Burgruine Alt-Eberstein
Hoch über den Dächern von Baden-Baden, weithin sichtbar von der Autobahn 5 und der Rheintalbahn, thront ein echtes Wahrzeichen des Nordschwarzwalds: die Burgruine Alt-Eberstein. Auf einer steilen Porphyrkuppe in 426 Metern Höhe gelegen, fasziniert die Anlage im Stadtteil Ebersteinburg Einheimische und Reisende gleichermaßen. Wer vor den mächtigen Mauern der einstigen Ritterburg steht, hat das Gefühl, die Steine würden direkt aus dem Felsen herauswachsen. Belohnt wird der Aufstieg mit einem der schönsten Rundumblicke der Region, der an klaren Tagen von Baden-Baden über das Murgtal und das Rheintal bis hin zu den fernen Gipfeln der Vogesen und in den Kraichgau reicht.
Vom Stammsitz zur Festung der Markgrafen
Die Ursprünge der Anlage reichen weit zurück, auch wenn das genaue Baujahr im Dunkeln liegt. Vermutlich entstand die älteste Bausubstanz, die mächtige Schildmauer, bereits um das Jahr 1100. Urkundlich erwähnt wurde die Festung erstmals im Jahr 1197 als „Castum Eberstein“. Sie war der stolze Stammsitz der Grafen von Eberstein, deren Familiengeschichte eng mit Klöstergründungen wie Herrenalb und Frauenalb verknüpft ist. Doch die Nähe zu den immer mächtiger werdenden Nachbarn, den Markgrafen von Baden und den Grafen von Württemberg, sollte das Schicksal des Hauses Eberstein besiegeln.
Finanzielle Nöte zwangen die Grafen schrittweise zum Rückzug. Im Jahr 1240 ging die erste Hälfte der Burg durch die Vermählung von Kunigunde von Eberstein mit dem Markgrafen Rudolf I. als Mitgift an die Badener. Als die Familie in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf das neu errichtete Schloss Eberstein bei Gernsbach übersiedelte, erwarb der Markgraf für 375 Mark lötiges Silber auch die verbliebene Hälfte. Ab 1283 bürgerte sich schließlich der Name „Alt-Eberstein“ ein.
Unter der badischen Flagge erlebte die Burg eine wechselvolle Geschichte. Sie diente zeitweise als Residenz, später als sichere Schatzkammer und Archiv für wichtige Rechtsdokumente. Sogar als Schauplatz familiärer Tragödien ging sie in die Chroniken ein: Markgraf Jakob I. ließ hier 1434 seine Schwester Agnes von Baden internieren. Nach einer Phase als Ruhesitz für verdiente Gefolgsleute blieb die Burg ab 1573 endgültig unbewohnt. In den folgenden Jahrhunderten teilte sie das Schicksal vieler mittelalterlicher Anlagen und wurde von den Menschen der Umgebung als willkommener Steinbruch für neue Gebäude genutzt. Erst ein Gutachten um das Jahr 1800 leitete das Umdenken und den Schutz der verbliebenen Ruine ein.
Wehrhafte Architektur hautnah erleben
Dass die Burg im Mittelalter als praktisch uneinnehmbar galt, verdankt sie ihrer geschickten Lage. Nach Nordwesten hin fallen die Felswände bis zu 30 Meter steil ab. Auch heute noch sind die Dimensionen der einstigen Festung beeindruckend. Zwar sind die Wirtschaftsgebäude der Vorburg längst verschwunden – auf ihrer Fläche befindet sich heute ein Parkplatz –, doch die Kernburg zieht Besucher sofort in ihren Bann.
Das unübersehbare Herzstück ist der quadratische, 18 Meter hohe Bergfried mit einer Seitenlänge von acht Metern. Während der Wehrturm früher nur über ein hochgelegenes Rundbogenportal betreten werden konnte, führt heute eine sichere Innentreppe hinauf zur Aussichtsplattform. Neben der gewaltigen, aus Buntsandstein errichteten Schildmauer, deren Blöcke bis zu zwei Meter breit sind, zeugen Mauerreste und Fensternischen vom ehemaligen Palas, dem einstigen Wohngebäude der Ritter.
Ein Ausflugsziel für Entdecker und moderne Genießer
Heute verbindet Alt-Eberstein auf perfekte Weise historische Entdeckungen mit moderner Gastlichkeit. Wo im 19. Jahrhundert die ersten Touristen bewirtet wurden, herrscht nach einer längeren Ruhephase wieder frischer Wind. Das historische Burg-Café wurde neu belebt: Der neue Pächter hat das traditionsreiche Gemäuer übernommen und verbindet den klassischen Ausflugsbetrieb mit einem zeitgemäßen Konzept. Neben selbstgebackenen Kuchen und Kaffeespezialitäten im geschichtsträchtigen Burghof bietet die Location nun auch Raum für Seminare und Coachings. Wer das Ambiente der Burg noch länger genießen möchte, kann sich zudem in einer Drei-Zimmer-Ferienwohnung direkt auf der Anlage einquartieren. Das Café öffnet regulär von 14:00 bis 22:00 Uhr, an Sonn- und Feiertagen bereits ab 12:00 Uhr, während Montag und Dienstag als Ruhetage gelten.
Für Aktivurlauber bleibt die Ruine ein zentraler Knotenpunkt. Wanderer erreichen die Burg über den rund zehn Kilometer langen Ebersteinburg-Rundweg, der am Wanderportal Wolfschlucht startet und in etwa dreieinhalb Stunden zu bewältigen ist. Zudem führt die anspruchsvolle erste Etappe der bekannten „Murgleiter“ von Gaggenau nach Gernsbach direkt an der Ruine vorbei. Wer es bequemer mag, nutzt die kostenfreien Parkplätze nahe der Burg oder steuert die Anlage mit der Buslinie 214 der BBL bis zur Haltestelle „Michaelskapelle“ an, von wo aus ein zehnminütiger Fußweg hinauf zur Ruine führt.
Quellen
Hauptquelle & Basis-Historie: Schwarzwald-Informationen alter Beitrag von 2015: Ruine Alt-Eberstein in Ebersteinburg
Presse-Details zum Pächterwechsel & Konzept: Badische Neueste Nachrichten (BNN): Kaffee, Kuchen und Coaching auf Alt-Eberstein sowie BNN: Schlemmen, Chillen und Seminare im Burghof.
Ergänzende Tourismus-Infos: Schwarzwald Tourismus GmbH: Burgruine Alt Eberstein.
Informationen zum Urheberecht
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