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Das Oberkommando am Oberrhein

Die großen triumphalen Schlachterfolge kann Markgraf Ludwig Wilhelm in der Heimatfront nicht vorweisen, was aber vorwiegend daran liegt, dass aufgrund der Übermacht der Franzosen, es sich in der Heimat vorwiegend um einen Verteidigungskrieg handelt, der ganz andere taktische Erfordernisse bedurfte. In der Geschichte war das lange Zeit als das Zaudern eines alternden Feldherren eingestuft worden, erst in der neueren Geschichtsschreibung werden die Verdienste Ludwig Wilhelms hier entsprechend gewürdigt.

Auch in der Heimat musste der Markgraf sich mit ständiger Geld und Truppennot herumärgern, die vielen Fürsten des des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gaben nur ungern Geld und Truppen zur Verteidigung des Reiches. Da die Bedrohung durch die Franzosen aber ein nie gekanntes Ausmaß annimmt, werden zwar Truppen und militärische Ausstattung überlassen, aber eben möglichst nur um die Bedrohung abzuwenden und nicht um in einen Angriffskrieg zu gehen, bei dem Frankreich nie hätte besiegt werden können.

So kann Markgraf Ludwig Wilhelm in den nächsten Jahren zwar keine großen Erfolge in der Form ruhmreicher gewonnener Schlachten vorweisen, sein wahrer Erfolg wird es die Franzosen trotz unterlegener Truppen abgewehrt oder durch das Austeilen ständiger kleiner Schläge davon abgehalten hat die eigenen Stellungen anzugreifen. So zogen die Franzosen 1693 sich wieder über den Rhein zurück, lange währt der Friede ab nicht, der Spanische Erbfolgekrieg, der um das Erbe des kinderlosen letzten spanischen Habsburgers, König Karl II. von Spanien, geführt wird, beginnt. Dieses Mal kämpft eine Allianz aus kaiserlichen Truppen und England gegen Frankreich und Bayern.

Erzherzog Karl, der zweite Sohn von Kaiser Leopold I. wird von diesem als Erbe des spanischen Zweigs der Habsburger auserkoren, auf Seiten der Franzosen ist das Philipp von Anjou, der Enkel von Ludwig XIV. und auf Bayrischer Seite der Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern, Sohn des Kurfürsten Maximilian II.

Um die Vereinigung der Franzosen mit den Bayern zu verhindern wurde unter Markgraf Ludwig Wilhelm eine Armee aufgestellt, der Markgraf eroberte am 9. September 1702 das damals Französische Landau in der Pfalz. Im Oktober 1702 konnte in einer Schlacht eine Vereinigung mit den Bayern vorerst verhindert werden.

Im Jahr 1703 geht die französische Armee unter Marschall Villars auf Höhe der Stollhofener Linien wieder über den Rhein, ein erster Versuch im Februar war gescheitert, dieses mal gelingt eine Vereinigung der Truppen mit Bayern.

Erst 1704 erhalten die Truppen im badischen Unterstützung durch Prinz Eugen und dem Engländer, dem Herzog von Marlborough. Die Bedrohung durch die Bayern wird ausgeschaltet, auch die Franzosen werden besiegt und befinden sich auf dem Rückzug.

In der Schlacht gegen die Franzosen am 2. Juli 1704 in Schellenberg bei Donauwörth wird der Markgraf schwer verwundet, dies und seine zahlreichen inneren Erkrankungen veranlassen den Markgrafen seinen Abschied von der Armee zu nehmen. Der wird ihm aber nicht genehmigt, die Krankheiten sind, so glaubt vor allem der Herzog von Marlborough, nur vorgeschoben.

Als dann, am 5. Mai 1705 Kaiser Leopold I. stirbt, übernimmt sein Sohn Kaiser Joseph voll Tatendrang und Energie die Nachfolge. Der will die mittlerweile aus dem Reich gedrängten Franzosen endgültig besiegen und plant einen Angriff, den Markgraf Ludwig Wilhelm auf Grund der erschöpften eigenen Kräfte seiner Truppen kategorisch ablehnt. Der "zaudernde und unentschlossene" Generalleutnant fällt in Ungnade, ist aber gezwungen an der Seite des Duke of Marlborough und Prinz Eugen den Feldzug zu beginnen, seine Kriegsverletzung am Oberschenkel zwingt ihn aber zu einer mehrwöchigen Unterbrechung, was den Duke of Marlborough veranlasst sich beim Kaiser auf das Erbitterste zu beschweren. Der Kaiser schäumt und gibt dem Markgrafen die Schuld am fehlgeschlagenen Feldzug, der rechtfertigt sich in einem langen Schreiben.  

Am 31. Oktober 1706 reicht Markgraf Ludwig Wilhelm endgültig seinen Abschied von der Armee ein, er bezieht sein noch nicht ganz fertig gestelltes Schloss in Rastatt, im Alter von 52 Jahren, stirbt der unter dem Namen Türkenlouis bekannte Markgrafen am 04. Januar 1707.

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