Astung wichtig, so erfordern die nötigen Baumschnitte einen Mehraufwand.

- Die Baumart liefert ein hervorragendes Nutz- und Wertholz wie Energieholz. Außergewöhnlich ist sein Verhältnis von Gewicht (Rohdichte ca. 0,29g/cm³) und Festigkeit, so ist das Holz formstabil, leichter und härter als das der Fichte, besitzt aber eine höhere Festigkeit. Zudem ist es schwer entflammbar, es isoliert gegen niedrige Temperaturen.

- Da im Jahr bis zu 4 cm Dickenwachstum erfolgt, erreichen zehnjährige Bäume Durchmesser von 35 bis 40 Zentimeter. Einzelne Bäume können innerhalb von 20 Jahren bis zu 1,5 Kubikmeter Holz produzieren.

- Durch seine hohe Wuchsleistung eignet sich der Blauglockenbaum hervorragend zur Hackschnitzelgewinnung.

- Bereits 1986 wurde an der Universität Göttingen Paulownia hinsichtlich ihrer Eignung für OSB- und Spanholzplatten überprüft. Dabei stellten die Forscher erstaunliches fest, so ist eine aus Paulownia hergestellte Spanholzplatte gegenüber herkömmlichen um 30% stabiler und das bei 30% weniger Gewicht. Einzig die Verfügbarkeit von Paulownia Holz verhindert bisher wohl deren Kaufmöglichkeit im Handel.

- Das Holz, das wegen seines geringen Gewichtes bei gleichzeitig hoher Stabilität oft als das „Aluminium der Holzarten“ bezeichnet wird ist für Musikinstrumente, Tischtennisschläger, Kimonoschränke, aber auch für Skihersteller interessant. Im Schiffsbau wird es aufgrund des Teakholz Angebots mehr und mehr nachgefragt. Im Saunabau kann es tropische Hölzer ersetzen. Es zeichnet sich durch eine geringe Wasseraufnahme und Formstabilität aus.

- Die im Herbst abfallenden Blätter sind gut zersetzbar, sie bilden günstige Humusformen.

- Sein Konkurrenzverhalten gegenüber einheimischen Arten im Wald ist gar nicht so groß, aufgrund eines vergleichsweise späten Blattaustriebs unterliegt er durchaus häufig. Die Art besitzt keine große Schattentoleranz, sie ist sehr lichtbedürftig, was eine größere wilde Ausbreitung im Wald wenig wahrscheinlich macht.

- In der chinesischen Landwirtschaft werden die zuckerreichen Blätter und Blüten als Viehfutter verwendet, bei einem 8- bis 10-jährigen Baum kann das etwa 100 kg Futter sein.

- In China werden die Blätter auch pharmazeutisch genutzt. Neben anderen wird der Wirkstoff Paulownin in den Blätter als Grundsubstanz zur Behandlung von Bronchitis und Husten eingesetzt. Aus den flavonoid- und alkaloidhaltigen Früchten werden Haarpflegemittel hergestellt. Die Extrakte von Früchten werden zur Blutdrucksenkung und Behandlung asthmatischer Erkrankungen eingesetzt.

- Die Blüten des Baumes sind wertvoll für Insekten, so wird der Baum insbesondere von Imkern geschätzt. Leider steht der Baum immer noch auf Listen die eine Anpflanzung in Gärten vorschlägt um bienenfreundliche Bedingungen zu schaffen. Letztlich ein Eigentor, denn Pflanzen die aus dem Garten in die Umwelt geraten behindern die einheimische bienenfreundliche Flora.

Die negativen Eigenschaften des Blauglockenbaum

- Der Blauglockenbaum bevorzugt wärmere Standorte, was eine weitere wilde Verbreitung durch den Klimawandel wahrscheinlich macht.

- Es gibt hierzulande noch keine nennenswerten natürlichen Feinde (Insekten oder Krankheiten) die eine Verbreitung des Baumes einschränken. Lediglich Mäuse und Bodenpilze können bei Jungpflanzen schädlich wirken

- Samen werden durch Wind und Wasser verbreitet, bestehende Bäume die weichen sollen, können nicht einfach nur gefällt werden, da sie zu Stockausschlägen und Wurzelbrut neigen.

- Die Keimrate bei Samen von voll ausgereiften Früchten beträgt an offenen Standorten 70 bis 90 %. Einzelbäume in Städten breiten sich auf Brachflächen in Siedlungen und Gewerbegebieten sowie entlang von Bahngelände aus. In den Städten finden wir den Baum oft in Bodenritzen entlang von Mauern und Häusern, hier können Schäden durch Wurzeln auftreten.

- Der Blauglockenbaum hat in Deutschland den Status einer potenziell invasiven Art erhalten und ist auf der grauen Liste des Bundesamts für Naturschutz (BfN) aufgeführt und steht somit unter Beobachtung.

Wie kann die Verbreitung des Blauglockenbaum verhindert werden

Die Art ist sehr lichtbedürftig, wenig schattentolerant, kann daher im Wald allenfalls am Waldrand oder auf Lichtungen bestehen. An offenen Landflächen, auf Ruderal-Flächen, entlang von Bahnstrecken, in Siedlungen, Industrie- und Gewerbebrachen sieht das anders aus, hier breitet sich die Art aus. Da die Pionierbaumart im weiteren Verlauf anderen Bäumen unterlegen ist, gibt es Im Moment aber wohl noch keinen akuten Bedarf den Baum in Waldgebieten an seiner Verbreitung zu hindern.

Typisch: reibt
Wichtig: Giftige Teile des Blauglockenbaums
Die meisten Teile des Baumes enthalten Toxine, sie gelten als ungenießbar und leicht giftig für Mensch und Tier.
Ein Verzehr kann Magen- und Darmbeschwerden sowie Durchfall und Erbrechen hervorrufen, die Beschwerden gehen aber meist nach kurzer Zeit von alleine weg. Ist das nicht der Fall, suchen Sie einen Arzt auf.
Pflanzensaft an die Haut, kann sich diese röten und leicht jucken. Hier hilft es, die Stelle....? 
Die Blätter dagegen können durchaus verzehrt werden, der Geschmack ähnelt dem von Spinat. Diese können Sie auch ohne Bedenken an Haustiere verfüttern, wie oben beschrieben werden sie auch als Viehfutter verwendet.

Quellen alle November 2019
Reinhard Mosandl, Bernd Stimm, WUH, Deutschland
http://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/waldbau/wuh_paulownia_tomentosa/index_DE
Bernd Stimm, Joachim Stiegler, Christian Genser, Stefan Wittkopf und Reinhard Mosandl.
lwf.bayern.de/mam/cms04/boden-klima/dateien/a96_paulownia-hoffnungsträger_aus_fernost_bf.pdf
Mosandl,Reinhard; Stimm, Bernd (2014)
https://mediatum.ub.tum.de/doc/1253384/file.pdf
https://www.garten-treffpunkt.de/lexikon/blauglockenbaum.aspx
https://de.wikipedia.org/wiki/Blauglockenbaum
WeGrow GmbH
https://www.wegrow.de/kiri.html

Landwirtschaftskammer Niederösterreich
http://www.waldveredelung.at/images/Blauglockenbaum.pdf

DER FORSTBETRIEB
https://www.plan-8.de/files/download/Artikel%20Paulownia%20_Waldwirt%203-2017%20_Seite15-16.pdf
https://praxistipps.focus.de/blauglockenbaum-so-giftig-ist-die-pflanze_112486
Schwarze Liste invasiver Pflanzen in Sachsen-Anhalt
https://www.korina.info/wp-content/uploads/2017/07/BfNEinstufungssteckbrief_Paulownia-tomentosa.pdf
Torsten Vor, Hermann Spellmann, Andreas Bolte, Christian Ammer (Hrsg.) Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten
https://waldbauernverband.de/2010/cms/upload/pdf-dateien/Invasivitaet_2015-02_Studie_Potenziale_Risiken_eingefuehrter_Baumarten.pdf

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