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Naturschutzgebiet BruchgrabenNaturschutzgebiet Bruchgraben 48°47'33.0"N 8°10'18.7"E

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Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Bruchgraben bei Baden-Baden zählt zu den größten und bedeutendsten Feuchtgebieten in der Region. Das Schutzgebiet beeindruckt durch ein Mosaik unterschiedlicher Bodenverhältnisse in denen sich verschiedene Pflanzengesellschaften entwickelt haben. Natürlich auch durch die entsprechenden charakteristischen, gefährdeten Pflanzen- und Tierarten.

Leider finden sich im Schutzgebiet mittlerweile auch einiges an Neophyten wie den Japan-Knöterich und der Schmetterlingsflieder „Buddleja“, sogar einige Essigbäume konnten wir finden. Ein großes Problem dürfte die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) sein, die bereits große Flächen vereinnahmt.

Die zwei Teilgebiete des NSG

Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Bruchgraben" hat eine Größe von ca. 292 Hektar, das Naturschutzgebiet alleine eine Größe von 179 Hektar, die Schutzgebiets-Nr 2.095.

Das Schutzgebiet das von Sinzheim (Ooskanal) bis an den Rand des Gewerbegebiet Baden-Baden Sandweier verläuft, lässt sich für Besucher grob in zwei ungleich große Bereiche einteilen. Die Bundesstraße B 500 (Autobahnzubringer) trennt das Schutzgebiet in diese zwei Teilbereiche.

Für Besucher ist es möglich in einer Rundwanderung die Schutzgebiete getrennt zu besuchen/bewandern oder beide Gebiete durch eine Fußgängerunterführung der B500 zu verbinden.

Schilfröhricht BruchgrabenDas größere Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Bruchgraben" wird im Wesentlichen im Norden von der Landesstraße 78 bei Sandweier, im Osten vom Flugplatz Baden-Baden, im Westen durchschnitten von Erlenbruchwald und der Bundesautobahn A 5 und im Süden von der B500 begrenzt.

Das kleinere Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Bruchgraben" wird im Wesentlichen im Norden von B500, im Osten durch Flurstücke der Gemeinde Sinzheim Kartung, im Westen von der Bundesautobahn A 5 und im Süden vom Ooskanal bei der Gemeinschaftskläranlage Baden-Baden Sinzheim begrenzt.

Was gibt es im kleineren Schutzgebiet südlich der B500

Es umfasst mit weniger als 1/3 der Gesamtfläche den kleineren Teil des Schutzgebietes, der Bereich ist deutlich feuchter und sumpfiger. Je nach Bodenverhältnissen gibt es als Wiesen genutzte feuchten Flächen mit hierfür angepassten Pflanzen, die durch ihren Blütenreichtum begeistern können.

Die sumpfigen und feuchten Bereichen des Schiffröhricht sind stark durchsetzt von Binsen, Schilf und Rohrkolben.
Im Bereich der tiefsten und nassesten Stellen des Großseggenried finden sich Großseggenrieder, hauptsächlich von der Steifen Segge (Carex elata), weniger von der Schlanksegge (Carex ambiformia) gebildet.

Auf den etwas weniger nassen Standorten zeigen sich Sumpfdotterblumenwiesen, Pfeifengraswiesen, auf entsprechenden ungedüngten Standorten leider nur noch ein kleiner, aber gut erhaltener Rest mit Frühlingslabkraut (Galium verum), Heilziest (Stachys officinalis), Sumpfschafgarbe (Achillea ptarmica), Teufelsabbiß (Succisa pratensis), Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Kümmelsilge (Selinum carvifolia) um nur ein paar zu benennen.

An den Rändern der Wege und den ehemaligen Ackerflächen finden sich Ackerkratzdisteln (Cirsium arvense) und größere Goldrutenbestände. Auf weniger feuchten Standorten dominieren Fuchsschwanz-Glatthaferwiesen.

Lebensraum bedrohter bodenbrütender Vögel

In den großräumigen Feuchtwiesen brüten einige mittlerweile stark bedrohte Bodenbrüter wie Tüpfelsumpfhuhn und Bekassine. Der Kiebitz lässt sich im Moment (Stand 2020) zwar sehen, Brutnachweise konnten aber soweit uns bekannt noch nicht bestätigt werden.

Da Bodenbrüter ihre Nester direkt auf dem Boden errichten, wurden sie in der Vergangenheit durch freilaufende Hunde und Füchse stark beeinträchtigt ihrem Nachwuchs aufzuziehen.
Bodenbrüter brauchen zudem weiträumige Flächen mit niedrigem Bewuchs, damit sie herankommende Fressfeinde sehen können.

Wasserbüffel im Naturschutzgebiet BruchgrabenWasserbüffel sollen bei der Brutaufzucht helfen

Seit April 2020 unterstützt das Regierungspräsidium Karlsruhe die Bodenbrütenden Vögel bei ihrer Jungenaufzucht im kleineren Schutzgebiet. Am südlichen Rand des Naturschutzgebietes, bei der Gemeinschaftskläranlage Baden-Baden Sinzheim die durch den Ooskanal vom Schutzgebiet getrennt ist, wurde eine etwa 17 Hektar große Fläche des Feuchtgebietes mit einem starken Elektrozaun eingezäunt.
Die robusten Wasserbüffel sollen die Vegetation niedrig halten, zudem fressen sie auch das harte Schilf sowie die Blätter und Zweige vieler Bäume.

Was gibt es im größeren Schutzgebiet nördlich der B500

Es umfasst mit mehr als 2/3 der Gesamtfläche den größeren Teil des Schutzgebietes, der Bereich ist weniger feuchter und sumpfiger. Es gibt größere als Wiesen genutzte feuchte Flächen aber auch Bereiche mit Schilfröhricht und Röhricht/Hochstaudenflur. Im Westen verläuft der Rundweg durch einen Erlenbruchwald.
Die Pflanzengesellschaften auf den Feuchtwiesen entsprechen im Wesentlichen dem der Wiesen im kleineren Schutzgebiet. Es gibt ein Niedermoor auf der die selten vorkommende Sumpf-Blutauge (Blütezeit zwischen Juni und Juli/August) steht, dagegen finden sich nach unserem Eindruck weniger an Binsen, Schilf und Rohrkolben.

Der Erlenbruchwald entlang des Bruchgrabens dagegen zeigt einen Ausblick auf Bestände der Gelben Schwertlilie, wer die blühen sehen möchte, sollte aber schon Anfang Mai vorbeischauen.

Neuntöter oder Rotrückenwürger (Lanius collurio)Die Tierwelt im NSG Bruchgraben

Vogelarten
Seine Bedeutung für Bodenbrütende Vogelarten wurde schon beschrieben, weitere 80 von bisher 125 (seit 1977) nachgewiesenen Vogelarten sollen ebenfalls im Schutzgebiet brüten.

In der Schutzgebietsverordnung aus dem Jahre 1986 steht „Herausragend in seiner überregionalen Bedeutung ist das gleichbleibende Brutvorkommen der Bekassine (Gallinago gallinago) mit 8 bis 10 Paaren“. ….
….…. „Ebenfalls besonders bemerkenswert sind die Brutvorkommen weiterer gefährdeter Wiesenvogelarten wie dem Braunkehlchen (Saxicola rubetra), das mit bis zu 32 Paaren eine für heutige Verhältnisse ungewöhnlich hohe Population hier hat“.

Ob das wirklich noch stimmt, wäre durchaus interessant zu wissen… auch wie sich das Vorkommen der 1986 nachgewiesenen Vogelarten von Wachtel (Coturnix coturnix), Teichrohrsängers (Acrocephalus scirpaceus), Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus), Waldschnepfe (Scolopax rusticola), Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) und Hohltaube (Columba oenas) sowie Baumfalke (Falco subbuteo) entwickelt hat.
Es sind aber nicht nur die im Schutzgebiet brütenden Vögel auf den Erhalt dieser Mosaiklandschaft angewiesen, für durchziehende und in der Umgebung brütende Vögel ist der Bruchgraben auch als Rast-, Nahrungs- und Schlafplatz von Bedeutung.

Gelbbauchunke (Bombina variegata)Bei unseren Wanderungen im Bruchgraben konnten wir oft den Neuntöter (Lanius collurio) auch als Rotrückenwürger bezeichnet sehen, hierbei sind einige schöne Aufnahmen gelungen.

Amphibien
Im Naturschutzgebiet Bruchgraben konnten von den 18 in Baden-Württemberg heimischen Amphibienarten 12 Arten nachgewiesen werden, neben Kreuzkröte (Bufo calamita) und Wechselkröte (Bufo viridis) auch die seltene Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), zudem bedrohte Arten wie der Moorfrosch (Rana arvalis) und der Laubfrosch (Hyla arborea).

Wirbellose Tiere
Die Wirbellosenfauna der Feuchtwiesen ist außerordentlich reichhaltig. Insekten und Spinnen sind überwiegend deutlich kleinräumiger in die Strukturen ihrer Lebensräume eingenischt, als Vögel und Amphibien, weil sie beispielsweise verschiedene Pflanzenarten nutzen oder oftmals nur enge Bereiche der Bodenfeuchte besiedeln.

Eine Liste der vorkommenden Insekten habe ich nicht gefunden, die dürfte dann aber lang sein und dem entsprechen was Feucht- und Nasswiesen in Naturschutzgebieten allgemein zu bieten haben.

Rotbraune Ochsenauge (Pyronia tithonus)Entlang der Wege und in den Wiesenrandbereichen (ja wir bleiben auf den Wegen) finden sich bei den Schmetterlingen zahlreiche Tag- und Nachtfalter. Spezialisten wie der Große Feuerfalter (Lycaena dispar) aber auch Generalisten wie das Kleine Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus).

Dazu gesellen sich eine große Artenvielfalt an Wildbienen und Käferarten, hier besonders viele aus der Familie der Scheinbockkäfer, Schenkelkäfer oder Engdeckenkäfer (Oedemeridae).

Wer etwas genauer hinschaut kann verschiedene Arten von Spinnen, auch mal ein großes Weibchen der Wespenspinne (Argiope bruennichi) und ihre bevorzugte Beute, Heuschrecken wie die Sumpfschrecke (Stethophyma grossum) beobachten.

Entstehungsgeschichte der Landschaft des Schutzgebiet Bruchgraben

Die Entstehungsgeschichte unserer Landschaft selbst reicht weit zurück, schon mit den Ereignissen im Paläozoikum vor etwa 380 Millionen Jahren beginnt sich das Relief unserer Landschaft zu gestalten. Die eigentlichen Veränderungen die zu dem Landschaftsbild führen das wir heute kennen, geschehen aber erst nach dem Ende der letzten Eiszeit im Oberrheintal vor etwa 10.700 Jahren.

Baden-Württemberg wurde während der Eiszeit von den großen, riesigen Flächen bedeckenden Eiszeitgletschern verschont, die schmelzenden Eismassen der Alpengletscher und in kleinerem Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)Maßstab auch der Eis und Schneemassen auf den Schwarzwaldhöhen, die in die Flußsysteme der Täler abführten haben unsere Landschaft trotzdem nachhaltig geformt.

Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Bruchgraben bei Baden-Baden ist Teil der Kinzig-Murg-Rinne die zum nacheiszeitlichen Flußsystems des sogenannten „Ostrheines" gehört.

Da das Relief der Landschaft hier ein sehr geringes Gefälle (1 Meter auf 1500 Meter in Süd-Nord-Richtung) hat, verteilt sich das Wasser über eine große Fläche, netzartig und in wechselnd mäandrierendem Verlauf. Mitgeschwemmte Steine und Gerölle blieben als einzelne Schotterrücken im Rinnenbereich stehen, daneben entstanden Altarme in unterschiedlichen Verlandungstadien.

Im weiteren Verlauf einiger Jahrtausende versumpften große Teile des einstigen Überschwemmungsgebietes was schließlich zur Vermoorung des Flußtales führte. Verlandungsprozesse die zu einer Vermoorung führen, übrigens ein Prozess der bei jedem Gewässer stattfindet, dauern in der Regel sehr lange.

Die vorhandenen Schotterablagerungen begünstigten hierbei die unterschiedlich lange dauernden Verlandungsprozesse was besonders im Bereich des Natur- und Landschaftsschutzgebietes „Bruchgraben" zu einer kleinräumigen, ungewöhnlich vielfältigen Mosaiklandschaft führte.

Letztlich ist es dann noch der Mensch, der sich die Landschaft nach seinen Wünschen umbaut und so weit als möglich „ausraubt“, bei uns in Mitteleuropa war das bis Mitte des 19. Jahrhunderts aber kein Problem, für unsere Artenvielfalt sogar ein Glücksfall.

Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi)Erst die Erfindung des Mineraldünger durch JUSTUS LIEBIG im Jahr 1840, die den Bauern die Möglichkeit gibt, erstmals entnommene Pflanzennährstoffe im Boden nicht nur zu ersetzen, sondern Nährstoffe zu erhöhen, ist der Beginn eines in den nächsten fast 200 Jahren unvergleichlichen Artensterben.
Bevor der Mensch eingriff, gab es auf den anmoorigen bis niedermoorartigen Böden im „Bruchgraben“ vorwiegend Erlen-Bruchwälder in kleinflächigem Wechsel mit Erlen-Eschen-Wäldern.

Nachdem der Mensch den Wald gerodet hatte, betrieb er auf dem größten Teil der Flächen, noch bis in die jüngste Zeit hinein Grünlandwirtschaft. Davon ausgenommen waren lediglich die kiesigsandigen bis lehmigsandigen Rücken (z. B. im Gewann „Eichtung"), diese Flächen konnten auch ackerbaulich genutzt werden.

Weil sich das auch in der Zeit der Intensivlandwirtschaft nicht änderte, konnte sich die heute vorkommende große Vielfalt von Grünlandgesellschaften mit ihren angepassten Tierarten entwickeln.

Anfahrt

Als Startpunkt eines Besuches empfehlen wir drei mögliche Orte:

Baden-Baden Bahnhof 48°47'24.9"N 8°11'28.1"E
Es ist möglich mit dem Zug oder Bus an den Bahnhof Baden-Baden zu fahren. Der Bahnhof und das NSG werden durch die B3 neu getrennt, bitte die Bahnhofsunterführung in Richtung Westen (Frankreich) durchgehen. Jetzt in Südlicher Richtung entlang des Ooskanals bis zum Mömax Möbelhaus laufen, die „Westliche Industriestraße“ überqueren und auf der Straße „Im Heitzenacker“ gleich rechts laufen. Der Weg führt in den nördlichen größeren Bereich des Naturschutzgebietes.
Wer mit dem Auto kommt, findet im Bereich des Mömax Möbelhaus Parkmöglichkeiten.

Sandweier 48°48'11.3"N 8°11'02.8"E
Wer mit dem Auto von der A5 kommt (Ausfahrt Raststätte) fährt in östlicher Richtung Baden-Baden, überquert die A5, nach wenigen hundert Meter geht es rechts in einen kleinen Parkplatz (Römerstraße).
Wir empfehlen erst den betonierten Weg parallel zur „Richard Haniel Straße“ in Richtung Baden-Baden zu laufen, der erste, besser noch der zweite Weg rechts ab führt direkt in eine schöne Blumenwiese (gegenüber Pferdegatter).
Der Weg führt in den nördlichen größeren Bereich des Naturschutzgebietes.

Gemeinschaftskläranlage Baden-Baden Sinzheim 48°47'03.8"N 8°09'55.8"E
Eine Möglichkeit direkt in das kleinere südlich gelegene Naturschutzgebiet zu gelangen, ist die Wanderung an Ooskanal bei der Kläranlage zu beginnen. Diese Version beansprucht bei Fußgängern ohne OVP Anbindung eine etwas weitere/zusätzliche Streckenwanderung.

Die Anreise mit dem Auto ist hier die bessere Möglichkeit, es gibt aber keine ausgewiesenen Parkmöglichkeiten.

Möglich wäre es, vom Bahnhof aus, auch nach dem Mömax Möbelhaus des Ooskanals bis zur Kläranlage zu laufen. Wir hatten da aber schon Pech, nach längerem Regen kann die Strecke stellenweise auch unter Wasser stehen.

Informationen zum Urheberecht: 

Die in diesem Artikel eingestellten Bilder dürfen unverändert und unter Angabe der Quelle kopiert und zum Zweck der öffentlichen Berichterstattung in allen Medien weiterverarbeitet werden. Wer ein größere Auflösung möchte, meldet sich einfach.

Wasserbüffel im NSG Bruchgraben bei Baden-Baden

Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis)

 Feuchtgebiet bei Baden-Baden

 

 

 

 

 

 

 

 NSG Bruchgraben

 

 

 

 

 

 

Marienkäfer in Wilder Möhre

 

 Ameisensackkäfer

Landschaftsaufnahmen vom Juli 2020 aus dem nördlichen Bereich des Naturschutzgebiets
                   

 

 

 

 

Quellen alle 06.05.2020

https://rips-dienste.lubw.baden-wuerttemberg.de/rips/ripsservices/apps/naturschutz/schutzgebiete/steckbrief.aspx?id=919001000086
http://www2.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/abt2/dokablage/oac_12/wuerdigung/2/2095.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Bruchgraben_(Natur-_und_Landschaftsschutzgebiet)
https://bnn.de/lokales/baden-baden/wasserbueffel-sollen-vogel-lebensraum-bei-baden-baden-verbessern-biotop-bruchgraben
https://de.wikipedia.org/wiki/Feuchtwiese

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