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Die Schwarzenbach-TalsperreDie Schwarzenbach-Talsperre

Entspannendes Farbenspiel am See

Große Wasserflächen, eingebettet zwischen dem vielfarbigen Grün von Bäumen und Büschen, dazwischen blitzender Sand und feiner Kies bis ans Ufer, lassen uns meist gestresste Menschen jederzeit tief durchatmen. Von einem Wanderweg aus der Höhe fällt der Blick frei auf den über zwei Kilometer langen Schwarzenbachstausee. Abgesehen von dem wundervollen Panorama treffen hier menschlicher Nutzen und natürlicher Ursprung aufeinander: wie immer ein Spagat zwischen der Notwendigkeit, den Menschen Komfort und jederzeit Strom bieten zu können, und der Frage, wie weit Eingriffe in die Natur reichen dürfen und welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die Auswirkungen auf die Umgebung möglichst gering zu halten. Trotzdem bleibt ein insgesamt eher idyllischer Eindruck, der durch den sommerlich-stahlblauen Himmel, dessen Wolken sich im Wasser des Sees spiegeln, noch verstärkt wird.

Mauer Schwarzenbach-TalsperreMenschliche Harmonie in der Natur?

Da das Murgtal, wenige Kilometer südlich von Baden-Baden, mehr als 300 Meter tiefer liegt als das Schwarzenbachtal, bietet sich die Örtlichkeit für eine Talsperre an. Ziel der sowohl ober- als auch unterirdisch verlaufenden Rohre und Druckstollen ist das der EnWB zugehörige Rudolf-Fettweis-Werk in Forbach. Hier warten Turbinen auf das notwendige Nass zur Stromerzeugung. Je nach Bedarf kann Wasser aus der Schwarzenbach-Talsperre entnommen, aber auch wieder zurückgepumpt werden.

Die Talsperre selbst wurde so gebaut, dass sie sich möglichst harmonisch in die Umgebung einfügt. Zwei Flüsschen, Schwarzenbach und Seebach, können hier gestaut und die Zuflüsse von Biberach und Hundsbach sowie von weiteren kleinen Zuflüssen zugeleitet werden - bei einem Einzugsgebiet von etwa 50 Quadratkilometern eine ideale Voraussetzung für eine Talsperre. In dem neu entstandenen See sammeln sich seitdem fast vierzehneinhalbtausend Millionen Kubikmeter Wasser. Ein Ausgleichsbecken am Rudolf-Fettweis-Werk ermöglicht die schnelle Reaktion auf Stromüberschuss oder -defizit, indem das Wasser aus dem Stausee entweder hinein- oder von dort aus zurückgepumpt wird.

Die Zuleitung zu den Turbinen erfolgt nicht auf direktem Weg, sondern über einen Umweg, um das Wasser von unten in die Räume hineinzuführen. Damit wurde bereits zu Bauzeiten dafür gesorgt, dass das Werk keinesfalls überflutet wird, wenn die Rohre undicht sein oder brechen sollten. Der benachbarte Fluss würde die Wassermassen aufnehmen und somit sind das Unheil im Werk und die Gefährdung von Menschenleben ausgeschlossen.

Schwarzenbach-TalsperreNotwendiges mit Schönem verbinden

In den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts galt die Schwarzenbach-Talsperre als eine Innovation der Baukunst. Sie war die erste ihrer Art aus Gussbeton. Die bereits zu Zeiten des Ersten Weltkriegs entstandene Murgtalsperre sowie das Niederdruckwerk reichten zur Versorgung der badischen Bevölkerung nicht mehr aus. Die günstige Lage des Schwarzbachtals ausnutzend, wurde hier in vier Jahren zwischen 1922 und 1926 die große Talsperre errichtet, deren Natursteinverblendung - es handelt sich um den sogenannten Forbacher Granit - die Kälte des Betons mildert und ein harmonischeres Bild der Talsperre hervorruft. Der nötige Steinbruch wurde speziell zu diesem Zweck ins Leben gerufen, die Steine über einen ebenfalls neu angelegten Schienentransport zur Talsperre geliefert. Das ursprünglich kleinere Murgtalwerk wurde in dieser Zeit deutlich erweitert. Inzwischen gehört es neben zwei weiteren Anlagen, Schwarzenbachwerk und Raumünzachwerk, zu den Rudolf-Fettweis-Werken.

Leicht gebogen, 400 Meter lang und 65 Meter hoch wurde die Mauer auch im Hinblick auf unterschiedliche Wasserhoch- beziehungsweise -niedrigstände sinnvoll erdacht. 24 Durchbrüche auf der Krone verhindern bei Hochwasser einen zu starken Druck auf die Mauer und bieten dem überschüssigen Wasser den Weg hinunter. Am Grunde des Beckens sorgt ein Ablass dafür, dass der komplette See in knapp zweieinhalb Monaten völlig entleert werden kann. Routinemäßige Wartungs- und Renovierungsarbeiten haben über die Jahrzehnte immer wieder ein solches Vorgehen erfordert.

Talsperre SchwarzwaldDass die Natur größere Einbußen während des Baus erfahren musste, war ebenso unausweichlich wie als wesentlicher Eingriff grundsätzlich bedenkenswert. Zahlreicher Wald musste durch Rodung weichen, einige Häuser wurden aufgelöst und verschwanden, der Mutterboden wurde abgetragen, bis nur noch nackter Fels übrig blieb. Gern wird von Verantwortlichen die Blendmauer heute mit einem altrömischen Viadukt verglichen. Darüber kann man geteilter Meinung sein. Tatsache ist, wenn das Wasser wegen Wartungsarbeiten teilweise oder, wie zuletzt 1997, ganz abgelassen wird, nimmt sich der nackte Stein auf Beton nicht mehr ganz so idyllisch in der umgebenden Landschaft aus. Und auch beim Gang über die 400 Meter lange Mauer lässt sich kaum vergessen, wozu diese gebaut wurde und bis heute dient. Im Zuge erneuerbarer Energien als Alternative zu Atomkraftwerken sind stromerzeugende Industrien auf Wasserbasis allerdings mit Sicherheit noch unverzichtbarer als bisher.

Natürliche Schönheit trifft auf menschlichen Nutzen

Heute bildet der See ein neues Biotop. Gern wird er besonders im Sommer von Menschen aufgesucht und vielfach genutzt. Bootsverleiher laden zu Wassertouren mit dem Tret- oder Ruderboot ein, ein ausgiebiges Sonnen- und Seebad erfrischt bei heißen Temperaturen.

Ein Naturlehrpfad von sechseinhalb Kilometern Länge bewältigt steile Höhenunterschiede und attraktive Felsenwege, führt zu Mini-Biotopen und einem bewirtschafteten Naturfreundehaus, informiert über Tiere und Pflanzen der Gegend sowie über die Entstehung der Talsperre, besucht eine Marienkapelle und ermöglicht auf den Höhen traumhafte Ausblicke. Rund um den See bieten immer wieder Naturholzbänke und Tische Platz, um sich auszuruhen und eine zünftige Brotzeit abzuhalten. Auch Radfahrer umkreisen gern dieses attraktive Gebiet. Angler genießen das ansonsten nur seltene Privileg, hier vom Boot aus nach den kalten Seebewohnern zu fischen.

SchwarzenbachstauseeAttraktiv auch ohne Legenden

Allerdings ist der See unbewacht, Camping und freies Zelten sind verboten, alle sportlichen Unternehmungen geschehen auf eigene Gefahr. Besonders Taucher sollten aufpassen, dass sie nicht in der gefährlichen Nähe der Mauer in die Tiefe gehen. Bis zu 35 Meter reicht der Grund hinab. Wie im Übrigen schon vor vielen Jahren festgestellt wurde, ist die angeblich im See befindliche Kirche, deren Turm man bei Niedrigwasser sehen soll, samt Häusern nur eine Legende. Allerdings wurden andere interessante Gegenstände wie Münzen und Waffen gefunden, die vorwiegend aus Kriegszeiten stammten und für einen vermehrten Zustrom an Zuschauern und Touristen sorgten. Interessierte schließen sich einer Führung an, die sowohl das Rudolf-Fettweis-Werk als auch die Staumauer detailreich näher bringt. Auskunft erteilt das Werk selbst.

Viele Wege führen zum See

Forbach liegt nur wenige Kilometer südlich von Baden-Baden. Von hier aus ist es kein Problem, die zum Forbacher Gebiet gehörige Schwarzenbach-Talsperre zu erreichen. Der Verkehrsverbund Karlsruhe ermöglicht mit seinen Schnellbahnen sogar direkt aus der Fächerstadt die Anfahrt zum See. Haltepunkte sind fünf Stationen der Murgtalbahn, die natürlich ebenfalls genutzt werden kann. Ansonsten bietet der öffentliche Bus ebenfalls mehrmals täglich Gelegenheit, am Stausee ein- und auszusteigen. Autofahrer kommen über die Schwarzwaldhochstraße und über die B 462 oder über das Murgtal.

Informationen zum Urheberecht

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