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Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden

Der Badische Markgraf, der schon zu Lebzeiten bei Freund und Feind unter dem Namen Türkenlouis bekannt war, gehört sicher zu den berühmtesten Persönlichkeiten seiner Zeit. Geprägt war das Leben des Markgrafen von einem lebenslangen Streben nach Standeserhöhung, "Non Deteriora Sequendo" übersetzt "Nichts Geringeres verfolgen" war das Leitmotiv nach dem schon sein Vater Erbprinz Ferdinand Maximilian von Baden strebte. Und das sollte die Aufnahme in den erlauchten Kreis der Kurfürsten sein. Aber die Erfüllung dieses Lebenstraums sollte dem Badener Markgrafen, der zwar über große militärische Eigenschaften, als einer der größten Feldherren seiner Zeit galt, aber wenig diplomatisches Geschick verfügte versagt bleiben.

Bezeichnend für das Streben des Macht besessenen Markgrafen auch die Tatsache, dass der Markgraf trotz der Gefahr eines Angriffes der Franzosen im pfälzischen Erbfolgekrieg nicht an die Heimatfront wechselte, sondern als Oberbefehlshaber der Truppen im Kampf gegen das osmanische Reich zurück blieb, da es dort mehr Ruhm zu erreichen gab. In der Folge dieses Krieges wurde 1689 die Stadt Baden Baden und die umliegenden Städte der Markgrafenschaft fast bis auf die Grundmauern zerstört.

Lohn von Kaiser Leopold I. für seinen Kampf gegen die Türken ist die Ernennung des Markgrafen in den Rang des Generalleutnant, ein Militärischer Rang, den vor ihm nur vier weitere Befehlshabern im Kaiserlichen Heer erreicht haben. Auch bei der in der damaligen Zeit üblichen "Verheiratung" ist der Kaiser behilflich, mit der erst 15-jährigen Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg, der späteren Erbauerin von Schloss Favorite im Rastatter Ortsteil Förch findet der 35-Jährige verdiente Kriegsherr seine Ehegefährtin. Auch wenn es wie zu dieser Zeit üblich eine reine Standeshochzeit ist, findet sich das Paar schnell sympathisch und im weiteren Verlauf der Ehe auch in echter Liebe zueinander. Die Hochzeit findet am 27. März 1690 in der Raudnitzer Schlosskapelle statt.

Nach dem Ende der "türkischen Gefahr" erhält der Markgraf das Oberkommando der Armee am Oberrhein, wo er aber nicht mehr an die großen Erfolge seines Feldzuges gegen die Türken anknüpfen konnte, zumal es sich in der Heimat aufgrund der Übermacht der Franzosen vorwiegend um einen Verteidigungskrieg handelt, der ganz andere taktische Erfordernisse bedurfte.

Kaiser Leopold I., mit dem der Markgraf sich "leicht überworfen hat" nachdem dieser ausgerechnet seinen Erbfeind Herzog Ernst August von Hannover 1692 seine so sehr gewünschte Kurwürde zuteil werden lies, tat gut daran dies zu verweigern, konnte doch diese Standeserhöhung keinerlei substanziellen Vorteile, dafür aber großen Ärger mit der zweiten badischen Linie der evangelischen Markgrafen in Durlach einbringen. Die ablehnende Haltung Markgraf Ludwig Wilhelm gegenüber seinem Kaiser sollte noch Folgen haben, bei seiner Kandidatur zur polnischen Königskrone, die endlich die erhoffte Standeserhöhung bringen soll, verweigert Kaiser Leopold I. seine Unterstützung. Der Kaiser hat kein Vertrauen mehr in die Loyalität des Markgrafen, auch wenn er ihm die Krone aufgrund seiner großen Verdienste als Heerführer "gerne gönnen" würde.

In der Schlacht gegen die Franzosen am 2. Juli 1704 in Schellenberg bei Donauwörth wird der Markgraf schwer verwundet, dies und seine zahlreiche innere Erkrankung veranlassen den Markgrafen seinen Abschied von der Armee zu nehmen. Der wird ihm aber nicht genehmigt, die Krankheiten sind so glaubt der Hof nur vorgeschoben. Als dann, am 5. Mai 1705 Kaiser Leopold I. stirbt, übernimmt sein Sohn Kaiser Joseph voll Tatendrang und Energie die Nachfolge. Der will die mittlerweile aus dem Reich gedrängten Franzosen endgültig besiegen und plant einen Angriff, den Markgraf Ludwig Wilhelm kategorisch ablehnt. Der "zaudernde und unentschlossene" Generalleutnant fällt in Ungnade, ist aber gezwungen an der Seite des Duke of Marlborough und Prinz Eugen den Feldzug zu beginnen, seine Kriegsverletzung am Oberschenkel zwingt ihn aber zu einer mehrwöchigen Unterbrechung, was den Duke of Marlborough veranlasst sich beim Kaiser auf das Erbitterste zu beschweren. Der Kaiser schäumt und gibt dem Markgrafen die Schuld am fehlgeschlagenen Feldzug, der rechtfertigt sich in einem langen Schreiben.  

Am 31. Oktober reicht Markgraf Ludwig Wilhelm endgültig seinen Abschied von der Armee ein, er bezieht sein noch nicht ganz fertig gestelltes Schloss in Rastatt, im Alter von 52 Jahren, stirbt der unter dem Namen Türkenlouis bekannte Markgrafen am 04. Januar 1707.


Markgraf Ludwig Wilhelm regierte in der Art eines absolutistischen Herrschers

Von seinem 20. Lebensjahr bis wenige Monate vor seinem Tode war der Markgraf fast ununterbrochen im Auftrag seines Kaisers mit den Interessen des Reiches beschäftigt. Seine Markgrafenschaft mit gerade mal 100.000 Einwohnern wurde daher zumeist in Vertretung verwaltet, das übernahmen vornehmlich seine Tante die Markgräfin Maria Franziska und sein Onkel Markgraf Hermann. Stellvertreterfunktion hatte auch der vom Markgraf eingesetzte "Geheime Rat", Namentlich bekannt sind Johann Christop von Greiffen und Carl Ferdinand von Plittersdorf, der Rat besaß zwar viele Freiheiten, aber wie überliefert ist auch in kleinen Angelegenheiten gerne beim Markgrafen rückfragte.

Das aus gutem Grund, Markgraf Ludwig Wilhelm regierte in der Art eines absolutistischen Herrschers wie es vor allem vom Französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. bekannt ist. Wiederholt wurden neue Arten von Steuern erhoben um dem ständig in Geldnot befindlichen Markgrafen seinen ihm zustehenden Lebensstil zu ermöglichen.

Das Volk lebte in Leibeigenschaft und war ständig bedroht vom französischen Nachbarn, der nahm die kleine Markgrafenschaft mehrmals ein, zerstörte die Städte und Dörfer oder erpresste jahrelang Geldzahlungen damit er genau das nicht tat. Markgraf Ludwig Wilhelm mit seinen Forderungen tat sein Übriges dazu. Bauern und Arbeiter wurden für den Bau der Rastatter Schlosses zum Frontdienst gezwungen. Der kleine Staat war völlig verarmt und zerstört, das hielt den Markgrafen, dessen Geschlecht von den ehemals reichen und einflussreichen Zähringer abstammte, den alten Zeiten nachzutrauern und mit deren Lebenstil im eigenen Land zu leben.

Und dieses Land konnte des Öfteren erweitert werden. Kaiser Leopold I., der dem Markgrafen die wirklich großen Wünsche wie eine Standeserhöhung und die Kurwürde verweigerte, war gerne bereit seinen kleinen unbedeuteten Fürsten mit Geschenken bei Laune zu halten. Unter diesen Geschenken befindet sich das Lehen Bühl, die Herrschaft Windeck, die Festung Kehl, die Landvogtei Ortenau, die Reichsvogtei Offenburg, Zell am Harmersbach und Gengenbach, die Grafschaft Eberstein mit Gernsbach, Scheuern und Staufenberg.


Die ausführliche Geschichte des Markgraf Ludwig Wilhelm

Ludwig Wilhelm wurde am 8. April 1655 im Hôtel de Soissons in Paris als Sohn des zukünftigen Markgrafen von Baden-Baden dem Erbprinzen Ferdinand Maximilian sowie der französischen Prinzessin Louise Christine von Savoyen-Carignan (Tochter von Thomas Franz von Savoyen, Fürst von Carignan und Maria von Bourbon-Condé, Gräfin von Soissons) geboren.

Die Ehe seiner Eltern war wie in diesen Kreisen damals üblich eine reine Zweckehe zur Standeserhöhung und sollte die Verhältnisse der badischen Markgrafenschaft zu den Franzosen verbessern, Gefühle spielten dabei keine Rolle. Die Verheiratung fand, auch das unter den damaligen Adeligen üblich "per procurationem" in Abwesenheit des Bräutigams 1654 in Paris statt. Nach der Hochzeit lies sich die frisch verheiratete Markgräfin Louise Christine aber nicht dazu bewegen, vom glanzvollen französischen Hof, wo sie als Hofdame Anna von Österreich, der Mutter von Sonnenkönig Ludwig XIV diente, nach Baden überzuwechseln. Ferdinand Maximilian reiste daher selbst nach Paris um die Ehe zu vollziehen und seine Gemahlin nach Baden heim zu holen. Dabei muss es aber wohl zu einer beleidigenden Bemerkung des Markgrafen über Luise Christine gekommen sein, wohl eher aber zu einer leichtfertigen Bemerkung, die der jungen Markgräfin sehr gelegen kam und es ihr so ermöglichte, sich einem Umzug in die Markgräfliche Residenz nach Baden zu verweigern. Eine herrschsüchtige Mutter, die ihre Tochter nicht ziehen lassen wollte unterstützte sie dabei redlich.

Die Ehe aber wurde vollzogen und so kam 8. April 1655 ihr Sohn zur Welt. Als Name des Kindes wurde Ludwig Wilhelm nach seinem Großvater Markgraf Wilhelm und seinem Taufpaten Ludwig XIV., dem König von Frankreich gewählt. Aber auch die Geburt des gemeinsamen Kindes konnte die Prinzessin nicht dazu bewegen mit ihrer kleinen Familie in die Markgräfliche Residenz nach Baden zu übersiedeln, selbst der vom Erbprinz Ferdinand Maximilian zur Vermittlung gebetene König von Frankreich Ludwig XIV. konnte die Prinzessin nicht zu gehorsam überreden.

So musste Erbprinz Ferdinand Maximilian unverrichteter Dinge ohne seine junge Familie nach Baden zurück kehren. Noch im Geburtsjahr des kleinen Ludwig Wilhelm lies er das Kind durch seinen Kanzler Krebs und Moritz de Lassolaye in die badische Markgrafenschaft entführen. Die Familie des Markgrafen residierte zu dieser Zeit im Neuen Schloss zu Baden-Baden, wo Ludwig Wilhelm nun ohne seine Mutter aufwuchs. Die Mutterrolle für Ludwig Wilhelm nahm dabei wohl Maria Magdalena von Oettingen-Baldern, die zweite Ehefrau von Großvaters Wilhelm ein. Weitere Bezugspersonen waren natürlich Großvater Markgraf Wilhelm und seine Onkels, Kinder aus des Markgrafen Wilhelm erster Ehe Leopold Wilhelm und Hermann sowie der Tante Anna. Aus des Markgrafen zweiter Ehe und etwa gleich alt wie Ludwig Wilhelm boten sich als Spielgefährten Stiefonkel Karl Bernhard und Stieftante Maria Anna Wilhelmine an. 

Erbprinz Ferdinand Maximilian setzte in den folgenden Jahren mehrere Schreiben auf, in denen er verfügte wie die Erziehung seines Sohnes im Falle seines vorzeitigen Ablebens erfolgen sollte. Er legte besonderen Wert auf eine religiöse Erziehung, die "gehorsam und respect" gegenüber dem Papst sein sollte, aber auch Tolerant gegenüber anderen Religionen. Aber auch den weltlichen Mächtigen der Welt, dem Deutschen Kaiser gedachte der Vater, der Junge Mann sollte "liebe zu Deichslandt dem Römischen reich und dem erwöhlten ... kayser getreiw zu sein". Auch sollte der Junge Ludwig Wilhelm unbedingt standesgemäß heiraten, denn durch keine Handlung könne er größeren Nutzen und Profit erhalten als durch eine Heirat.

Aber auch so genoss der junge zukünftige Markgraf eine standesgemäße fürstliche Erziehung, die von seinen Lehrern Johann Reinhard Vloßdorf und Cosimo Marzi Medici übernommen wurde. Auch in militärischen Dingen wurde Ludwig Wilhelm früh unterwiesen, mit seinem Onkel Leopold Wilhelm, einem kaiserlichen Feldmarschall und Onkel Hermann, der im Kaiserliche Herr als Gouverneur diente, konnte er hier die geeigneten Lehrer finden.


Die Kindheit Ludwig Wilhelm hat ein Ende

Der tödliche Reitunfall seines Vaters am 4. November 1669 war es, der die Kindheit des zukünftigen Türkenlouis beendete. Der 14.Jährige Ludwig Wilhelm wurde dabei selbst zum Augenzeugen diesen folgenschweren Ereignisses. Aber damit nicht genug, zwei Jahre später, am 1. März 1671 stirbt mit Onkel Leopold seine wichtigste Bezugsperson.

Die Erziehung des jungen Prinzen übernahm nun sein Großvater Markgraf Wilhelm. Der diese, wohl auch aus Sorge um die Erbfolge beschleunigte und seinen Enkel schon mit 15 Jahren auf die damals übliche "Kavaliersreise" schickte. Begleiter des jungen Prinzen waren seine Lehrer Johann Reinhard Vloßdorf und Cosimo Marzi Medici, die erste Station der Reise wird Besancon, im Kloster "de la Visitation de Notre Dame" wird die Nonne und Tante Katharina Franziska besucht. Jetzt erhält Ludwig Wilhelm ein Jahr lang Unterweisungen in Sprachen, Juristerei und Mathematik, aber auch seine militärische Ausbildung wird hier weitergeführt. Weiter ging die Reise über Genf, Mailand und Florenz nach Rom, wo der junge Prinz sogar vom Papst empfangen wurde. Im Jahr 1672 wurde, auch wenn noch nicht alle vorgesehenen Länder bereist wurden, die Heimreise angetreten. Der Holländische Krieg, von Ludwig XIV. initiiert um Holland zu bestrafen, das sich 1668 mit England und Schweden zur Tripelallianz gegen ihn verbündet hatte, machte eine Weiterreise zu gefährlich.

Aber schon darauf folgenden Jahr wurde die Kavaliersreise mit dem Besuch der deutschen Städte Düsseldorf, Mainz, Koblenz und Köln fortgesetzt. Die weiteren Reisen wurden jetzt mehr zur zukünftigen politischen und militärischen Weichenstellung der Markgrafenschaft Baden genutzt, im Auftrag seines Großvaters besuchte der zukünftige Markgraf Kaiser Leopold I. in Wien, wo er diesem seine Loyalität und Ergebenheit versicherte. Eine Reise nach Nancy führte ihn zum französischen König Ludwig XIV., dem er die Neutralität der Markgrafenschaft versicherte, sofern dieser selbige nicht angreife.


Die militärische Karriere beginnt

Mit der Kriegserklärung Kaiser Leopold I. an Frankreich im Mai 1674 beginnt die militärische Karriere des Ludwig Wilhelm. Als Volontär tritt er in das kaiserliche Herr ein und kann an der Seite seines Onkels Hermann der ein Artilleriekommando hatte, erste Erfahrungen sammeln. Der erst 20 Jährige Ludwig Wilhelm zeichnet sich schnell durch große Tapferkeit aus, bei der Belagerung der Festung Philippsburg im Jahr 1676, in der die Stadt nach 32-jähriger Besetzung durch die Franzosen zurück erobert werden konnte, wurde dem jungen Markgrafen die Ehre erteilt, Kaiser Leopold I. in Wien die frohe Botschaft über den Sieg zu überbringen.

Als Dank ernannte ihn der Kaiser zum Obristen und unterstellte ihm ein seinem Onkel Hermann unterstelltes kaiserliches Infanterieregiment. im Jahr 1677 stirbt sein Großvater, da zu dieser Zeit die Volljährigkeit erst mit 25 Jahren eintritt, brauchte Ludwig Wilhelm die Zustimmung Kaiser Leopold I. um regierender Markgraf von Baden-Baden zu werden. Diese wurde dem erst 22 Jährigen Markgrafen auch erteilt. Doch zum Regieren kommt der junge Markgraf nicht, da er im Dienste des Kaisers im Krieg bleiben wird.

Aber schon im Juni 1678 wird Markgraf Ludwig Wilhelm bei Neuenburg verwundet, die zwingt ihn für einige Monate in seine Markgrafenschaft zurück zu kehren. Doch schon im Mai 1679 steigt der Markgraf die militärische Leiter ein weiteres Stück rauf, Kaiser Leopold I. versetzt ihn in den Rang eines Feldmarschallleutnant, dem vierthöchsten Offiziersrang der damaligen Zeit.


Der Türkenlouis

Die Kaiserliche Armee des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation kämpfte zur damaligen Zeit einen Zweifrontenkrieg, nicht nur die disziplinierte Arme des nach Expandierung strebenden Sonnenkönig Ludwig XIV., auch die massive Ausdehnung und Eroberungszüge des osmanischen Reiches stellte eine große Gefahr dar. Seit Anfang des 16. Jahrhunderts kommen die türkischen Reiter in direkten Kontakt mit den großen Staaten Europas. Das habsburgische Österreich im Verbund mit anderen Staaten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wird von der ständigen Gefahr durch Angriffskriege bedroht.

Neue Gefahr vor Großwesir Köprülü Mehmed Pascha mit einem osmanischen Heer drohte, als sich entgegen einem Verbot der Fürst von Siebenbürgen Georg II. Rákóczi 1657 Polen angreift. Als Folge dieses Ungehorsams zog 1658 Großwesir Köprülü Mehmed Pascha mit einem osmanischen Heer nach Siebenbürgen und verwüstete das Fürstentum, Georg II. Rákóczi stirbt in Folge dieser Strafexpedition im Jahr 1660. Der Streit um dessen Nachfolge zwingt sowohl Kaiser Leopold I. als auch den Großwesir zu einem direkten Krieg.

In diesem Türkenkrieg von 1663/1664, auch 4. Österreichischer Türkenkrieg genannt, konnte Oberbefehlshaber Graf Raimondo Montecuccoli unter der Teilnahme (Onkel) Leopold Wilhelm von Baden das zahlenmäßig überlegene osmanische Hauptheer, welches sich auf dem Weg nach Wien befand, in der Schlacht bei Mogersdorf aufhalten. Das führte zum 20-jährigen Waffenstillstand von Eisenburg/Vasvár.

Im Januar 1683 ist der Friede zu Ende und der Sultan holt zum Gegenschlag aus, im Sultanspalast in Konstantinopel erklärt Sultan Mehmed IV. dem Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation den Krieg, Kaiser Leopold I. fordert er auf "Uns in deiner Residenzstadt zu erwarten, damit Wir dich köpfen können" Darauf wollte Kaiser Leopold I. allerdings nicht warten, trifft mit seinem Stadtkommandanten Ernst Rüdiger Graf Starhemberg Vorkehrungen einen Angriff der Türken abzuwehren und schließt mit Bayern und mit Hilfe des Papst Innozenz XI., mit Polen eine Bündnis ab. Was die Festungsmauern betraf, war schon nach der ersten Wiener Türkenbelagerung seit dem Jahre 1548 die Stadtmauern immer wieder dem aktuellen militärtechnischen Stand angepasst worden. Als weitere Sicherheit wurden die nur 200 Meter von der Stadtmauer entfernten Vorstädte von den Kaiserlichen Truppen in Brand gesetzt, um den Osmanen nicht als Schutz und Stützpunkt dienen zu können. Markgraf Ludwig Wilhelm erhält die Aufgabe, die Bevölkerung mit ihren Habseligkeiten in die Stadt zu evakuieren. Kaiser Leopold I. bleibt aber nicht in der Stadt, siedelt mit seinem Hofstaat, und der hochschwangeren Kaiserin mit ihren Kindern aus Sicherheitsgründen von Wien nach Passau. Mit ihm verließen auch etwa 80.000 Einwohner die Stadt.

Am 3. Mai 1683 erreichte Sultan Mehmed IV. mit seinem Großwesir Kara Mustafa Pascha und der türkischen Armee Belgrad. Herzog Karl V. von Lothringen der Oberbefehlshaber der Kaiserlichen Armee versuchte durch die Belagerung bei Neuhäusel die türkischen Truppen abzulenken und Zeit für die Verteidigung Wiens zu gewinnen, gab aber die Belagerung am 9. Juni auf und zog mit seinen Truppen nach Raab zurück. Am 7. Juli kommt es zu einem erbitterten Kampf zwischen seiner Nachhut und den sie verfolgenden Türken, eine aufkommende Panik unter den Reichstruppen konnte nur durch das persönliche Eingreifen von Oberbefehlshaber Karl V. von Lothringen und Markgraf Ludwig Wilhelm verhindert werden.

Am 14. Juli 1683 erreichten die Türken Wien und schlossen es innerhalb von zwei Tagen von Süden, Westen und Norden ein. Großwesir Kara Mustafa Pascha setzt ein Schreiben zur Kapitulation und Übergabe der Stadt auf und ließ es nach Wien bringen, Graf Starhemberg aber lehnt die Kapitulation ab. Er hoffte mit etwa 11.000 Soldaten und 5.000 Bürgern und Freiwilligen bis zum Entsatz durchzuhalten. Fast zwei Monate müssen die Verteidiger den bis zu 200.000 Belagerern standhalten, bis am 11. September das eilends zusammen getrommelte 75.000 Mann starke Ersatzheer mit Soldaten aus Venedig, Bayern, Sachsen, Franken, Schwaben, Baden, Oberhessen und Polen unter Polenkönig Johann Sobieski eintrifft. Markgraf Ludwig Wilhelm nimmt als Kommandant eines Dragonerregiments an der Befreiung Wiens teil.

Die gelingt nur, weil Großwesir Kara Mustafa Pascha es versäumt hat zur Sicherung seiner Truppen die Höhen des Wienerwalds mit Verhauen ungangbar zu machen. Ein Angriff in den Rücken der Türken gelingt, da die hauptsächlich Truppen der Kavallerie zur Verfügung haben, die türkische Infanterie hatte sich in mit den Verteidigern der Stadt in deren Laufgräben in erbitterte Kämpfe verbissen und war so gebunden.


Die Schlacht am Kahlenberg

Auch die Wiener begannen, nachdem sie erkennen, dass die Schlacht am Kahlenberg zugunsten der Christen ausgeht, mit einem Ausfall und stürmten die Laufgräben der Türken. Auch Markgraf Ludwig Wilhelm gelingt es mit seinem Dragonerregiment in die Laufgräben einzudringen. Die osmanischen Kriegsherren können sich in dem beginnenden Zweifrontenkrieg taktisch nicht einigen. Das ungeordnete Türkenheer flüchtete überstürzt und sammelte sich bei Győr/Raab. Die Kaiserlichen Truppen glauben zuerst an eine Finte und bleiben in Bereitschaft. Erst am 13. September ziehen die Befreier unter dem Jubel der Wiener in die Stadt, nur 600 Tote sind auf Seiten des Kaiserlichen Heeres zu bedauern.

Nur einen Tag später lässt Großwesir Kara Mustafa den Beylerbeyi von Ofen Ibrahim Pascha, den er für den Schuldigen dieser verlorenen Schlacht hielt, hinrichten, mit dieser Schlacht hatte die türkische Expansion ein Ende gefunden. Die Rückeroberung der restlichen besetzten Gebiete sollte die Kaiserliche Armee noch Jahre beanspruchen.


Die bekanntesten Schlachten fanden in 1684 in Ofen, 1685 in Neuhäusel, Tokaj, Karschau, Arad, 1686 in Großwardhein, in Hermannstadt und Ofen, Fünfkirchen, Kaposvàr und Zenta statt. 1687 findet die Schlacht bei Mohács statt, 1688 belagert die kaiserliche Armee die Festung Belgrad, hier gelingt dem Markgrafen mit einem Überraschungsangriff auf das Lager des Pascha ein Schlacht entscheidender Erfolg. Nur einen Tag später, am 6. September 1688, wird Belgrad unter enormen Verlusten auf beiden Seiten von den Kaiserlichen Truppen eingenommen.

Eine zweite Front entsteht

Der Pfälzische Erbfolgekrieg, bei dem der französische König Ludwig XIV. bereits 20 Tage nach der Einnahme Belgrads durch die deutschen Reichstruppen seine französischen Truppen in die Pfalz einmarschieren lässt, bringt dem Reich eine neue Front. Die Bedrohung durch die Franzosen wird so groß, das man sich im Juni 1689 am Kaiserhof entschließt die Waffenstillstandsverhandlungen mit dem osmanischen Großwesirs einzustellen und den größten Teil des kaiserlichen Heeres nach Westen verlagert.

Markgraf Ludwig Wilhelm entscheidet sich entgegen der Gefahr, die seiner eigenen Markgrafenschaft droht, nicht an die neue Front in seiner Heimat zu wechseln. Hier, fern der Heimat , kann er als neuer Oberbefehlshaber der Kaiserlichen Truppen, zu dem er am 6. April 1689 ernannt wird, seinen Ruhm vergrößern, zuhause wäre er nur wieder anderen höher gestellten Fürsten unterstellt. So kann er bei der Zerstörung zahlreicher Städte und Gemeinden seiner Markgrafenschaft, die Stadt Baden-Baden, Lichtenau, Kuppenheim und Steinbach sowie das noch dörfliche Rastatt wird bis auf die Grundmauern zerstört, nicht helfen.

Durch den Truppenabzug wendete sich das Kriegsglück im Osten wieder zugunsten der Osmanen, auch wenn die Kaiserlichen Truppen anfangs noch große Erfolge erzielen können, die bekannteste dürfte die Schlacht von Slankamen am 19. August 1691, wo in einem verlustreichen Gefecht bis zu 25.000 Türken, darunter der Großwesir und der türkische Kriegsminister persönlich fallen. Aber es fehlt dem Markgrafen jetzt ständig an Geld, Nahrungsmitteln und Soldaten, er ist mit vielen weiteren hohen Militärs der Meinung diesen Zweifrontenkrieg nicht gewinnen zu können. Dieser Wunsch, der von Kaiser Leopold I. nicht gehört werden will, sorgt für Verstimmung bei Hofe, das Verhältnis von Kaiser zu Markgraf erhält einen weiteren Negativpunkt nachdem ausgerechnet seinen Erbfeind Herzog Ernst August von Hannover 1692 seine so sehr gewünschte Kurwürde vom Kaiser erhält. Der kann zwar keinen militärischen Ruhm vorweisen, aber dafür mit Geld und kostenlosen Truppen gegen Ludwig XIV. locken.

Der 26. Oktober 1692 ist der letzte Tag in dem Markgraf Ludwig Wilhelm als Oberbefehlshaber der Truppen den Kampf gegen die Osmanen führt, auf Wunsch des Schwäbischen Kreises wird er Anfang 1693 zum Oberkommandierenden am Oberrhein. Seine Nachfolger sollten nicht annähernd die militärischen Erfolge vorweisen, was den Ruhm des Türkenlouis nur noch mehr festigen sollte.


Das Oberkommando am Oberrhein

Die großen triumphalen Schlachterfolge kann Markgraf Ludwig Wilhelm in der Heimatfront nicht vorweisen, was aber vorwiegend daran liegt, dass aufgrund der Übermacht der Franzosen, es sich in der Heimat vorwiegend um einen Verteidigungskrieg handelt, der ganz andere taktische Erfordernisse bedurfte. In der Geschichte war das lange Zeit als das Zaudern eines alternden Feldherren eingestuft worden, erst in der neueren Geschichtsschreibung werden die Verdienste Ludwig Wilhelms hier entsprechend gewürdigt.

Auch in der Heimat musste der Markgraf sich mit ständiger Geld und Truppennot herumärgern, die vielen Fürsten des des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gaben nur ungern Geld und Truppen zur Verteidigung des Reiches. Da die Bedrohung durch die Franzosen aber ein nie gekanntes Ausmaß annimmt, werden zwar Truppen und militärische Ausstattung überlassen, aber eben möglichst nur um die Bedrohung abzuwenden und nicht um in einen Angriffskrieg zu gehen, bei dem Frankreich nie hätte besiegt werden können.

So kann Markgraf Ludwig Wilhelm in den nächsten Jahren zwar keine großen Erfolge in der Form ruhmreicher gewonnener Schlachten vorweisen, sein wahrer Erfolg wird es die Franzosen trotz unterlegener Truppen abgewehrt oder durch das Austeilen ständiger kleiner Schläge davon abgehalten hat die eigenen Stellungen anzugreifen. So zogen die Franzosen 1693 sich wieder über den Rhein zurück, lange währt der Friede ab nicht, der Spanische Erbfolgekrieg, der um das Erbe des kinderlosen letzten spanischen Habsburgers, König Karl II. von Spanien, geführt wird, beginnt. Dieses Mal kämpft eine Allianz aus kaiserlichen Truppen und England gegen Frankreich und Bayern.

Erzherzog Karl, der zweite Sohn von Kaiser Leopold I. wird von diesem als Erbe des spanischen Zweigs der Habsburger auserkoren, auf Seiten der Franzosen ist das Philipp von Anjou, der Enkel von Ludwig XIV. und auf Bayrischer Seite der Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern, Sohn des Kurfürsten Maximilian II.

Um die Vereinigung der Franzosen mit den Bayern zu verhindern wurde unter Markgraf Ludwig Wilhelm eine Armee aufgestellt, der Markgraf eroberte am 9. September 1702 das damals Französische Landau in der Pfalz. Im Oktober 1702 konnte in einer Schlacht eine Vereinigung mit den Bayern vorerst verhindert werden.

Im Jahr 1703 geht die französische Armee unter Marschall Villars auf Höhe der Stollhofener Linien wieder über den Rhein, ein erster Versuch im Februar war gescheitert, dieses mal gelingt eine Vereinigung der Truppen mit Bayern.

Erst 1704 erhalten die Truppen im badischen Unterstützung durch Prinz Eugen und dem Engländer, dem Herzog von Marlborough. Die Bedrohung durch die Bayern wird ausgeschaltet, auch die Franzosen werden besiegt und befinden sich auf dem Rückzug.

In der Schlacht gegen die Franzosen am 2. Juli 1704 in Schellenberg bei Donauwörth wird der Markgraf schwer verwundet, dies und seine zahlreichen inneren Erkrankungen veranlassen den Markgrafen seinen Abschied von der Armee zu nehmen. Der wird ihm aber nicht genehmigt, die Krankheiten sind, so glaubt vor allem der Herzog von Marlborough, nur vorgeschoben.

Als dann, am 5. Mai 1705 Kaiser Leopold I. stirbt, übernimmt sein Sohn Kaiser Joseph voll Tatendrang und Energie die Nachfolge. Der will die mittlerweile aus dem Reich gedrängten Franzosen endgültig besiegen und plant einen Angriff, den Markgraf Ludwig Wilhelm auf Grund der erschöpften eigenen Kräfte seiner Truppen kategorisch ablehnt. Der "zaudernde und unentschlossene" Generalleutnant fällt in Ungnade, ist aber gezwungen an der Seite des Duke of Marlborough und Prinz Eugen den Feldzug zu beginnen, seine Kriegsverletzung am Oberschenkel zwingt ihn aber zu einer mehrwöchigen Unterbrechung, was den Duke of Marlborough veranlasst sich beim Kaiser auf das Erbitterste zu beschweren. Der Kaiser schäumt und gibt dem Markgrafen die Schuld am fehlgeschlagenen Feldzug, der rechtfertigt sich in einem langen Schreiben.  

Am 31. Oktober 1706 reicht Markgraf Ludwig Wilhelm endgültig seinen Abschied von der Armee ein, er bezieht sein noch nicht ganz fertig gestelltes Schloss in Rastatt, im Alter von 52 Jahren, stirbt der unter dem Namen Türkenlouis bekannte Markgrafen am 04. Januar 1707.

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