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Jacques Bénazet

Ehrenbürger der Stadt Baden-Baden

Jacques Bénazet wurde am 3. 12. 1778 im französischem Foix en Ariège als Sohn eines Hufschmieds geboren und in Bordeaux ein juristisches Studium abgeschlossen. Seine Arbeit als Rechtsanwalt wurde ihm aber wohl schnell zu Langweilig, so er kaufte sich mit einem Betrag von sechs Millionen Francs in der Spielbank im Palais Royal in Paris ein.

Nachdem der französische König Louis Philippe im Jahr 1837 beschlossen hatte das Glückspiel in Frankreich zu verbieten (die Schließung erfolgte zum 31.12. 1839), war der Mitpächter der Pariser Spielbank Jacques Bénazet, der in Frankreich mittlerweile 10 Spielsalons betrieb, gezwungen sich nach einem neuen Tätigkeitsfeld umzusehen.

Jacques Bénazet war mit damals 59 Jahren zwar schon ein vermögender Mann, wollte sich aber noch lange nicht zur Ruhe setzen. Im Almanach von Baden-Baden aus dem Jahr 1925 wird er als "ein Mann von schwerfälligem Aeußeren, aber geistreich, unternehmungslustig, großzügig, nie mißmutig, ein Mann von Welt, wie es damals vielleicht keinen zweiten gab, wenn er sich auch das Haar mit China-Haar-wasser färbte." beschrieben.

Seine Recherchen nach einem neuen Betätigungsfeld führten den Franzosen nach Baden-Baden, wo sein Landsmann Antoine Chabert (1774 - 1850) im damaligen Konversationshaus (heute Kurhaus) einen nur noch bis zum Oktober 1837 laufenden Pachtvertrag besaß. Seine Pacht betrug damals 29.000 Gulden im Jahr, zahlbar jeweils vor Beginn der Saison. Antoine Chabert war, was weniger bekannt ist auch Inhaber der Spielbanken Wiesbaden, Ems, Langen-schwalbach und Schlangenbad.

Bénazet der als Experte für das Roulettespiel und sein Organisationstalent bekannt war konnte mit einer beein-druckenden Bewerbung, er bot 100.000 Gulden zum Einstand und je 45.000 Gulden für jedes der 15 Jahre Pacht das Großherzogliche Ministerium überzeugen, insbesondere Großherzog Leopold war vom Franzosen Jacques Bénazet, der dem Großherzogtum so erhebliche Einnahmen versprach überaus angetan. Er profitierte dabei auch vom frühen Tod von Joseph Antoine Chabert, dem ältesten Sohn von Antoine Chabert, der bei einem Reitunfall in Paris am 25.01.1838 ums Leben kam. Sein Sohn sollte nach Chaberts Wunsch die weitere Leitung der Badener Spielbank übernehmen.  

Jacques Bénazet erhielt wie schon zuvor Antoine Chabert, der sich nach diesem Schicksalsschlag von seinen Geschäften komplett zurück zog, einen Pachtvertrag über 15 Jahre.

Bénazet stellte sich dabei als echter Glücksfall für die Kurstadt, in der zum damaligen Zeitpunkt ca. 5600 Menschen lebten heraus. Sein Bestreben die Attraktivität der Kurstadt zu erhöhen beschränkt sich nicht nur auf das Casino an dem er schon im Winter 1838  Verschönerungen und Erweiterungen vornahm. Bénazet der allenfalls ein gebrochenes Deutsch sprach, verpasste der Stadt insgesamt ein französisches Flair.

Der gewitzte Geschäftsmann lud auf eigene Kosten Journalisten und bekannte Künstler aus Paris für Theateraufführungen nach Baden-Baden und stattete sie sogar mit dem für die Spielbank notwendigen Kleingeld aus. Es dauerte nur wenige Jahre und Baden-Baden wurde zu "Faubourg de Paris", einer französischen Stadt, das Badeblatt (heute Badisches Tageblatt), Hotels samt Speisekarten (in fast allen Hotels, die was auf sich hielten) erschienen in französischer Sprache, Kleidung, Haarschnitt ja sogar die Sprache wurde Französisch.

Dem für den "Siècle" schreibenden Eugène Guinot lässt er 1845 für 60.000 Franc "Ein Sommer in Baden-Baden" schreiben. Die Schrift, die in deutsch, französisch und englisch veröffentlicht wird, kann so als frühes Werbeprospekt bezeichnet werden, zumal die Gästezahlen in den kommenden Jahren anstiegen. So wurden im Jahr 1809 insgesamt 1876 Gäste gezählt, im Jahr 1843 waren es schon 23.828 Gäste in der Kurstadt.

Bénazet wird auch der Ausbau der Lichtentaler Allee, den er wohl größtenteils aus eigener Tasche bezahlt hat, der Finanzierung des Kurorchesters wie vieler weiterer Einrichtungen verdankt. So überwies er Teile der Einnahmen bei Veranstaltungen im Conversationshaus oder die Einnahmen aus Feuerwerk und Festkonzerten zum Jährlichen Geburtstag des Großherzogs an die Stadtkasse damit diese Rücklagen für den Bau eines Krankenhauses anlegen konnte.

Mit den Mitteln der Spielbankabgabe konnte die Kurstadt Baden Baden den Straßenbau vorantreiben, an der durch die Gelder regulierten Oos ein Fluss-Schwimmbad (heute Bertholdbad) errichten, 1843 die Trinkhalle erbauen und 1845 die Anbindung der Eisenbahn in den Stadtbahnhof ermöglichen.

1846 beteiligte sich Jacques Bénazet am Bau eines Gaswerkes, die Einführung von Gasbeleuchtung hatte er schon ein Jahr zuvor in Angriff genommen. Am 13.03.1848 starb der erste Mäzen der Bénazet Familie im Alter von 69 Jahren hochgeehrt, der große Mäzen der Stadt hatte fast alle seine Pläne verwirklichen können, einer seiner größten Wünsche, in Baden-Baden eine modern ausgestattete große Badeanstalt ins Leben zu rufen, scheiterte, obwohl Bénazet für alle Kosten aufkommen wollte, am badischen Ministers von Blittersdorf. Ihm war beim privaten Hausbau die Einwilligung der Stadt vorenthalten worden. So rächte sich der Hohe Regierungsbeamte aus privaten Motiven an der Kurstadt. Erst im Jahr 1851 wurde auf dem Marktplatz am Quellenursprung ein kleines städtisches Dampfbad errichtet.

Für seine Verdienste an der Stadt Baden-Baden erhielt Jacques Bénazet am 09.10.1840 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Baden-Baden. Mit seinem Sohn Edouard Oscar folgte ein weiterer Pächter der Spielbank Baden-Baden.

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