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Die Geschichte der Menschen, von den Vormenschen bis zur Altsteinzeit dem Paläolithikum

Dieser Artikel wurde nicht von einem Paläoanthropologen, auch nicht von einem Hobby Paläoanthropologen verfasst.
Die Geschichte, die uns zu dem gemacht hat was wir heute sind, sollten wir aber alle zumindest annähernd kennen.
So habe ich, ein interessierter Laie, das (für mich) Wesentliche recherchiert, ich muss nicht alles wissen und schon gar nicht alles behalten.
Deshalb sind die Informationen nicht vollständig und morgen vielleicht schon überholt (ich versuche es auf dem neuesten Stand, aktuell Februar 2020, zu halten).

Aber da selbst in der Wissenschaft nicht immer Konsens besteht, befinde ich mich zumindest in guter Gesellschaft. Wer es genauer wissen möchte oder einen anderen Wissenstand besitzt, kann den Artikel ja auch als Startpunkt eigener Recherchen verwenden.


Die moderne Paläontologie gibt es erst seit etwa 160 Jahren

Die Anfänge der modernen Paläontologie liegen gar nicht so weit zurück wie man glauben könnte. Bis Mitte des 19.Jahrhunderts glaubte die Wissenschaft noch daran, dass die Schöpfungsgeschichte der Erde im Jahr 4004 vor Christus begonnen hat und so natürlich auch an die in der Bibel beschriebene Sintflut.

Dass der Mensch keine eigenständige Schöpfung ist, sondern ein Evolutionsprodukt wie Millionen andere Arten, steht im Widerspruch zur christlichen Lehre. Dass die gefundenen menschenähnlichen Fossilien und Artefakte etwas mit der Entwicklung der Menschen zu tun haben könnten, wurde daher vom überwiegenden Teil der bibeltreuen Forscher lange Zeit vehement abgestritten. Erst 1859 beendete die Pariser Akademie der Wissenschaften die vorherrschende Sintflut-Theorie, per Abstimmung wurde die Existenz des fossilen Menschen beschlossen.

Will man die Entwicklung der Menschen erklären stellt sich zuerst einmal die Frage:

Ab wann spricht man eigentlich vom Menschen, was macht ein Geschöpf zu einem Menschen.

Der australischen Paläoanthropologe Raymond Dart (*1893 † 1988) glaubte die Erfindung von Waffen machte die Menschwerdung aus.

Für den Paläoanthropologen Louis Leakey (*1903 †1972) machte das Anfertigen von Steinwerkzeugen den Menschen aus. Er findet im Jahr 1964 Fossilien und angefertigte Steinwerkzeuge in einer Sedimentschicht die er somit den Fossilien zuordnen kann. Er gibt der gefundenen Art die Bezeichnung Homo Habilis „geschickter Mensch“. Leakey glaubte mit Homo Habilis, das bis heute fehlende Bindeglied zwischen dem Affen Australopithecus „südlicher Affe“ und den Vorfahren der Menschen Homo Erectus „aufgerichteter Mensch“ gefunden zu haben. Das löst bis heute einiges an Kontroversen aus, da man weiß, dass selbst Australopithecus und heutige Schimpansen Steinwerkzeuge verwendet haben bzw. verwenden.

Das fehlende Bindeglied ist auch heute noch nicht (sicher) gefunden, vielleicht gibt es auch gar keines. Früher glaubten Paläoanthropologen an eine lineare Evolution des Menschen. Jeder kennt das Bild in dem sich ein Urahn des Menschen in immer gerader werdenderer Haltung, in einer Kette von Arten zum Homo Sapiens entwickelt hat.

Heute wissen wir, dass das nicht stimmt, es gab in der Evolution des Menschen viele Arten. Arten entstanden und starben aus, einige Wege führten in eine Sackgasse, darunter auch die des Homo Habilis. Was aber oft geschah, war eine Vermischung der Arten, der heutige Mensch ist kein Produkt einer linearen Linie von Vorfahren, kein Stammbaum, sondern ein Stammbusch. Der heutige Mensch ist ein Hybride der die Gene vieler verschiedener Arten in sich trägt. Am besten ist es sich die Entwicklung des Menschen mit einem Fluss zu vorzustellen, viele Bäche und Rinnsale vereinen sich zu einem großen Fluss.

Am Anfang war der Affe!

Die Aussage „der Mensch stammt vom Affen ab“ trifft es, sofern man damit unsere heute vorkommenden Affen meint aber nicht ganz. An einem bestimmten Zeitpunkt trennt sich die gemeinsame Linie der Arten.

Vor 30 Mio. Jahren lebten unsere gemeinsamen Vorfahren, die ersten Menschenaffen in den afrikanischen Regenwäldern, einige dieser Populationen breiteten sich vor etwa 15 Mio. Jahren nach Asien und Europa aus.

Wie kam es zur Entwicklung der Menschen

Entscheidend für die Entwicklung der Menschen waren wohl klimatische und geologische Veränderungen, vor 17 bis 14 Millionen Jahren im Zeitalter des Miozäns begann eine kühlere Klimaphase mit einem Wachstum des Antarktischen Eisschilds.

Vor ca. 10 Mio. Jahren kommt es zu Geologischen Prozessen, die Hebung von Teilen Ostafrikas führt zur Entstehung des Afrikanischen Grabens.

Beide Ereignisse führten zu Klimaänderungen, in Afrika wurde es trockener mit der Folge, dass die ausgedehnten Regenwälder nach und nach durch baumbestandene Savannen und Buschland verdrängt wurden.

Am Rand des Regenwaldes entstanden so lichte Waldgebiete die den Übergang zu den großen Savannengebiete bildeten, entlang von Flüssen entstanden Galeriewälder.
Einige Wissenschaftler denken mittlerweile, dass sich der aufrechte Gang bei Affen entlang der Flusssysteme entwickelt hat. Wer Schimpansen, die sich auch mal im Wasser aufhalten beobachtet, der kann das durchaus nachvollziehen.

Das war der Bereich an der sich die weitere Entwicklungslinie der Hominini von der der anderen Menschenaffen trennt.

Die Vorfahren heutiger Affen entwickelten sich weiter in den Gebieten wo Wälder weiterhin dominierten, unsere Vorfahren entwickelten sich wohl in lichten Wäldern und Galeriewäldern.

Die weitere Entwicklung der Menschen

Sehr frühe Fossilien die der Entwicklung der Menschen zugesprochen werden, stammen von Primaten aus der Zeit vor 14 bis 12 Millionen Jahren. Louis Leakey entdeckte diese Fossilien im Jahr 1961 in Kenia, er gab der Art den Namen Kenyapithecus, wie üblich eine Bezeichnung, die mit dem Fundort verbunden ist.

Kenyapithecus, der als gemeinsamer Vorfahre von Menschen und Menschenaffen gilt, war ein kleiner bis mittelgroßer hominoider Primate mit robustem Kiefer und dickem Zahnschmelz, woraus eine Ernährung mit relativ hartfaseriger Nahrung geschlossen werden kann.

Auch der vor fast 12 Millionen Jahre in Deutschland, im Allgäu lebende Danuvius guggenmosi, benannt nach der Donau und Sigulf Guggenmoos, einem Hobby-Archäologen aus dem Allgäu gilt als möglicher Vorfahr von Menschen und Menschenaffe. Der Primat mit einer wie die Menschen vermutlich S-förmigen Wirbelsäule war wohl nicht auf dem Boden aber im Baum auf zwei Beinen unterwegs.

Wie die Entwicklung nach Kenyapithecus und Danuvius guggenmosi weitergeht ist nicht bekannt, aus der Zeit vor 12 bis 6 Millionen Jahren wurden bisher keine Fossilien gefunden.

Die Zeit vor 6 bis ca. 2,5 Millionen Jahren

Die ältesten Fossilen Überreste nach diesen zwei Funden, es gibt sie nur in Afrika, stammen von einer Gattung Namens Sahelanthropus tchadensis, sie werden auf ein Alter von 6 bis 7 Millionen Jahren datiert, ob Sahelanthropus in den Stammbaum des Menschen einzuordnen ist, ist jedoch umstritten.

Auf ein Alter von rund 6 Millionen Jahren wird auch Orrorin tugenensis datiert, er wird von vielen Forschern den Australopithecinen zugerechnet. Da Orrorin, auch als Millennium-Mensch bekannt , vermutlich aufrecht gehen konnte, wurde die Gattung von ihren Entdeckern an die Basis der Ahnenreihe der Hominini gestellt. Wegen der wenigen, bruchstückhaften Fundstücke ist dies allerdings umstritten.

Auf ein Alter von 5,8 bis 5,5 Millionen Jahren wurden die Fossilen Überreste von Ardipithecus kadabba datiert. Der Erstbeschreibung zufolge stehen die Fossilien den gemeinsamen Vorfahren von Schimpansen und Menschen nahe, deren Entwicklungslinien sich molekularbiologischen Schätzungen zufolge vor 6,5 bis 5,5 Millionen Jahren trennten.

Auf ein Alter von 4,4 Millionen Jahren wurden die Fossilen Überreste von Ardipithecus ramidus datiert. Ardipithecus ramidus gehört möglicherweise zu den direkten Vorfahren der Gattungen Australopithecus und Homo oder steht ihnen zumindest sehr nahe.

Aufrechtgehende Affen

Unsere frühesten Vorfahren mussten sich also der Veränderung ihrer entstehenden lichten Landschaften anpassen, ein Millionen Jahre dauernder Prozess. Anfangs mussten sie vermutlich nur die Strecke von einem Baum zum nächsten überwinden. Die Mitte der 1990er Jahre endeckten Art Ardipithecus ramidus passt hier genau rein.

Woran kann man das mit dem aufrechten Gang heute erkennen:
Um aufrecht zu gehen bedarf es einer S-förmigen Wirbelsäule, Menschenaffen haben eine einfach gebogene Wirbelsäule. Der anatomische Unterschied ermöglichte es dem Vorfahren des Menschen seinen Rumpf aufrecht zu halten. Anhand von Fossilien ist das auch erkennbar an einem zur Schädelmitte verlagertes Hinterhauptloch, an den Oberschenkelknochen (Femur) mit großem Kopf und langem Oberschenkelhals.
Die markantesten Veränderungen am Fuß betrafen Bau und Zusammenspiel der Zehen- und Mittelfußknochen, die ursprünglich ein Greiforgan waren.

Ardipithecus ramidus besitzt noch relativ lange, affenähnliche Fingerglieder, die ihn als Baumbewohner ausweisen. Knochen von Zehen und des teilweise erhaltenen Skeletts zeigen aber schon Eigenschaften aus denen die Fähigkeit zum aufrechten Gang abgeleitet werden kann.

Er gehört möglicherweise zu den direkten Vorfahren der Gattungen Australopithecus und Homo oder steht ihnen zumindest sehr nahe.

Lucy das wohl berühmteste Fossilien Individuum
Lucy ist der Name eines fossilen Teilskeletts, eines sehr wahrscheinlich weiblichen Individuums des Vormenschen Australopithecus afarensis, das 1974 im nordostafrikanischen Afar-Dreieck in Äthiopien gefunden wurde. Das Fossil wird auf ein Alter von 3,2 Millionen Jahren datiert.

Im Jahr 2016 ergab eine Untersuchung des Skeletts, dass die Armknochen im Vergleich zu den Beinknochen viel kräftiger waren. Man vermutet, dass Lucy ihre Arme regelmäßig stärker belastet hat als die Beinknochen. Lucy war wohl häufiger in Bäumen unterwegs als laufend auf dem Erdboden.

Hinweise auf Frakturen vermuten, Lucy sei möglicherweise unmittelbar vor ihrem Tod auf einen Baum geflüchtet und dabei aus rund 13 bis 14 Metern Höhe auf sehr harten Untergrund abgestürzt. Vielleicht weil es auf der Flucht schnell gehen musste und sie Beine zum Laufen, aber keine Zehen mehr wie ein Affe die sich zum Greifen eignen besaß.

Als der Vorfahre der Menschen dann damit begann die Savannengebiete zu besiedeln, erwies sich der bereits in lichten Wäldern entwickelte aufrechte Gang als vorteilhaft für das Überblicken weiter Gebiete und für das Tragen von Lasten.

Die Gattung Australopithecus

Fossilien von Australopithecus werden in die Zeit vor rund 4 bis 2 Millionen Jahren eingeordnet. Es gibt mehrere Fundorte, so auch mehrere Arten Bezeichnungen. Sie gehören alle in die Gruppe der Australopithecina.

Richard Leakey zufolge handelte es sich bei allen um Arten mit kleinem Gehirn. Die anatomischen Merkmale der „aufrechtgehenden Affen“, zeigen eine Körperhaltung am ehesten vergleichbar mit den heute lebenden Steppenpavianen.

Bekannt sind die Arten Australopithecus anamensis, Australopithecus afarensis, Australopithecus africanus, Australopithecus garhi und Australopithecus sediba, Australopithecus bahrelghazali.

Als sehr wahrscheinlich gilt jedoch, dass Australopithecus afarensis infolge Anagenese in direkter Linie aus dem älteren Australopithecus anamensis hervorgegangen ist.
Die verwandtschaftliche Nähe zu den Arten der Gattung Homo ist jedoch ungeklärt.

Anagenese
Die Anagenese (gr. ana = aufwärts; genesis = Entstehung) auch bekannt als phyletische Evolution oder Artumwandlung, bezeichnet die Höherentwicklung oder Transformation eines Taxons in der Evolution ohne Artbildung. Die damit verbundene Anhäufung erblicher Veränderungen führt zur Artneubildung.

In den großen Savannengebieten gab es zwei Arten von Nahrung, pflanzliche und tierische Nahrung. Das führte bei Australopithecus zu verschiedenen Anpassungen. So gab es bei vermutlich 10 bis 20 existierenden Arten wohl zwei Linien, eine „grazile“ und eine „robuste“ Linie.

Grazile Arten

Die als grazil bezeichneten Hominiden gingen zu einer Ernährungsweise über, die mehr und mehr auch Fleisch als Nahrung einbezog. Da sie weder über Klauen oder Zähne verfügten und somit nicht die Fähigkeit besaßen größere Beutetiere zu töten oder aufzubrechen, dürfte sich ihre Nahrung auf Aas (Innereien) und Beuteraub beschränkt haben. Sehr wahrscheinlich kam es hier zum ersten Gebrauch von Steinwerkzeugen, indem Steine dazu benutzt wurden, das Mark erbeuteter Röhrenknochen freizulegen.
Bekannt aus der „grazile“ Linie sind z.B die Arten Australopithecus afarensis, Australopithecus africanus, Australopithecus bahrelghazali.

Robuste Arten

Die sogenannten „robusten“ Australopithecinen waren Herbivoren (Pflanzenfresser), sie werden heute der Gattung Paranthropus zugeordnet, spezialisierten sich auf hartfaserige Pflanzen und bildeten extrem kräftige Kaumuskeln und auf den Backenzähnen extrem vergrößerte Kauflächen aus. Paranthropus boisei wird daher gelegentlich auch als „Nussknacker-Mensch“ bezeichnet.

Die „robusten“ Australopithecinen starben vor ca. 1 Million Jahren größtenteils aus, weil sie nach einem neuerlichen Klimawandel hin zu gemäßigteren Temperaturen vermutlich der Nahrungskonkurrenz anderer Arten nicht mehr gewachsen waren.

Bekannt aus der „robusten“ Linie sind z.B die Arten Paranthropus robustus, Paranthropus boisei.

Nachkommen der Paranthropus finden sich heute noch in der Linie die zu den Schimpansen (Panini) führt, zu den heutigen afrikanischen Menschenaffen. Die Linie der Menschen (Hominini) spielte sich aber auch weiterhin in Afrika ab.

Woran kann man heute erkennen, was gegessen wurde:
Pflanzenfresser besitzen starke Backenzähne mit großen Kauflächen und kräftigen Kaumuskeln. Fleischfresser wie Homo habilis verfügen nicht mehr über ein Gebiss das hierfür geeignet war. Auch anhand des Zahnschmelzes kann herausgefunden werden was gegessen wurde.

Vor etwa 2 Millionen Jahren entsteht die Gattung Homo

Die Linie der Menschen wechselt vor ca. 2 Millionen Jahren zu einer fast ausschließlichen Karnivoren (Fleisch) Ernährung. Die Ernährung mit Fleisch war wohl der entscheidende Schritt zum heutigen Menschen.

Fleisch ist der Schlüssel zur Intelligenz

Auch wenn es Vegetarier nicht gerne hören, eine pflanzliche Ernährung hätte den Menschen nicht zu dem intelligenten Individuum gemacht das er heute ist. Auch wenn das Vorhandensein dieser Eigenschaft (Intelligenz) heute schon wieder umstritten ist.
Bei einer überwiegend pflanzlichen Ernährung brauchen die Verdauungssysteme viel Zeit und Energie bis sie die Nahrung verwertet haben.

Was hat sich durch die karnivore Ernährung geändert

Das essen von Fleisch, besonders die Innereien bedarf keiner großen Kaumuskulatur. Eine große Kaumuskulatur beansprucht viel Platz im Kopf, weniger an Muskeln geben dem Gehirn mehr Platz.

Nährstoffreiches Fleisch ließ sich schneller verwerten und Homo größer und klüger werden. Bessere Waffen vergrößerten den Jagderfolg, die erlegten Tiere mussten zerlegt und verarbeitet werden, was zur Entwicklung von verbesserten Steinwerkzeugen führte, der entscheidende Schritt zum „Menschwerden“.

Bessere Waffen und mehr und besser verwertbare Nahrung alleine aber machen wohl keinen Menschen, weitere grundlegende Veränderungen werden dafür verantwortlich gemacht.

Die Körperform der Gattung Homo optimierte sich, die Körper und die Beine wurden länger, die Kiefer und Zähne kleiner und das Gehirn größer.

Der Gebrauch von Werkzeugen geht einher mit dem Entstehen von Bräuchen, Regeln und der Weitergabe von Informationen (Kultur entsteht). Bei Kindern verlängert sich die Phase des Lernens, Sprache und Gebrauch von Werkzeug muss erlernt werden.

Das Sexualverhalten änderte sich, die Frauen verbergen ihre Ovulation, sie verlieren ihre sichtbare Begattungsbereitschaft. Männer investieren mehr Zeit in die Ernährung ihrer Partnerin und des Nachwuchses.

Auch diese Entwicklung ist nicht linear, einzelne Individuen gehen den Weg zurück, andere einen Schritt voran.

Die frühesten Menschenarten

Die beiden ältesten Homo-Arten die man sich merken sollte sind Homo rudolfensis, der nach dem Rudolf-See – heute Turkana-See – in Kenia benannt wurde, und Homo habilis.

Beide Arten, die bereits Steinwerkzeuge benutzten, lebten vermutlich zur gleichen Zeit nebeneinander, wobei Homo rudolfensis wohl schon vor 2,5 Millionen auftauchte. Homo habilis existierte wohl seit etwa 1,8 Millionen Jahren, im weiteren Verlauf wird er aber irgendwann ausgestorben sein.

Homo rudolfensis

Weitere Funde, die Homo rudolfensis zugeschrieben werden, wurden in in Äthiopien (Omo-Gebiet) und Malawi gemacht. Die geringe Anzahl von Funden hat dazu geführt, dass wegen der zeitlichen und morphologischen Nähe zu den Australopithecinen auch die Bezeichnung Australopithecus rudolfensis vorgeschlagen wurde.

Bei Homo rudolfensis besteht in der Wissenschaft jedoch kaum ein Zweifel, dass Homo rudolfensis zur Abstammungslinie des Menschen gehört.
Es wird vermutet, dass Homo rudolfensis der erste Homininus war, der Steingeräte nutzte. Aufgrund von Zahnuntersuchungen geht man davon aus, dass Homo rudolfensis „überwiegend Pflanzenfresser“ war.

Begleitfunde (darunter Verwandte von Gazellen, Elefanten und Schakalen, aber auch von Flusspferden und Pavianen) deuten darauf hin, dass der Lebensraum von Homo rudolfensis eine abwechslungsreiche Mischung aus offenen, savannenartigen Graslandschaften und Galeriewäldern mit dichtem Unterholz aufwies.

Homo habilis

Alle bislang als Homo habilis bezeichneten Funde stammen aus ostafrikanischen Gesteinsschichten. Die Bekanntgabe der ersten Funde im Jahr 1960 und die Namensgebung im April 1964 gelten als ein „Wendepunkt der Paläoanthropologie“, da zuvor aus Afrika nur hominine Fossilien der Gattung Australopithecus bekannt waren.

Aufgrund der Fossilien Funde von Homo erectus (der bis dahin ausschließlich in Asien gefunden wurde) war vermutet worden, dass die Gattung Homo sich in Asien entwickelt hatte.

Ein Umstand, der die Forschung in Afrika jahrzehntelang auf Eurasien konzentrierte. Dass die Wiege der Menschheit in Afrika sein sollte, ein Umstand der schon Charles Darwin in seinem 1871 erschienenen Buch The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex (Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl) vermutete, wollte bis dahin niemand wahr haben.

Nach heutigem Kenntnisstand führt der Zweig von Homo habilis in eine Sackgasse. Darüber, ob er zu unserem Genpool beigetragen hat, konnte ich nichts finden.

Homo ergaster

Vor etwa 2 bis 1,8 Millionen Jahren erscheint mit Homo ergaster ein Vertreter der Hominiden, der als voll entwickelter Mensch angesehen wird, die Wissenschaft geht davon aus, dass er sich aus Homo rudolfensis entwickelt hat.

Sein Rang als abgrenzbare Art ist allerdings umstritten, einige Forscher ordnen seine Fossilien eher als frühe Exemplare der Art Homo erectus ein.
Auch von ihm gibt es ausschließlich Fossilien aus Afrika, die in Koobi Fora (Ostafrika) sowie in Swartkrans (Südafrika) entdeckt wurden. Sie sind 1,9 bis 1,4 Mio. Jahre alt, einige der Art zugeschriebene Funde stammen aber auch aus jüngeren Schichten und sind möglicherweise nur 1 Mio. Jahre alt.

Homo erectus

Homo erectus ist wohl „die erste hominine Art“, die wie ein moderner Mensch laufen konnte, das Feuer benutzte und das Jagen als ein wesentliches Element zur Sicherung ihrer Nahrungsversorgung einsetzte.

Die eigentliche Hominiden Entstehung fand bis zu Homo erectus in Afrika statt.

Die Entwicklung von Homo erectus geht aber über Afrika hinaus, sein Weg führte nach Europa, den Vorderen Orient und nach Asien.
Es wurden zwar auch von Homo habilis einzelne Fossilien in Europa gefunden, der erste Nachweis der Gattung Homo außerhalb Afrikas stammt von Fossilien aus Dmanisi in Georgien. Die auf 1,8 Millionen Jahre datierten Fossilien gehören möglicherweise zu Homo habilis. Für die weitere Entwicklung der Menschen ist das vermutlich aber nicht von Bedeutung.

Die erste Auswanderungswelle die ihn nach Eurasien führte, musste also vor etwa 1,8 Millionen Jahren gewesen sein, ob Homo erectus vielleicht wieder ausgestorben war, ist noch nicht geklärt. Auch nicht, inwieweit es immer mal wieder Individuen gab, die aus Afrika auswanderten, sehr wahrscheinlich ist es aber.

Wie genau die weitere Auswanderung (vermutlich) erfolgte, ist für einen Laien schwer zu verfolgen. Vermutlich sind die genauen Zeitangaben aber auch nicht wirklich wichtig…
Die zweite Auswanderungswelle muss nach meiner Recherche vor etwa 1,5 Millionen Jahren gewesen sein, vor etwa 1 Millionen Jahren erfolgte eine weitere größere Auswanderungsbewegung.

Homo heidelbergensis

Zwischen 800.000 und 300.000 Jahren vor heute gab es während der Warmzeiten sicherlich weiteren Zuzug von Afrika nach Europa und während der Kaltzeiten vermutlich auch Bewegungen in umgekehrter Richtung.

Vor etwa 600.000 Jahren kam es nach Meinung vieler Paläoanthropologen jedenfalls zu einer größeren Ausbreitungswelle des afrikanischen Homo erectus.
Aus Homo erectus entwickelte sich eine Form mit größerem Gehirn, die meist als Homo heidelbergensis bezeichnet wird, von einigen Forschern zeitweise aber als Unterart des Homo erectus klassifiziert wird.

Von Homo heidelbergensis sind Fossilien bekannt, die 600.000 bis 200.000 Jahre alt sind.

Aus Homo heidelbergensis entwickelte sich in Europa vor etwa 300.000 Jahren der Neandertaler (Homo neanderthalensis). Da es keine klare Trennungslinie zwischen Homo erectus und Homo heidelbergensis bzw. Homo heidelbergensis und Neandertaler gibt, ist die Zuordnung vieler Funde zur einen oder zur anderen Chronospezies bis heute unter Paläoanthropologen umstritten. Manche Forscher deuten einen Teil der Homo heidelbergensis zugeordneten Funde als bloße Varianten von Homo erectus.

Homo neanderthalensis

Da wir Europäer etwa 2,5 bis 4 Prozent Neandertaler Gene in uns tragen, verdient der Neandertaler etwas mehr Zuwendung. DNA vergleiche mit einer anderen Gattung der Hominini gibt es aber auch nicht, da kein genetisches Vergleichsmaterial vorhanden ist.

Neandertaler Gene sind jedoch nur in der mitochondrialen DNA von Frauen zu finden, es findet sich keinerlei Erbgut aus dem Y-Chromosom von Neandertaler-Männern. In uns stecken also nur weibliche Neandertaler-Gene. Warum das so ist, darüber gibt es bei den Wissenschaftlern unterschiedliche Thesen.

Die Bezeichnung Neandertaler
Geht auf das Neandertal zurück, einen zwischen den Städten Erkrath und Mettmann gelegenen Talabschnitt der Düssel. Dort, im heutigen Bundesland Nordrhein-Westfalen, wurde 1856 das Teilskelett eines Neandertalers gefunden, später als Neandertal 1 benannt.

Knochenfunde der Neandertaler lassen bei einem Körpergewicht von 60 bis 80 kg auf Körpergrößen von ca. 1,60 m schließen. Für die frühen modernen Menschen wurde eine Körpergröße von etwa 1,77 m rekonstruiert. Die eher gedrungene Gestalt wird als Anpassung an ein relativ kaltes Klima erklärt.

Die Lebenserwartung der Neandertaler wird mit 20 und 30 Jahren angegeben. 80 Prozent aller Neandertaler starben wohl schon vor dem 40. Lebensjahr.
Einzelne Individuen hatten jedoch eine „erstaunlich hohe Lebenserwartung“. So gilt es als gesichert, dass beispielsweise der sogenannte „Alte Mann von La Chapelle“ ungefähr 40 bis 45 Jahre alt war, als er starb.

Die Vermischung von Neandertaler und moderner Mensch
Neandertaler-Funde seit der Eem-Warmzeit (vor ungefähr 126.000 Jahren bis 115.000 Jahren) werden aufgrund ihrer oft ausgeprägten anatomischen Merkmale als „klassische Neandertaler“ bezeichnet

Der Neandertaler entwickelte sich in Europa also parallel zum Homo sapiens in Afrika. Wir verdanken ihm wohl unsere helle Haut und die glatten Haare, leider wohl auch unsere Eigenschaft Unterhautfettgewebe aufzubauen. Einen gewissen Teil an unseren Abwehrkräften gegenüber Krankheiten und Infektionen wird ihm auch zugeschrieben.
Tatsächlich wurden einige europäische Neandertaler-Funde aufgrund anatomischer Merkmale als Mischlinge interpretiert. Und anhand der Neandertaler-DNA konnte 2015 festgestellt und berichtet werden, dass sich Neandertaler und Homo sapiens gepaart und Nachkommen gezeugt hatten.

Die Vermischung der Gene geschah aber wohl nicht alleine nachdem der moderne Mensch Homo sapiens vor 40.000 Jahren in Europa angekommen ist.

Für die Vermischung der Arten gibt es einige Erklärungen
Eine Untersuchung der mitochondrialen DNA (mtDNA) aus dem Jahr 2017 erbrachte Hinweise auf einen Genfluss in der Zeit zwischen 470.000 und 220.000 Jahren vor heute von der Linie die zum anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) führt hin zum Neandertaler.

Die Linie der anatomisch moderne Menschen wären also schon relativ früh von Afrika nach Europa gewandert, ohne dort zu überdauern, oder diese „Vorhut“ wäre in den damals weit verbreiteten Neandertaler-Populationen aufgegangen.

Es zeigte sich ein fundamentaler Unterschied in der mtDNA früher und später Neandertaler-Funde: Die mtDNA früher Fossilien ist ähnlich der des Denisova-Menschen, während die mtDNA später Neandertaler der des anatomisch modernen Menschen ähnelt.

Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie konnten 2016 bereits einen Zeitpunkt für eine Vermischung zwischen Neandertaler und modernen Menschen beweisen. In Fossilen Funden eines Neandertalers, der in einer Höhle im sibirischen Altai-Gebirge gefunden wurde, konnten Gene aus dem Zellkern des modernen Menschen nachgewiesen werden. Sie kommen zu dem Schluss, dass diese Vermischung vor rund 100.000 Jahren stattgefunden hatte.

Die Vermischung liegt damit deutlich früher als die bisher in Europa nachweisbare, die auf circa 60.000 Jahre angesetzt wird. Moderne Menschen und Neandertaler trafen nach Ansicht der Forscher wahrscheinlich zuerst im Nahen Osten aufeinander, ein Vorgang der sich zu anderen Zeiten an anderen Stellen wiederholte.

Bisher wurde angenommen, dass die Wanderungsbewegungen und damit die Vermischung nur in eine Richtung ging, die Afrikaner also keine Neandertaler-Gene besitzen.
Der Paläogenetiker Joshua Akey veröffentlichte am 30. Januar 2020 eine Studie, nach der die Gene des ausgestorbenen Neandertalers auch bei heute lebenden Afrikanern nachweisbar sind.

Er konnte nachweisen, dass es Wanderbewegungen wohl auch von Europa nach Afrika gab. Das waren wohl aber keine Neandertaler, sondern moderne Menschen, die auch einen kleinen Anteil an Neandertaler-Genen in sich trugen.

Siedlungsgebiete
Der Neandertaler besiedelte zeitweise große Teile Süd-, Mittel- und Osteuropas, im Verlaufe der letzten Eiszeit haben sie ihr Siedlungsgebiet in Teile Zentralasiens (Usbekistan, Tadschikistan) und sogar bis in das Altai-Gebiet hinein erweitert.

Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden Neandertaler als plumpe eher affenähnliche Wesen dargestellt. Heute wissen wir, sie waren den Menschen näher als man geglaubt hatte. Sie beherrschten das Feuer, stellten Werkzeuge aus Stein und Holz her und ernährten sich – je nach klimatischen Gegebenheiten – teils von Jagdbeute, teils von Pflanzennahrung.

Sprache
Die Möglichkeiten der Sprache war den Neandertalern gegeben, die anatomische Voraussetzung für die Fähigkeit zum Sprechen, nämlich ein Zungenbein besaßen sie. Zudem besaßen sie das für Sprache bedeutsame FOXP2-Gen genauso wie der moderne Mensch.

Bestattungen
Bereits 1938 wurde in der Teschik-Tasch-Höhle in Usbekistan das Grab eines ungefähr neun Jahre alten Neandertaler-Jungen entdeckt. Das rund 70.000 Jahre alte Skelett lag dort umsäumt von Steinbock-Hörnern.

In der Schweizer Drachenloch-Höhle fand man Knochen von Höhlenbären, die zwischen Steinplatten angeordnet waren, dass die Neandertaler einen Bärenkult hatten, ist aber eher unwahrscheinlich. Die Felsen können auch ohne menschliche Einwirkung von der Höhlendecke herabgefallen, die Anordnung durch Wassereinwirkung erfolgt sein.
In Gräbern mit Neandertaler Fossilien bei La Ferrassie (Südwestfrankreich), Spy und La Chapelle-aux-Saints konnten Farbpigmentreste von Rötel und Ocker identifiziert werden. Die Verstorbenen wurden meistens in Rückenlage oder in Hockerstellung in das Grab gelegt.

Nahrung und deren Beschaffung
Wie sie ihre Jagdbeute erlegten wurde durch die 1946 gefundene, rund 120.000 Jahre alte Stoßlanze von Lehringen belegt, so benutzten Neandertaler hölzerne Waffen (Spieße) zum Erlegen von Großwild. Anhand eines experimentellen ballistischen Versuchsaufbaus wurde „die Nutzung eines hölzernen Speers in Aufwärtsbewegung, der mit geringer Geschwindigkeit eingesetzt wurde“, rekonstruiert.

Neandertaler mussten sich den Tieren also bis auf sehr kurze Distanz nähern und den Speer als Stoß- und nicht als Wurfwaffe verwenden.
An im Zahnstein eingelagerter Stärke von nordspanischen Neandertalern konnten Merkmale einer Veränderung bei pflanzlicher Nahrung durch Erhitzung nachgewiesen werden. Die pflanzliche Kost war wohl durch Kochen verdaulicher gemacht worden, sie bestand zumindest teilweise aus Arten, die als Heil- oder Gewürzpflanzen interpretiert werden können. Auch aus rund 50.000 Jahre altem Kot von spanischen Neandertalern konnte rekonstruiert werden, dass neben häufigem Fleischkonsum auch ein erheblicher Anteil an pflanzlicher Kost verzehrt wurde.

Kleidung
In dem Klimatisch kalten Lebensraum in dem Neandertaler lebten bedarf es einer wärmenden Kleidung, Neandertaler fertigten vermutlich als erste Menschenart Kleidung an, Hinweise auf die Herstellung und Verwendung von Nadeln wurden jedoch keine entdeckt.

Kunst
Höhlenmalereien der Neandertaler konnten auf fast 65.000 Jahre datiert werden, sie enthalten meist rote, manchmal auch schwarze Malereien, die Tiergruppen, Punkte, geometrische Zeichen sowie positive und negative Handabdrücke aber auch Felsritzungen. Auch wenn die Datierungen schon wieder umstritten sind, sollten die Neandertaler doch die ersten Höhlenkünstler in Europa gewesen sein.

Lange ging die Wissenschaft davon aus, dass in den Malereien Männer ihre Jagderfahrungen künstlerisch umgesetzt hatten, doch gab es dafür keine Beweise. Der Archäologe Dean Snow von der Pennsylvania State University analysierte Handabdrücke aus acht französischen und spanischen Steinzeithöhlen, darunter der El-Castillo-Höhle und fand heraus: Etwa drei Viertel aller farbigen Hände stammen von Frauen, und es finden sich auch zahlreiche Handabdrücke von Kindern und Jugendlichen.

Seefahrende Neandertaler
Vermutlich gab es sogar seefahrende Neandertaler, diese wurden im östlichen Mittelmeerraum gefunden.
Ihre typischen Moustérien-Steinwerkzeuge die man auf ein Alter von mindestens 110.000 Jahren datiert, wurden auf den griechischen Inseln Lefkada, Kefalonia und Zakynthos gefunden. Kefalonia und Zakynthos einschließlich Ithaka waren zu dieser Zeit aber von mindestens 180 Meter tiefem Wasser umgeben und konnte vermutlich nur mit Wasserfahrzeugen erreicht werden, der Abstand zum Festland betrug seinerzeit etwa 5 bis 7,5 Kilometer.

Bevölkerungsdichte
Fortpflanzung und Bevölkerungsdichte der Neandertaler dürfte sicher eines der schwierigsten Forschungsfelder sein. Die erzielten Ergebnisse haben nicht immer Bestand oder werden anders interpretiert.

Abstammungslinien, die auf Basis der mtDNA-Analyse innerhalb der Gruppe durchgeführt wurden, lassen auf eine Geburtshäufigkeit der Neandertaler von ca. 3 Jahren schließen.

Analysen, die anhand mitochondrialer DNA an einer 12-köpfigen familiär verwandten Neandertalergruppe durchgeführt wurden, zeigten, dass auch Neandertaler wie es bei modernen Jäger- und Sammler-Kulturen vorkommt ihre ursprünglichen Gruppen verließen. Die Frauen gingen zu den Männern, die in der Gruppe des Vaters verblieben.
Anhand der ausschließlich von der Mutter auf die Kinder übertragenen DNA der Mitochondrien (mtDNA) von fünf Neandertalern wurde 2009 berechnet, dass vor rund 70.000 bis 40.000 Jahren allenfalls 3500 weibliche Neandertaler gleichzeitig gelebt hatten. Wie aussagekräftig dieser Schätzwert ist, blieb allerdings umstritten.

Bei einem vergleichbaren Vorgehen würde man für Schweden auf 100.000 Individuen kommen, es lebten dort aber rund neun Millionen Menschen. Die tatsächliche Zahl der weiblichen Neandertaler könnte in der genannten Epoche durchaus 70.000 Individuen betragen haben.

Jean-Jacques Hublin vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie kommt hingegen 2018 zu dem Schluss, dass es „selbst in Zeiten ihrer größten Verbreitung“ nicht mehr „als geschätzte 10.000 ‚Neandertal-Europäer‘“ zugleich gegeben hatte, wobei die Größe der einzelnen Gruppen „höchstens 50 bis 60 Frauen und Männer“ umfasst habe.

Aussterben
Die Gründe für das Aussterben der Neandertaler sind unbekannt, vor rund 40.000 Jahren verschwanden sie aber von der Bildfläche, über die genauen Gründe wird spekuliert.
Klimaveränderungen durch einen Vulkanausbruch in den Phlegräischen Feldern der süditalienischen Region Kampanien könnte eine Ursache sein. Die Menge der Nahrung wird sich dadurch sicher verringert haben, was auch die schon geringe Populationsgröße nochmals verringert hatte.

Dass die modernen Menschen die Neandertaler ausgerottet hatten, oder an eine kulturelle Überlegenheit des Homo sapiens gegenüber dem Neandertaler glaubt man jedoch nicht, wenn schon, dann vielleicht durch afrikanische Krankheiten die auf die Neandertaler übertragen und diese weiter dezimiert haben.

Stattdessen vermuten die Wissenschaftler eine allmähliche zahlenmäßige Überlegenheit des Homo sapiens. Vielleicht sind die wenigen Neandertaler in die Gruppen der Menschen aufgegangen oder ihre Fortpflanzungsrate hat einfach nicht mehr ausgereicht.

Denisova-Menschen
Die Denisova-Menschen sind eng verwandt mit den Neandertalern, so werden sie auch als Schwestergruppe des Neandertalers bezeichnet.
Sie stehen genau wie die Neandertaler den modernen Menschen (Homo sapiens) nahe. Sie können jedoch genetisch von beiden Arten unterschieden werden.
Anhand von Fossilien konnte festgestellt wurden, dass sie vor rund 160.000 Jahren in Tibet und bis vor 76.000–52.000 Jahren im Altai-Gebirge im südlichen lebten.
Die Fossilien waren ein Unterkiefer aus Tibet sowie aus der Denisova-Höhle zwei hintere Backenzähne und ein kleiner Finger mit intakter Mitochondrien DANN (mtDNA).
Johannes Krause und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig gelang es im Jahr 2010 zunächst, diese DNA auszuwerten. Danach hatte neben dem anatomisch modernen Menschen, den Neandertalern und dem Homo floresiensis noch eine weitere Gemeinschaft, die Denisova-Menschen existiert.

Homo floresiensis
Die Bezeichnung floresiensis verweist wie bei Funden üblich auf den ersten Fundort des Typusexemplars, auf die indonesischen Insel Flores. Homo floresiensis bedeutet somit „Mensch von Flores“. Da es sich um eine ausgesprochene kleinwüchsige Art handelt, wird die Bezeichnung „Hobbit“ gerne als Spitzname gebraucht.
Datiert wurden die im September 2003 entdeckten Knochenfunde zuerst auf ein Alter von rund 18.000 Jahren. 2016 wurde jedoch eine Neudatierung der Funde publiziert, der zufolge die Knochen nicht jünger als 60.000 Jahre sind.

Wie eng die Verwandtschaft von Homo floresiensis mit anderen Arten der Gattung Homo ist, ist unter Anthropologen und Paläoanthropologen umstritten. Von seinen Entdeckern wurde Homo floresiensis bereits 2004 als so genannte Inselverzwergung stammesgeschichtlich von Homo erectus abgeleitet. Andere Forscher vermuteten, es könne sich um eine krankhaft veränderte Population von Homo sapiens gehandelt haben. Die jüngsten Befunde deuten jedoch darauf hin, dass Homo floresiensis eine klar unterscheidbare Art war.

Was jetzt noch fehlt ist die weitere Entwicklung zum Homo sapiens die sich in Afrika abgespielt hat

Wie die weitere Entwicklung in Afrika zu Homo sapiens führt ist in der Wissenschaft umstritten. Die ältesten bis dahin zu Homo erectus gestellten afrikanischen Fossilien werden von einigen Forschern als Homo ergaster bezeichnet, die jüngeren als Homo heidelbergensis. Dieser Konvention zufolge entwickelte sich Homo ergaster in Afrika zu Homo heidelbergensis fort und dieser zu Homo sapiens.

In jüngster Zeit hat sich aber die Lehrmeinung durchgesetzt, der zufolge nur die frühen europäischen Nachfahren der afrikanischen Auswanderer als Homo heidelbergensis bezeichnet werden.

Bis zum Jahr 2017 galten drei Funde als die ältesten sicheren Belege des Homo sapiens: die 195.000 Jahre alten Fossilien Omo 1 und Omo 2 sowie der rund 160.000 Jahre alte „Herto-Schädel“, beide entdeckt im Nordosten Afrikas.

2017 werden in einer Karst-Höhle bei Djebel Irhoud rund 100 Kilometer nordwestlich von Marrakesch Fossilien gefunden, die auf rund 300.000 Jahre datiert werden. Es sind die bislang ältesten Fossilien die dem anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) zugeschriebenen werden.

Einhellige Meinung ist heute, der archaische Homo sapiens entstand somit vermutlich in Ostafrika in der Zeitspanne zwischen 300.000 und 200.000 Jahren vor heute.

Wer und wann sich unsere Vorfahren mit den vielen heute ausgestorbenen Arten vermischt hat, darüber ist die Wissenschaft sich wohl noch lange nicht einig, Fakt ist aber: Migration ist keine Entwicklung der Neuzeit, Migration ist ein die Menschheitsgeschichte durchziehendes, erdumspannendes Geschehen. Aber wie es sich gezeigt hat, wir sind alle Migranten, und das war unglaublich wichtig für die Entwicklung der Menschen.

 

Zusatzinformationen aus Wikipedia

Zeitabschnitte: Erdneuzeit (Känozoikum)
-> Teritiär = Zeitspanne von 65 Millionen – 2 Millionen Jahren
-> Quartär = Zeitspanne von 2 Millionen – Heute
Das Quartär wird unterteilt in:
Pleistozän, die Zeitspanne von 2 Millionen bis Ende Eiszeit
Holozän, die Zeitspanne von Ende Eiszeit vor ca. 12000 Jahren bis heute

Der Nariokotome-Junge oder Turkana Boy
In Afrika berühmteste Überreste eines Homo ergaster, das als „Nariokotome-Junge oder Turkana Boy“ bezeichnete fast vollständige Fossil, wurde im August 1984 in Kenia gefunden. Der mit einem Alter von 12 Jahren geschätzte Junge hätte als Erwachsener eine Körpergröße von 1,80 Meter erreicht. Sein Hirnvolumen mit 900 cm³ gegenüber einem heutigen Menschen mit 1500 cm³ zeigt aber noch Entwicklungsbedarf, immerhin hatte er noch ca. 1,5 Millionen Jahre Zeit dafür.

Vor 70.000 Jahren begann sich Homo sapiens in ganz Afrika und dem Nahen Osten auszubreiten. Vor etwa 60.000 Jahren erreichte Homo sapiens Australien, vor 45.000 Jahren hatte er bereits ganz Asien und Europa besiedelt. Vor etwa 15.000 bis 11.500 Jahren, nach mancher Ansicht wesentlich früher erreicht er Amerika.

Hominisation:
Als Hominisation (auch Anthropogenese, selten Anthropogenie) wird die evolutive Herausbildung des Merkmalsgefüges bezeichnet, das für den anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) charakteristisch ist.

Im Verlauf der Hominisation haben sich sowohl seine körperlichen Eigenschaften als auch seine geistigen Fähigkeiten herausgebildet. Hierzu gehören insbesondere der aufrechte Gang, das Gebiss mit verkürztem, parabolischem Zahnbogen und kleinen Eckzähnen sowie der späte Eintritt der Geschlechtsreife; ferner die Vergrößerung des Gehirns und die hiermit verbundenen kulturellen und sozialen Fähigkeiten, die heute lebende Menschen und deren Vorfahren von den anderen Menschenaffen unterscheiden.
Anhand von Fossil­Funden und molekularbiologischen Datierungen wird der Beginn der Hominisation in die Zeit vor 7 bis 5 Millionen Jahren datiert, als sich die Entwicklungslinie der Schimpansen von der zum Menschen führenden Entwicklungslinie der Hominini trennte.

Auch in der Gegenwart ist die Evolution des Menschen nicht zum Stillstand gekommen.

Vormenschen – Urmenschen - Frühmenschen - moderner Mensch
Häufig werden die Arten der Hominini wie folgt bezeichnet: die Australopithecinen als Vormenschen.
Homo habilis und Homo rudolfensis als Urmenschen.
Alle späteren Arten der Gattung Homo (außer Homo sapiens) als Frühmenschen.
Homo sapiens als Letztmensch oder anatomisch moderner Mensch.

Den Hominini vorangestellt wird gelegentlich das 1958 von Gerhard Heberer benannte Tier-Mensch-Übergangsfeld.

Archaischer Homo sapiens
Als archaischer Homo sapiens (auch: früher anatomisch moderner Mensch) werden Fossilien der Gattung Homo bezeichnet, die ihrer Datierung und ihrem Erscheinungsbild nach als frühe, ursprüngliche („altertümliche“) Exemplare der Art Homo sapiens gedeutet werden. Die bisher ältesten Funde stammen vom Djebel Irhoud (Marokko) und wurden auf ein Alter von rund 300.000 Jahren datiert. Anhand von Langknochen konnte die Körpergröße der frühen anatomisch modernen Menschen rekonstruiert werden; sie hat demnach ungefähr 177 cm betragen.

Ausbreitung des Menschen
Ausbreitung des Menschen (des Homo sapiens) über die Erde begann den heute vorliegenden wissenschaftlichen Befunden zufolge in Afrika.
Archäologische Funde und die Verbreitung von Haplogruppen zeigen: Zuerst wanderten die Menschen in den Nahen Osten, dann nach Südasien und vermutlich vor etwa 50.000 bis 60.000 Jahren nach Australien. Dabei folgten sie, wie schon in Afrika, dem Verlauf der Küsten. Erst später wurden Zentral- und Ostasien, beide Teile Amerikas und Europa besiedelt. Bis vor wenigen tausend Jahren teilten die modernen Menschen dabei ihren Lebensraum mit weiteren Arten aus der Gattung Homo, in Europa etwa mit den Neandertalern.
Diese Rekonstruktion der Ausbreitung des modernen Menschen weist erhebliche Parallelen zur Out-of-Africa-Theorie auf, die sich üblicherweise auf Homo erectus bezieht, aus dem sich in Europa der Neandertaler entwickelte. Die früher verbreitete Ansicht, wonach Homo sapiens sich auf mehreren Kontinenten getrennt voneinander aus Homo erectus entwickelte („multiregionaler Ursprung des modernen Menschen“), kann heute als widerlegt gelten.

Mitochondriale DNA
Kurz mtDNA, die doppelsträngige, zumeist zirkuläre DNA im Inneren (Matrix) der Mitochondrien bezeichnet. Diese Bezeichnung setzt sich unter dem Einfluss zitierter Fachliteratur zunehmend gegen das deutsche Fremdwort „mitochondrielle DNS“ durch. Das mitochondriale Genom wird als Mitogenom oder (seltener) als Chondriom bezeichnet. Die mtDNA wurde 1963 von Margit Nass und Sylvan Nass mit elektronenmikroskopischen Methoden und 1964 von Ellen Haslbrunner, Hans Tuppy und Gottfried Schatz aufgrund biochemischer Messungen entdeckt.

Mitochondriale Eva
Die mitochondriale Eva ist ein Begriff aus der Archäogenetik und bezeichnet eine Frau, aus deren mitochondrialer DNA (mtDNA) die mitochondriale DNA aller heute lebenden Menschen durch eine direkte Abstammungslinie hervorgegangen ist. Ihr männliches Gegenstück ist der Adam des Y-Chromosoms.

Adam des Y-Chromosoms
Adam des Y-Chromosoms ist eine Bezeichnung aus der Archäogenetik für jenen urzeitlichen Mann, der mit allen zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt lebenden Männern über eine ununterbrochene Abstammungslinie ausschließlich männlicher Nachkommen verwandt ist. Ein „Adam des Y-Chromosoms“ ist also der gemeinsame Stammvater aller zu einem bestimmten Zeitpunkt lebenden Männer, den man rekonstruiert, wenn man Abstammung ausschließlich über Väter und männliche Ahnen definiert (paternal), Mütter und weibliche Ahnen völlig außer Acht lässt, und von mehreren unter dieser Voraussetzung ermittelten gemeinsamen Stammvätern den genealogisch jüngsten auswählt.
Der Begriff und seine Bedeutung ergeben sich daraus, dass das Y-Chromosom im Gegensatz zu anderen Chromosomen ausschließlich von Vater zu Sohn vererbt wird.

 

Quellen alle Februar 2020
Jürgen Richter: Altsteinzeit – Der Weg der frühen Menschen von Afrika bis in die Mitte Europas – Verlag W.Kohlhammer ISBN: 9783170336766
Florian Stark bei welt.de/geschichte/article153842714/Nur-durch-Fleischkonsum-war-die-Menschwerdung-moeglich.html
Madelaine Böhme, Nikolai Spassov, Jochen Fuss, Adrian Tröscher, Andrew S. Deane, Jérôme Prieto, Uwe Kirscher, Thomas Lechner & David R. Begun https://www.nature.com/articles/s41586-019-1731-0
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https://de.wikipedia.org/wiki/Stammesgeschichte_des_Menschen
https://de.wikipedia.org/wiki/Mioz%C3%A4n#Klima,_Ozeane_und_Vegetation
https://de.wikipedia.org/wiki/Savannen-Hypothese
A new Miocene ape and locomotion in the ancestor of great apes and humans
Madelaine Böhme, Nikolai Spassov, Jochen Fuss, Adrian Tröscher, Andrew S. Deane, Jérôme Prieto, Uwe Kirscher, Thomas Lechner & David R. Begun
Identifying and Interpreting Apparent Neanderthal Ancestry in African Individuals
Lu Chen 4, Aaron B. Wolf 4, Wenqing Fu, Liming Li, Joshua M. Akey 5
Show footnotesPublished:January 30, 2020DOI:https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.01.012
https://www.cell.com/cell/fulltext/S0092-8674(20)30059-3
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https://www.focus.de/wissen/mensch/palaeontologie_aid_267024.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Australopithecus#%E2%80%9EGrazile%E2%80%9C_und_%E2%80%9Erobuste%E2%80%9C_Arten
https://de.wikipedia.org/wiki/Out-of-Africa-Theorie
https://de.wikipedia.org/wiki/Neandertaler#Heutige_Sichtweisen
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_homininer_Fossilien
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/kenyapithecus/35810
https://de.wikipedia.org/wiki/Kenyapithecus_wickeri
https://de.wikipedia.org/wiki/Sahelanthropus
https://de.wikipedia.org/wiki/Orrorin
https://de.wikipedia.org/wiki/Ardipithecus_kadabba
https://de.wikipedia.org/wiki/Ardipithecus_ramidus
https://de.wikipedia.org/wiki/Australopithecus
https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_rudolfensis
https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_habilis
https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_ergaster
https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_heidelbergensis
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/mensch-traegt-nur-gene-weiblicher-neandertaler-in-sich-a-1085003.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_floresiensis
https://de.wikipedia.org/wiki/Migration
https://de.wikipedia.org/wiki/Mitochondriale_DNA
https://de.wikipedia.org/wiki/Mitochondriale_Eva
https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_des_Y-Chromosoms
https://de.wikipedia.org/wiki/Archaischer_Homo_sapiens
https://de.wikipedia.org/wiki/Hominisation
https://de.wikipedia.org/wiki/Denisova-Mensch

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