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Karsee Schurmsee im SchwarzwaldDie Karseen im Schwarzwald

Die stillen, dunklen Karseen am Fuße steiler Berghänge sind immer ein besonderes Highlight für Besucher. Die oftmals geheimnisvollen Seen über die es fast immer Sagen, Legenden und Geschichten gibt, sind Überbleibsel aus der letzten Eiszeit. Sie entstanden in der letzten Kaltphase im Alpenraum, der Würmeiszeit, diese begann vor rund 100.000 Jahren und war erst vor etwa 12.000 Jahren zu Ende. Die mittlere Temperatur im Schwarzwald lag damals 8 bis 10°C niedriger als heute, das sorgte in den Höhenlagen für Dauerfrost und Gletscher.

Unsere Welt war nicht immer so warm wie sie es heute ist, der Begriff Klimawandel ist auch nicht neu, nur geht der von Menschen gemachte Klimawandel halt nur sehr viel schneller. In den vergangenen zweieinhalb Millionen Jahre kam es immer wieder zu einem Wechsel zwischen Eiszeiten, auch als Kaltzeiten oder Glazialen benannt, und Warmzeiten auch Interglazialen benannt. Meist dauerten die verschiedenen Eiszeiten etwa 100 000 Jahre. Die Warmzeiten dagegen nur 10 000 bis 20 000 Jahre.

Die Erforschung der Karseen

Lange Zeit galten die Kare im Schwarzwald, die nicht immer einen See hervorbrachten oder dessen Oberfläche schon lange verlandet ist, als Ergebnis von Bergstürzen oder Abrutschungen. Erst im Jahr 1894 wurde erkannt, dass sie eiszeitliche Erscheinungen darstellen. Der Österreicher Eduard Richter, Gletscherforscher und Alpinist erkannte 1896 die Entstehung der Karwand und Karmulde im Zusammenhang mit Schneeverdichtungen und Frostwirkung am Felsen. Wie sie genau entstanden sind, das sollte erst in den nächsten Jahrzehnten herausgefunden werden.

Wie entstanden die Karseen

Entstanden sind die Kare durch Niederschläge in Form von Schnee, der sich zumeist an den sonnenabgewandten Hängen der Berge sammelte. Im Schwarzwald waren sie meist nord- bis ostwärts ausgerichtet, so dass sich zusätzlich herangewehter Schnee zu Firnschnee akkumulieren konnte.
Vor etwa 12.000 Jahren endete die letzte Kaltphase im Alpenraum, die angewachsenen Gletscher wurden durch Niederschläge immer dicker und schwerer. Die Schneekristalle verdichteten sich durch wiederholtes Auftauen und Wiedergefrieren, auch unter dem Druck der Masse. Ab einen bestimmten Druck, fingen die Schnee- und Eismassen an sich zu bewegen, der Gletscher kam ins Rutschen.

Die talwärts rutschende Masse und die mitgeführten Gesteinsbrocken schleiften dabei den Hang hinab, die Bewegung erfolgte nicht schnell, nur langsam kroch die Schneemasse talwärts. Was nicht fest war, viel Gestein war bereits durch Frosteinwirkung gesprengt, wurde mit dem Gletscher nach unten gerissen, wo die Masse eine Mulde, die Karmulde in den Boden drückte. Das mitgeschleifte Geröll sammelte sich am unteren Rand als Geröllwand an.

Die Mulde füllte sich mit dem Schmelzwasser und Wasser aus Quellen und Bächen die oberhalb des Hanges austraten, es entstand ein Karsee.
Wie tief die Mulde und wie groß die Moräne wurde entschied dabei das Gefälle am Hang aber auch die Form der Masse. Schnee besaß nicht die gleiche Kraft wie Eis, nicht jeder Kar konnte sich so zur idealen runden Form ausbilden.

Da die Waldgrenze, also die Berghöhe bis zu der Bäume wachsen während der Eiszeit im Schwarzwald bei etwa 150 Meter lag, somit keine Bäume den Schnee bremsten, wurde das Rutschen der Gletscher nicht abgebremst. Auch dauerte der Prozess der zu einem Kar führte einige Jahrzentausende, vielleicht auch die volle Eiszeit.

Am deutlichsten hatte sich im Schwarzwald das Biberkessel-Kar gebildet, das Kar liegt unterhalb der Hornisgrinde, dem höchsten Berg im Nordschwarzwald. Die Höhenlage und die steile Hanglage sorgten für einen besonders großen Gletscher. Leider ist der Karsee im großen Biberkessel vermutlich schon vor 2.000 Jahren verlandet.

Schon mit der Entstehung eines Karsees setzte die Verlandung ein, auch gruben sich im Laufe der Zeit die Abflüsse der Seen immer tiefer in die Endmoräne ein, was natürlich zu einem absenken des Wasserspiegels führte. So sind die meisten Karseen im Schwarzwald schon wieder lange wieder verschwunden.
Nur noch zwölf Karseen im Schwarzwald sind erhalten geblieben, einige nur durch das Eingreifen der Menschen. So wurde der Huzenbacher See wieder etwas aufgestaut, der Ellbachsee dagegen weiter abgesenkt.

Der Wildsee beim Ruhestein wurde als Auffangbecken für Schmelzwasser verwendet, dafür wurde der Wasserspiegel Ende des 19. Jahrhunderts zunächst gesenkt. Rund 20 Jahre später wurde beim Wiederaufstauen zu viel Wasser in den See gelassen so dass die Hochmoorvegetation überflutet und geschädigt wurde.

Warum gibt es im Nordschwarzwald so viele Kare

Verantwortlich dafür, dass es im Nordschwarzwald viel mehr Kare und somit Karseen gibt als im Südschwarzwald ist der weiche Untergrund. Im Nordschwarzwald gab es nach der Eiszeit 129 Kare, im Südschwarzwald dagegen nur 20 Kare.

Im Nordschwarzwald liegt auf dem Grundgebirge eine oftmals mehrere hundert Meter dicke Schicht aus "weichem" Buntsandstein. Der Sand des Buntsandstein wurde zu Beginn des Mesozoikums (vor ca. 250 Millionen Jahren), also noch vor der Bildung des Oberrheingrabens und der Gebirge von Flüssen in einem Becken abgelagert, das sich bis nach Norddeutschland erstreckte.

Buntsandstein ist ein Sedimentgestein, es besteht überwiegend aus Quarzsand. Böden, die darauf entstehen sind sehr sauer und nur wenig fruchtbar. Im Nordschwarzwald ist das Gebiet des Buntsandstein in den Höhenlagen weitgehend bewaldet, oder es wurde von den Menschen zur Beweidung benutzt. Dazu mehr siehe Grinden im Nordschwarzwald.

Im Südschwarzwald liegt der Boden auf dem Kristallinen Grundgebirge auf, hier wird der Boden in den Höhenlagen aufgrund seiner Fruchtbarkeit auch für die landwirtschaftliche Produktion benutzt. Wohl der Hauptgrund warum der Nationalpark heute im Nordschwarzwald liegt.

Das Wasser in den Karseen im Nordschwarzwald

Der geologische Untergrund im Nordschwarzwald besteht also überwiegend aus dem mittlerem Buntsandstein. Der ist sehr sauer und nährstoffarm. So sind die Gewässer auf dieser Schicht stark sauer (pH < 5). Eine Ausnahme bildet der Ellbachsee, er liegt auf einer Schicht des oberen Buntsandstein seine pH-Werte liegen zwischen 5 und 7.

In den Jahren 1985 bis 1992 wurden in 44 Seen Baden-Württembergs die pH-Werte von Wasser und Sedimenten gemessen. Hierbei hat sich gezeigt, die Karseen im Nordschwarzwald sind mit pH-Werten zwischen 4,3 und 5,3 besonders stark versauert, dazu gehören Herrenwieser See, Schurmsee , Buhlbachsee, Huzenbacher See und Mummelsee. Die braune Färbung der Karseen im Schwarzwald kommt übrigens durch Huminstoffe die ins Wasser gespült werden.

Die Karseen sind Heimat einiger Amphibien

Es gibt weltweit über 1800 Amphibienarten, in Deutschland sind davon lediglich sechs Schwanzlurcharten und 14 Froschlurcharten wirklich heimisch, nicht wirklich viel. Wer Glück hat kann im Buhlbachsee die Wanderung der Grasfrösche miterleben, im Huzenbachersee ist es die Wanderung der Erdkröten, die ihre jährliche Wanderung zur Fortpflanzung vorführen. Es wurde festgestellt, dass die Bestände der Amphibien seit 1987 insgesamt zugenommen hat.

Bei den Molchen sieht es ähnlich aus, gegenüber 1987 zeigt der Ellbachsee, Herrenwiesersee, Huzenbachersee und der Schurmsee bei Berg- und Fadenmolch ein Vielfaches an Jungtieren an.

Wieviel Karseen gab es und gibt es noch

Am Ende der Eiszeit hatte es allein im Nordschwarzwald mehr als 100 Karseen gegeben. Nur wenige der Karseen sind noch übrig, der Ellbachseem, er war bereits verlandet und der Buhlbachsee nur dank künstlich herbei geführten Aufstauungen erhalten.
Die meisten ehemaligen Karseen wurden von Sedimenten zugeschüttet, von Pflanzen überwachsen, sie sind somit verlandet, heute sind sie als Moore bekannt. Trotzdem ist der Nordschwarzwald das Gebiet mit den meisten Karen Mitteleuropas.
Die Orte an denen es früher Karseen gab kann man auch an den Gewannbezeichnungen auf Karten sehen, die Gewannnamen geben noch heute Rückschlüsse auf die frühere Nutzung, Lage oder Beschaffenheit des bezeichneten Gebietes.

Bezeichnungen wie "Blinder See" oder "Weiher" zeigen das hier noch vor wenigen Jahrhunderten ein See bestand, "Misse" bezeichnet eine sumpfige Stelle, die Moore die einst vielleicht ein Karsee waren sind aber fast alle entwässert und mit Fichten bepflanzt worden.

Zwölf erhaltene Karseen besitzt der Schwarzwald heute noch, es sind:

Karseen im Nordschwarzwald

Herrenwieser See, Gemarkung Forbach-Herrenwies im Landkreis Rastatt
Schurmsee, Gemarkung Forbach, Landkreis Rastatt ca. 4 Kilometer entfernt ist der Blindsee
Huzenbacher See, Gemarkung Baiersbronn, Landkreis Freudenstadt
Wilder See, Gemarkung Baiersbronn, Landkreis Freudenstadt
Mummelsee, Gemarkung Seebach, direkt an der Schwarzwaldhochstraße, Landkreis Ortenaukreis
Ellbachsee, Gemarkung Baiersbronn, Landkreis Freudenstadt
Buhlbachsee, Gemarkung Baiersbronn, Landkreis Freudenstadt
Sankenbachsee, Gemarkung Baiersbronn, Landkreis Freudenstadt
Glaswaldsee, Gemarkung Bad Rippoldsau-Schapbach Landkreis Freudenstadt

Karseen im Südschwarzwald

Feldsee, Gemarkung Hinterzarten, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Titisee, Landkreis Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Nonnenmattweiher, Gemarkung Neuenweg, Landkreis Lörrach

Weitere interessante Seen im Schwarzwald

Blindensee bei SchonachBlindensee bei Schonach
Etwa 4 Kilometer von Triberg entfernt liegt eines der wenigen noch intakten wachsenden Hochmoore im Schwarzwald. Es liegt auf einem Granitmassiv zwischen Schönwald und Schonach, somit also im Bereich des mittleren Schwarzwaldes. Das Naturschutzgebiet "Blindensee" auf Gemarkung Schönwald wurde mit Verordnung vom 2. März 1960 unter Schutz gestellt.



HohlohseeDer Hohlohsee mit seinem Hochmoor auf dem Kaltenbronn
Kaltenbronn mit seinem Natur- und Waldschutzgebiet südöstlich von Gernsbach im Murgtal ist eines der beliebtesten Ausflugsziele des Nordschwarzwaldes, das liegt natürlich auch an der urwüchsigen Hochmoorlandschaft mit den Seen Wildsee, Hornsee sowie kleiner und großer Hohlohsee. Die umliegende Moorlandschaft der Seen ist das größte naturbelassene Hochmoorgebiet Deutschlands.

 

WildseeDer Wildsee und Hornsee mit Hochmoor auf dem Kaltenbronn
Kaltenbronn mit seinem Natur- und Waldschutzgebiet südöstlich von Gernsbach im Murgtal ist zu allen Jahreszeiten ein beliebtes und stark frequentiertes Erholungsgebiet. Das liegt natürlich auch an der im Bannwald liegenden urwüchsigen Hochmoorlandschaft mit den Seen Wildsee, Hornsee sowie kleiner und großer Hohlohsee. Die umliegende Moorlandschaft der Seen ist das größte naturbelassene Hochmoorgebiet Deutschlands.

 

Grindenhochfläche Nationalpark SchwarzwaldGrindenhochflächen und Hochmoore im Nordschwarzwald
Entstanden sind die Grindenflächen aufgrund der stetig wachsenden Bevölkerungszahlen im Mittelalter, die einen großen Bedarf an Holz und Weideflächen verlangte. Nach Einstellen der Beweidung in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts bestand die Gefahr, dass die offenen Flächen wieder zu Waldflächen werden.

 


Rasenbinsen-Hochmoor auf der HornisgrindeWie entsteht ein Hochmoor
Die Entstehung eines Hochmoores entspricht anfangs dem eines Niedermoors, die obere, von lebenden Pflanzen durchwurzelte Torfschicht wird jedoch ausschließlich mit Regenwasser versorgt, Nährstoffe kommen (fast) nur aus Stäuben aus der Luft. Die Bildung eines Hochmoors erfordert ein feucht-kühles Klima mit hohen Niederschlägen, siehe da... auf dem Kaltenbronn und der Hornisgrinde gibt es überdurchschnittlich hohe Niederschlagsmengen, sie gehören zu den niederschlagreichsten Gegenden des gesamten Schwarzwaldes..



Informationen zum Urheberecht

Die in diesem Artikel eingestellten Bilder dürfen unverändert und unter Angabe der Quelle kopiert und zum Zweck der öffentlichen Berichterstattung in allen Medien weiterverarbeitet werden.

 

Quellen
100 Jahre Bannwald Wilder See Schriftenreihe FORST BW Band 85
http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/In_Deutschland_ausgestorbene_Arten_06_09.pdf
http://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/265578/isf_arbeitsbericht_2015.pdf?command=downloadContent&filename=isf_arbeitsbericht_2015.pdf
http://epic.awi.de/36566/24/Roesch_2012.pdf
http://udo.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/pages/download/get;jsessionid=DB9D5E38A6C28809B717176B65111B89.public5?file=rep3047599470764843631.pdf&mimetype=application/pdf
https://www.leo-bw.de/web/guest/themen/natur-und-umwelt/seen/karseen
http://www.stoppt-die-wanderhuette-am-silberberg.de/Download/Landschaftsschutzgebiet_Huzenbacher-See_Schoenmuenz_und_Langenbachtal.pdf
https://nationalpark.blog/sagenhaftes-und-erdgeschichtliches/
https://www.leo-bw.de/web/guest/themen/natur-und-umwelt/seen/karseen
Managementplan für das FFH-Gebiet 7415-311 „Wilder See ...
http://www.badische-heimat.de/heft/reprint/1960_3_eiszeit.pdf
Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg - Bodenversauerung - Ursachen, Auswirkungen, Maßnahmen Kurzfassung einer Literaturstudie
https://www4.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/17040/bodenversauerung_kurzfassung.pdf?command=downloadContent&filename=bodenversauerung_kurzfassung.pdf
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg - Amphibien und Gewässerversauerung 2002
http://fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/94762/U64-M332-J02.pdf?command=downloadContent&filename=U64-M332-J02.pdf&FIS=91063
https://www.sedimentologie.uni-freiburg.de/staff/Hemmerleetal.2016Nat_Forsch_Freiburg.pdf
https://www.sedimentologie.uni-freiburg.de/staff/Hemmerleetal.2016Nat_Forsch_Freiburg.pdf
http://www.zobodat.at/pdf/Jh-Ver--vaterl-Naturkunde-Wuerttemberg_63_Beilage_0001-0041.pdf
https://www.sedimentologie.uni-freiburg.de/staff/Hemmerleetal.2016Nat_Forsch_Freiburg.pdf
https://www.eg-quaternary-sci-j.net/18/51/1967/egqsj-18-51-1967.pdf

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