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Moorsee bei KaltenbronnMoore und Hochmoore im Schwarzwald

Die Moore unserer Erde nehmen rund 3% der Landfläche ein, besonders viele Moore gibt es in Russland, Alaska und Kanada. In Deutschland kommen Moore vor allem im Nordwesten, Nordosten und im Alpenvorland vor.

Die Moorlandschaften Deutschlands bedeckten ursprünglich etwa 1,5 Millionen Hektar, das waren 4,2 Prozent der Landfläche. Durch Torfausbeutung, oft wurde Torf als günstiges Brennmaterial abgebaut, landwirtschaftliche Nutzung und Aufforstung wurden fast 99% alle der Moore zerstört, das geschieht in Deutschland heute noch.

Die Schutzwürdigkeit der noch erhaltenen Moor- und Hochmoorreste ist mittlerweile unumstritten. Vor allem die hohe naturkundliche Bedeutung des Lebensraumes Moor mit seinen spezialisierten Tier- und Pflanzenarten, viele sogar auf "Roten Listen" geführt, wurde erkannt. Aus diesem Grund sind derzeit 650 Moore in Baden-Württemberg als Naturschutzgebiet (NSG) oder flächenhaftes Naturdenkmal (FND) geschützt (Quelle Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg).

Moore erfüllen aber auch wichtige ökologische Funktionen, dank ihrer hohen Wasserspeicher-Eigenschaft dienen Moore als natürlicher Hochwasserschutz, darüber hinaus speichern Moorflächen das Grundwasser. Da Moore in der Lage sind große Mengen an Kohlenstoff zu speichern, tragen sie bei zum globalen Klimaschutz.
Die Moore in Baden-Württemberg werden seit 1910 im Moorkataster erfasst, dabei wird die Fläche, Mächtigkeit bis zum mineralischen Untergrund, Art des mineralischen Untergrunds, Moortyp, Vegetation, Zersetzungsgrad und Nutzung erfasst.

Hochmoor SchwarzwaldAuf den Plateauflächen des Nordschwarzwaldes haben sich einige große Hochmoore, bzw. bei noch vorhandenem Mineralbodeneinfluß und extensiver Bewirtschaftung Niedermoore gebildet. Das bekannteste Hochmoor ist sicher das ca. 900 m ü. NN gelegene Wildseemoor bei Kaltenbronn. Einen besonderen Moortyp stellen auch die Grindenhochmoore in Form von Rasenbinsen-Mooren auf den Buntsandstein-Hochflächen dar, sie lösen oberhalb von ca. 1000 m ü. NN die Torfmoose ab. Daneben gibt es Verlandungsmoore in den Eisgletschern der Würm Eiszeit entstandenen Karmulden (z. B. Blindsee, Wilder See)

Moore erscheinen dem Menschen seit jeher unheimlich

Moore erscheinen dem Menschen seit jeher unheimlich, sie galten als unheimlich, gar als gefährlich, der Boden war "nicht verträglich", es konnten keine Siedlungen angelegt werden und und an eine landwirtschaftliche Nutzung der Moore war nicht zu denken. Weil keine nutzbaren Pflanzen gedeihen konnten, galten Moore lange als „schlechtes“ oder „wildes Feld“. In einem Moor konnte man allenfalls seinen Müll und Unrat loswerden. Aber Vorsicht, der Boden hält Gummistiefel fest und was darin einsinkt, kommt so leicht nicht wieder frei.. Moore inspirierten aber auch, sie wurden als Orte religiöser Riten genutzt.

Wann sind die Moore entstanden

Gleich mal vorweg, Moor und Sumpf sind nicht das gleiche, Sumpf bildet keinen Torf, Sumpf kommt auch nur an Flussniederungen und Seeufern vor.
Aber auch Moor ist nicht gleich Moor, sie werden unterschieden in Niedermoor, auch Flachmoor (veraltet) genannt, Übergangsmoore auch Zwischenmoore und letztlich die Hochmoore. Die Reihenfolge bezeichnet auch die mögliche Entwicklung eines Moores. Es kann durchaus Jahrtausende dauern, bis aus einem Niedermoor eine Hochmoor entstanden ist. Wobei ein Niedermoor dabei nur sehr selten diese Entwicklung zu einem Hochmoor vollzieht.

Bohlenweg auf der HornisgrindeUnsere heutigen Moore entstanden nach dem Ende der letzten Eiszeit. Diese hat übrigens regional unterschiedliche Namen, im Alpenraum Würm-Eiszeit, auch Würmzeit genannt, im Norddeutschen Raum spricht man von der Weichsel-Eiszeit. Die Eiszeit begann vor etwa 115.000 Jahren, sie endete vor etwa 11.700 Jahren. Mit dem Ende der Eiszeit verbinden Geologen auch ein neuer Zeitabschnitt in der Erdgeschichte, das etwa 2,5 Millionen Jahre dauernde Pleistozän geht über in das Holozän.

Die wichtigste Vorraussetzung für die Bildung eines Moores ist Wasser im Überfluss

Bleiben wir einmal im Nordschwarzwald, in der Übergangsphase nach der Eiszeit begann sich das Klima allmählich wieder zu erwärmen, zuvor war die Erde vom Nordpol bis nach Norddeutschland mit einem Eisgletscher bedeckt, in den Tallagen der Oberreinebene gabe es auch in der Würmeiszeit noch ein "angenehmes" Klima. Im Nordschwarzwald waren lediglich die Höhenlagen der Hornisgrinde vergletschert. So war am Ende der Eiszeit das ganze Hornisgrindegebiet mit einer geschlossenen Firnkappe (führt zu Gletscherbildung) bedeckt, von der aus fünf Gletscherzungen mit bis zu drei Kilometer Länge hinabreichten (Metz 1977). Die Gletscher die hinabreichten führten zu vielen Karen und Karseen.

Eispanzer aus Firnschnee, die sich an vielen kalten Stellen gebildet hatten begannen also zu schmelzen, auf der Hornisgrinde und am Kaltenbronn fielen in dieser Zeit (auch heute noch) sehr viele Niederschläge, überall dort wo die klimatischen Bedingungen stimmten, ein feuchtes, kühles Klima herrschte und mehr Niederschläge fielen als Wasser versickerte oder verdunstete, konnte ein Hochmoor entstehen.

Wie entsteht ein Niedermohr

Überall in Europa: Die Gletscher schmelzen, das führt dazu, dass der Grundwasserspiegel steigt, alles was unter dem Grundwasserspiegel liegt wird überflutet. Es entstehen Seen und Teiche unterschiedlicher Größe. Viele der Seen und Teiche werden von den sich ansiedelnden Pflanzen am Randbereich beginnend überwuchert, das nährstoffreiche Grundwasser ist ideal für feuchtigkeitsliebende Pflanzen, Niedermoore entstehen, sie sind viel artenreicher als Hochmoore was Pflanzen- und Tierarten betrifft. Typische Pflanzen in Niedermooren sind Schilf, Seggen, Rohrkolben, Binsen, Schwarzerlen aber auch verschiedene Orchideenarten und Enzian.

Die Verlandung beginnt also vom Ufer aus, Sedimente (z.B Sand) wird eingeschwemmt, aber auch im Zentrum der Wasserfläche wird die Wassertiefe durch organische Ablagerungen verringert. Wegen der starken Bodenvernässung und Sauerstoffmangels können Mikroorganismen die Pflanzen zersetzen hier nicht leben. Pflanzenreste werden daher nur zum Teil zersetzt und so ganz allmählich zu Torf umgewandelt, Stickstoff und Kohlenstoff in den Pflanzen sind jetzt im Torf gebunden. Ein Vorgang der nur sehr langsam vonstatten geht, die Entstehung eines Moors dauert hunderte bist tausende von Jahren. Von einem Moor spricht die Fachwelt auch erst dann, wenn bereits eine mindestens 30 cm starke Torflagerstätte mit mindestens 30 % organische Substanz besteht.

Merkmal: Ein Niedermoor ist komplett eben, durch die Verbindung zum Grundwasser besitzt es einen pH-Wert zwischen 4,5 – 7. Durch die andauernde Vernässung im Moor entstehen anaerobe Bedingungen, schon in 15-30cm Tiefe beginnt die anaerobe Zone. Die Zersetzung von organischen Material wird dabei stark gehemmt. Pflanzenreste werden nicht mehr vollständig zersetzt und im Moor liegende organische Bestandteile konserviert.

Typische Niedermoore für den Nordschwarzwald sind die sogenannten Missen, das sind Niedermoore mit geringem Baumbestand, die Bäume sehen durch die vorhandene Nährstoffarmut und sauren Bodenverhältnisse äußerst schlechtwüchsig aus. Missen können natürlichen Ursprungs sein, aber auch Ergebnis menschlichen Eingreifens z.B jahrhunderte lange Beweidung sein.

Buhlbachsee KarseeDer Schwingrasen vieler Karseen

Eine Verlandung, die grundsätzlich jeden See ereilt, zumindest sofern der Mensch nicht eingreift, ist auch an den Karseen im Schwarzwald zu sehen. Einige Karseen besitzen einen großen Schwingrasen, er entsteht wenn Pflanzen wie der Fieberklee, die Schlamm-Segge oder das Sumpf-Blutauge vom Ufer beginnend über die Wasseroberfläche hinauswachsen. Bald bilden ihre langen Blattranken einen dichten Filz, auf dem sich weitere Pflanzen ansiedeln. Die so gebildete Pflanzendecke wird sehr stabil, sie trägt mühelos kleinere Bäume, auch einen darauf laufenden Menschen. Dabei wackelt der Pflanzenboden stark, was dem Pflanzenboden seinem Namen "Schwingrasen" gibt. Einen Schwingrasen betreten sollte man jedoch nicht, er wird dabei erheblichen Schaden erleiden.

Wie entsteht ein Übergangsmoor

Ein Übergangs- oder Zwischenmoor entsteht wenn das Niedermoor über das Grundwasser hinausgewachsen ist. Die oberste Humusschicht erreicht das Grundwasser nicht mehr, das Regenwasser spielt jetzt eine größere Rolle, Diese Moore stellen das Übergangsstadium zwischen Nieder- und Hochmoor dar, die Nährstoffversorgung sinkt, dadurch ist die Vegetation hier schon mehr einem Hochmoore ähnlich.

Torfschicht Hornisgrinde HochmoorWie entsteht ein Hochmoor

Die Entstehung eines Hochmoores entspricht anfangs dem eines Niedermoors, die obere, von lebenden Pflanzen durchwurzelte Torfschicht wird jedoch ausschließlich mit Regenwasser versorgt, Nährstoffe kommen (fast) nur aus Stäuben aus der Luft. Die Bildung eines Hochmoors erfordert ein feucht-kühles Klima mit hohen Niederschlägen, siehe da... auf dem Kaltenbronn und der Hornisgrinde gibt es überdurchschnittlich hohe Niederschlagsmengen, sie gehören zu den niederschlagreichsten Gegenden des gesamten Schwarzwaldes..

Das Hochmoor beim Wildsee auf dem Kaltenbronn ist übrigens von einem noch größeren Niedermoor umgeben. Auf der gegenüberliegenden Seite beim Hohlohsee nimmt das Hochmoor nur einen kleinen Bereich ein, das Hochmoor ist umgeben von einem großem Niedermoor an dem sich einige Anmoor-Bereiche anschließen, der Übergang der Moore ist also oftmals fließend.

Ihren Namen verdanken Hochmoore ihrem Wuchs, intakte Hochmoore wachsen dank Torfmoose in der Mitte stärker als in den Randbereichen. Dabei kommt es zu einer uhrglasförmigen Aufwölbung im zentralen Bereich des Hochmoors.

Ein typisches Hochmoors aus einem ehemaligen Niedermoor entsteht, wenn ein flacher See langsam verlandet.

Torfmoose in KaltenbronnDs Eis ist geschmolzen und die hohen Niederschläge führen zu einem Überfluss an Wasser. Pflanzen finden auf dem nährstoffarmen und sauren Boden keine guten Wachstumsbedienungen.Torfmoose schon, sie breiten sich im Laufe der Jahre über eine große Fläche aus. Bei Torfmoosen wachsen nur die oberen Pflanzenteile, der untere Teil des Torfmooses stirbt fortwährend ab. Die abgestorbenen Pflanzenteile werden nicht wirklich zersetzt, sie bilden dabei die größte Masse der entstehenden Torfschicht. Das geschieht in einem sehr langsamen Prozess, nur 1 Millimeter wächst ein Moor im Jahr, einen Meter in 1000 Jahren.
Torfmoose wachsen endlos empor, wobei die unteren, älteren Teile aus Licht- und Luftmangel absterben. Weil Torfmoose dem Regenwasser fast alle Nährstoffe entziehen, sorgen sie für eine weitere Versauerung des Moores, auch geben sie Humussäuren ab, die den vollständigen Zersetzungsprozess im Moor verhindern.

Merkmal: Während die Torfmoose, der obere Teil des Moores pro Jahr um 2 bis 10 cm wachsen, sterben die unteren Teile laufend ab. So entsteht jährlich ca. 1 mm neuer Torf. Das Regenwasser das einziger Wasserlieferant eines Hochmoores ist, ist wesentlich saurer und nährstoffärmer als Grundwasser. So finden sich in einem Hochmoor noch spezialisierter Arten als im Niedermoor. Der wichtigste Lieferant der Biomasse eines Hochmoors sind die Torfmoose, auch sie versauern das Wasser zusätzlich da sie Wasserstoffionen an die Umgebung abgeben.

Bulten und Schlenken Rasenbinsen-HochmoorBulten und Schlenken

Sie sind Charakteristische Strukturen in einem Hochmoor, man spricht von Bult- Schlenken – Komplexen. Bulten (kleine Hügelchen, Torfmooskuppen) sind trockenere Bereiche, Schlenken sind ständig wassergefüllte Tümpel mit flutender Vegetation (nasse Vertiefungen).

Bulte und Schlenken unterscheiden sich in Vegetation und bodenphysikalischen Eigenschaften. Werden Bulten in trockenen Sommern nicht ausreichend mit Regenwasser versorgt, wachsen die Torfmoose in den Schlenken in die Höhe, überwinden irgendwann die Bulte, was zur umgekehrten Bildung Bulte und Schlenken führt.

Auf den trockeneren Bulten kleinerer Moore siedeln sich "kümmernde Bergkiefern"an, sehr langsam wachsende oft verkrüppelt aussehende Bäume, die bei geringer Größe sehr alt sein können, in größeren Hochmooren fehlen sie oftmals ganz. Außerdem wachsen in Bulten der Rundblättrige Sonnentau, Ericaceen, Heidekraut, Moosbeere, Scheidiges Wollgras, mehr davon unter Pflanzen im Hochmoor.

Anders verhält es sich in den Schlenken, nur sehr wenige Pflanzen und Tiere können in dieser sauren Umgebung existieren. Der langblättrige Sonnentau ist ein Vertreter der Pflanzen, er ist noch seltener zu finden als der rundblättrige Sonnentau. Es finden sich neben Schlamm-Segge und Blumenbinse natürlich auch Torfmoose, sie lassen sich in Bult- und Schlenkenmoosen unterscheiden. Eine hochspezialisierte Tierart, die in beiden Strukturen zurechtkommt ist der Hochmoor-Glanzflachläufer, mehr dazu unter Tiere im Hochmoor.

Was für Moortypen gibt es noch?

Die Moore in Baden-Württemberg werden im Moorkataster erfasst, dabei werden neben dem Niedermoor und Hochmoor weitere Moortypen erfasst. Alle Moortypen ausgiebig zu behandeln dürfte den Umfang der Seite weit überschreiten, daher hier nur am Rande zwei weitere Moortypen:

Anmoor

Als Anmoor oder anmoorige Böden werden Mineralböden bezeichnet, die aufgrund von Wasserüberschuss und Sauerstoffarmut einen hohen Anteil an organischer Masse (15 bis 30 Masse-% organischer Substanz) im 1–4 dm mächtigen Aa-Horizont (nach KA5) besitzen. Der Begriff 'anmoorig' beschreibt ein pedogenetisches Horizontmerkmal des Oberbodens. .............. Anmoorige Bodenhorizonte bilden im Landschaftskontext auch oft eine Übergangsform vom Bodentyp Norm-Gley zum Bodentyp Moor, welcher Böden aus mindestens 30 Masseprozent organischer Substanz und mindestens 30 cm Mächtigkeit beinhaltet. (Quelle Wikipedia)

Beispiel für große Anmoor Gebiete hierfür im nördlichen Talschwarzwald ist der Schiftunger Bruch oder das benachbarte Naturschutzgebiet „Bruchgraben“ zwischen Baden-Baden Oos und Sandweier, in dem der Kiebitz gefördert wird. Er benötigt offene, gehölzarme Landschaften. Auf den Höhenlagen des Nordschwarzwaldes gibt es weniger Anmoore, Beispiel hier die Kleemüsse in der Nähe des Huzenbacher See. Am Altsteigerkopf gibt es nebeneinander ein Hochmoor, Niedermoor und Anmoor-Bereiche.

Zerstörtes Moor

Werden Moore zerstört, stoßen sie große Mengen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Lachgas oder Methan aus und verschärfen so den weltweiten Klimawandel. Dazu gibt es nachfolgend einen eigenen Bereich. Zerstörte Moore im Schwarzwald gibt es unzählige, zumeist sind das kleinere Stellen in unmittelbarer Umgebung von Städten und Dörfern.
Beispiele für zerstörte Moore ist der "Riesteich" bei Mittelenztal, das Moor bei Poppeltal sowie das Moor "Wässerle" Freudenstadt westlich Obermusbach. Im Naturpark Südschwarzwald werden seit 2006 Moore systematisch wiedervernässt sieh unten....

Moorauge auf der HornisgrindeMoore und ihre Erforschung

Die Entstehung eines Moor war für die Menschen früher lange eine Rätsel. Anfang des 18. Jahrhundert wurde ernsthaft darüber diskutiert, ob der Torf in einem Moor nicht "Auswurf des Meeres" sei. Dass Torf aus nicht ganz zersetzten Pflanzenresten besteht wurde erst im 19. Jahrhundert erkannt, schon damals wurden erste Pollenanalysen gemacht.

Erste wissenschaftliche Untersuchungen zur Vegetation die Moore entstehen lässt, gibt es seit Anfang des 20. Jahrhundert. Die 1928 von Firbas veröffentlichte Publikation: Ökologie der Hochmoorpflanzen war gar ein Meilenstein der Moorerforschung. Bis zum Jahr 1970 erschienen weitere wichtige Abhandlungen zu Moorgebieten. Im Jahr 1974 liefert Giselher Kaule einen Überblick über die Übergangs- und Hochmoore des Schwarzwaldes und der Vogesen.

Einer der bedeutendsten deutschen Moor- und Torflagerstättenforscher des 20. Jahrhunderts war Karlhans Göttlich (1914 - 1991), sein eigentliches Lebenswerk, das Moorkataster Südwestdeutschlands. Dazu suchte er die insgesamt etwa 3000 Riede und Moore im westlichen Teil des voralpinen Hügel- und Moorlandes auf.

Die Moorforschung verlief nach Angaben von Giselher Kaule bis 1980 kontrovers (G. K aule H.G. Schwarz-von Raumer & Robin Kaule Moorforschung in Süddeutschland), Nutzer gegen Schützer. "Als ich 1974 an die Univ. Stuttgart berufen wurde, wurde ich von Naturschutzseite vorsichtig gewarnt, zu eng mit Göttlich zusammenzuarbeiten." weiter schreibt Kaule "Um 1980 wurde neben der klassischen Vegetationskunde und Moorökologie, Renaturierung / Regeneration ein immer wichtigeres Thema"

Moore und Klimawandel

Moore spielen eine entscheidende Rolle in unserem Klima, und das obwohl nur 3 % der Landoberfläche unserer Erde aus Mooren bestehen. So sind diese 3 % in der Lage rund 30 % des weltweit im Boden vorhandenen Kohlenstoffs (des Treibhausgases Kohlendioxid ) zu speichern. Im Vergleich, die Fläche der Wälder unserer Erde beträgt 30% also 10 mal mehr Waldfläche als Moorfläche, aber die Moorflächen speichern doppelt so viel co² wie die Waldfläche.

Das liegt daran, dass in intakten Mooren praktisch keine Zersetzung, eher noch ein Aufbau von organischem Material stattfindet. Das gebundene Material enthält große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid, das zur Erderwärmung beiträgt. Moore und Grünland sparen laut einer Studie von "Naturkapital Deutschland - TEEB". Kohlendioxid im Wert von 217 Millionen Euro pro Jahr.

Das speichern funktioniert jedoch nur in intakten Mooren. Entwässerte Hochmoore haben die Fähigkeit verloren, Kohlenstoff zu binden, der gespeicherte Kohlenstoff wird leider wieder freigesetzt. Und die Mengen sind gigantisch, die Menge an Kohlendioxid, die weltweit aus geschädigten Mooren entweicht, entspricht ungefähr 10 % des jährlichen Kohlendioxid- Ausstoßes fossiler Brennstoffe.

Die Wiedervernässung und Renaturierung von Mooren könnten zur teilweisen Umkehr dieses Prozesses beitragen, die CO2 - Emission wieder bremsen.

Der Schutz der Moore vor der Zerstörung ist somit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Der Klimawandel bedroht aber auch die intakten Hochmoore, steigen die Temperaturen wie erwartet an, besteht die Gefahr, dass die Moore austrocknen könnten. Der vorhandene Torf, der dann durch natürliche Abbauprozesse zersetzt wird, setzt den gespeicherten Kohlenstoff wieder frei.

Moore als Wasserspeicher
Rasenbinsen-Hochmoor auf der Hornisgrinde
Moore spielen eine wichtige Rolle im Landschaftswasserhaushalt, da sie in der Lage sind große Mengen Wasser zu speichern. Den Naturforscher Alexander von Humboldt beeindruckte das. Er verglich sie mit riesigen Schwämmen, die schnell große Wassermengen an Regen oder Schmelzwasser aufnehmen und dann ganz allmählich wieder abgeben können.
Moore können so Hochwasserspitzen bremsen, indem das aufgenommene Wasser nur langsam abgegeben wird. In regenreichen Phasen nehmen Moore große Mengen Wasser auf, auch die Gefahr von Überschwemmungen und Flutkatastrophen kann so verringert werden.

Der Schutz der Moore vor der Zerstörung ist somit ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz.

Moor wieder renaturieren

Der Schutz der Moore vor der Zerstörung ist somit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und Hochwasserschutz. Zudem gilt es die selten gewordenen spezialisierten und somit auf die Moore angewiesenen Tier- und Pflanzenwelt der Moore zu schützen und zu erhalten. Die Rahmenbedingungen wurden zumindest gemacht.
1976 ist die Bundesregierung der Ramsar- Konvention (weltweiter Schutz von Feuchtgebieten) beigetreten. Mit dem 1992 von der Europäischen Union beschlossen Schutzgebietsnetz (Natura 2000) wurde auch der Schutzstatus vieler Moore verbessert. Die Bundesregierung hat zudem im Jahr 2007 unter Federführung des Bundesumweltministeriums die Nationale Strategie zur Umsetzung des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt erarbeitet und klare Vorgaben für den Moorschutz und die Regeneration von gestörten Mooren in Deutschland gemacht.

Ein Beispiel für eine Renaturierung gibt es im Hunsrück, hier wird im Rahmen des Förderprogramms der EU für Umwelt, Naturschutz und Klimapolitik EU-LIFE ein Fichtenhorst wieder zu Moor. Dafür kommen Freiwillige aus ganz Deutschland in den Hunsrück, um ein Moor zu renaturieren. Sie verfüllen alte Gräben und erstellen Spundwände, damit sich das Wasser wieder staut.

Das Thema bräuchte eigentlich einen extra Artikel, aber in der Kurzform: Moore können in vielen Fällen so durch Wiedervernässung renaturiert werden, Torfmoose wachsen, sofern alles gelingt innerhalb weniger Jahre an.

Auch im Naturpark Südschwarzwald werden seit 2006 Moore systematisch wiedervernässt. Das kommt vielen Arten die auf der Roten Liste stehen zugute, zudem wird dadurch die Funktion der Mooren als Archive wieder gesichert.

Hochmoor im NordschwarzwaldMoore sind Archive der Erdgeschichte

In den Schichten eines Moores finden sich Pollen die uns die Geschichte der Pflanzengesellschaften erzählen. Im Moor gefundene Pollen geben in der Moorarchäologie Hinweise auf die Klima- und Vegetationsgeschichte sowie die Besiedlung des Landes durch den Menschen. Moore zeigen uns, wann die letzte Eiszeit zu Ende ging, welche Bäume wann wuchsen, zu welchem Zeitpunkt welche Baumart die Wälder dominierte. An der Pollenanalyse kann zudem gesehen werden, wann und wo der Mensch siedelte, denn wo der Mensch Ackerflächen und Weideland braucht, da beginnt er den Wald zu roden.

Moore werden auch zur Ermittlung des Verlaufs von Umweltbelastungen herangezogen, dank der Hochmoore kann zum Beispiel nachgewiesen werden, ob eine erkannte Luftbelastung mit Schwermetallen schon früher bestanden hat (Oidfield, 1981; Wandtner, 1981).

Die mehrere Meter dicken, viele Jahrtausende alten Torfschichten sind zudem Archive der Erdgeschichte. Die anaerobe Umgebung hat Überreste von Pflanzen und Tieren genauso vor der Verwesung bewahrt, wie manch bedeutende „Moorleiche“.

Ein tolles passendes Zitat habe ich im Laufe meiner Recherche gefunden, damit möchte ich den Artikel abschließen:

Moore/Torfe sind als historische Urkunden nützlich und erhaltenswert. Sie ermöglichen es, die Wirkung der Vergangenheit auf die Gegenwart zu begreifen und daraus auf Zukünftiges zu schließen. (Quelle Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg)

Weitere Artikel die zum Thema Moore interessant sein könnten:

Die Tiere in einem Hochmoor
Die Pflanzengesellschaften in einem Hochmoor
Die Karseen im Schwarzwald
Der Wildsee und Hornsee auf dem Kaltenbronn
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Die Grindenhochflächen im Nordschwarzwald
Wanderung über den Hochkopf
Hornisgrinde – unterwegs ins Hochmoor


Quellen

Zauberhaftes Wildseemoor (G.A.Ulmer)
Die Geschichte des Kaltenbronn (Hubert Intlekofer)

Internet

https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl%3A14565/datastream/PDF/view
https://www.nf-int.org/sites/default/files/infomaterial/downloads/2018-07/NFI_Wasserwege_Brosch_IV_MOORE.pdf
http://www.expedition-moor.de/fuer_alle/index.php?hauptnavigation_id=27&menue_id_gewaehlt=15&lernstufe_tmp=4&lernstufe=0&datei=inhalt&seite_id=3&seite_nummer=5
http://www.botanik-sw.de/BAS/media/texte/Exkursionsf%C3%BChrer_FlorSoz_2001_72dpi.pdf
http://www.hydrology.uni-freiburg.de/abschluss/Mallmann_T_2008_DA.pdf
https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl%3A14565/datastream/PDF/view
http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/13578/moore_in_baden_wuerttemberg.pdf?command=downloadContent&filename=moore_in_baden_wuerttemberg.pdf
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https://www.planet-wissen.de/natur/landschaften/lebensraum_moor/index.html
http://www.moorzikaden.uni-oldenburg.de/was_sind_hochmoore.html
https://naturparkschwarzwald.blog/hochmoor-armut-reich-an-schoenheit/
https://www.planet-wissen.de/video-rueckgang-der-moore-102.html
https://www.ar.ch/fileadmin/user_upload/Departement_Bau_Volkswirtschaft/Amt_fuer_Raum_Wald/Wald_Natur/NaturLandschaft/FaktenblattHochmoor.pdf
https://www.moormanagement.de/fileadmin/inhalte/projektgebiete/bildung/FM-TEIL3-01-Hochmoor-TEXT-13-12-29.pdf
https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/documents/10184/277202/LRT_7120.pdf/09673863-1e42-4a00-9599-f0ffe8c4a802
https://www.naturpark-suedschwarzwald.de/eip/media/254broschueremooreweb-3.pdf?fl=26565471
http://www.ufz.de/export/data/10/135086_FR_9_Hafner.pdf
http://ec.europa.eu/environment/life/project/Projects/index.cfm?fuseaction=home.showFile&rep=file&fil=GRINDENSCHWARZWALD_broschure_DE.pdf
http://www.libellula.org/wp-content/uploads/2015/12/Libellula-14-12-Sternberg.pdf
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https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/suche?q=moor
https://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/253029/hohlohsee_und_wildsee.pdf?command=downloadContent&filename=hohlohsee_und_wildsee.pdf
https://www.hs-rottenburg.net/fileadmin/user_upload/Studiengaenge/Forstwirtschaft/Projektarbeiten/Beweidung/Beweidungskonzept-Nationalpark-Schwarzwald-2015.pdf
http://www.fosor.de/artikel/Alpen-Wollgras.pdf
https://www.zobodat.at/pdf/Mitt-Bad-Landesver-Natkde-Natschutz-Freiburg_NF_17_0029-0058.pdf
https://www.ufz.de/export/data/6/122135_TMD-Jahresbericht%202011.pdf
https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=gbi-002:1962:37::265
https://kipdf.com/life-projekt-grindenschwarzwald_5ab264f61723dd389ca456da.html
https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/moore/deutschland/index.html
http://www.gerhard-net.de/marc/school/field_trips/2007/07_schwarzes_moor/moortypen/moortypen.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Bergkiefer
https://www.nabu-koenig.de/tiergruppen/reptilien/waldeidechse/
http://www.moorzikaden.uni-oldenburg.de/moorzikaden.html
https://www.moor-land.de/index.php?id=57
https://de.wikipedia.org/wiki/Karlhans_G%C3%B6ttlich
http://www.fva-bw.de/termine/veranstaltungen/170426moorschutz_kaule.pdf

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