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Schliffkopf HotelTeilhaben am Nationalpark Schwarzwald

Jeder Besucher des im Jahr 2014 gegründeten Nationalpark im Nordschwarzwald soll Teilhaben können am Nationalpark Schwarzwald, das ist ein wichtiger Teil der Nationalpark-Idee.

Teilhaben am Nationalpark Schwarzwald ist auch der Titel einer Führung und Exkursion die von der Nationalpark-Verwaltung am Ruhestein angeboten wird. Wir wollten wissen, was darunter zu verstehen ist und haben am 03.06.2018 an dieser Führung im Nationalpark, die an der Bushaltestelle beim Schliffkopfhotel (B 500) ihren Treffpunkt hat teilgenommen.

Kursleiter der Führung an diesem Tag war Martin Rimmler, der im Nationalpark für die Regionalentwicklung zuständig ist.

 

Nach einer kurzen Vorstellung seiner Person wurden die Themenbereiche zu der Exkursion durch die Grindenlandschaft am Schliffkopf auf dem Schliffkopf-Rundweg vorgestellt, dazu gehörten:

- Aufgaben und Ziele des Nationalpark Schwarzwald.
- Die Bedeutung der Zonen und der Grenzen in die der Nationalpark aufgeteilt ist.
- Die Entstehung und Nutzung der Grinden, ihre Besonderheiten sowie die unter Schutz stehende Tier- und Pflanzenwelt.
- Wie kann man am Nationalpark teilhaben oder sogar mitmachen?
- Das neue Wegkonzept, welche Wege dürfen im Nationalpark begannen werden

Dass wir letztlich viel mehr über den Nationalpark erfahren konnten lag an den vielen Fragen der Teilnehmer, die von Martin Rimmler alle gerne beantwortet wurden, wobei er, eigentlich doch als "nur" Sachbearbeiter für den Tourismusbereich durchaus Rancherqualitäten zeigen konnte. Die Führung selbst ging vom Schliffkopfhotel zur Aussichtsstelle am Schliffkopfplateau und über den Schliffkopfrundweg durch das Grindengebiet im Nationalpark Schwarzwald.

Die besprochenen Themen der Führung:

Aufgaben und Ziele des Nationalpark Schwarzwald

Vorrangiges Ziel des Nationalpark Schwarzwald beinhaltet dessen Motto "Natur Natur sein lassen" somit der Arten- und Biotopschutz.

Das vorrangige Ziel des NLP ist der Prozesssschutz, d. h. die natürlichen Prozesse sollen möglich ungestört durch den Menschen ablaufen. Einfacher: Der Mensch nimmt sich zurück, greift nicht mehr ein und schaut zu wie sich die Natur von alleine entwickelt, unabhängig davon ob ihm das Ergebnis gefällt oder nicht.

Im Nationalpark findet sehr viel naturwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Forschung statt, jedoch soll der Park auch den Menschen als Freizeit- und Erholungsort zur Verfügung stehen, damit diese sich bspw. von der Hektik des Alltags erholen können. Um den verschiedensten Anforderungen gerecht zu werden, werden alle Aufgaben, Themen und Ziele im Nationalparkplan festgehalten und teilweise gleichzeitig oder nacheinander von der Nationalparkverwaltung (unter Beteiligung der Region) bearbeitet.


Die Bedeutung der Zonen und der Grenzen in die der Nationalpark aufgeteilt ist

Welche Zonen sind im Nationalpark Schwarzwald zu finden?

Entwicklungszone
Die in der Entwicklungszone liegenden Wälder sollen später sanft in die Kernzone übergleiten. Manche Waldbereiche benötigen noch etwas Lenkung bevor hier ebenfalls „Natur Natur sein lassen“ gilt. Nach 30 Jahren (2044) ist angestrebt, dass es keine Entwicklungszone mehr gibt.

Managementzone
Es gibt Teile im Nationalpark Schwarzwald, die immer Managementzone bleiben werden. So auch die Grindenflächen, die dauerhaft erhalten und miteinander vernetzt werden sollen. Hierzu pflegt und lenkt das Nationalparkteam um z.B. Biotop- und Artenschutzziele zu sichern und auch eine Ausbreitung des Borkenkäfers auf umliegende Waldgebiete zu unterbinden.

Kernzone
Die Bereiche Plättig, Hoher Ochsenkopf/Nägeliskopf im Nordteil des Nationalpark Schwarzwald, dem Wilder See/Kleemüsse in der Mitte und der Buhlbachsee/Hehliskopf im südlichen Teil liegen in der Kernzone des Nationalparks. Das Motto „Natur Natur sein lassen“ kommt hier zum Tragen. Diese Gebiete sind am stärksten geschützt, wird ganz sich selbst überlassen und darf „eine Spur wilder“ sein .
Drei Viertel der Nationalparkfläche müssen 2044 (nach 30 Jahren seit Entstehung des Nationalparks) Kernzone sein. Besucher/innen dürfen in diesen Gebieten unter Berücksichtigung der Schutzvorschriften des Nationalparks nur auf den ausgewiesenen Wegen unterwegs sein.

Naturschutzgebiet SchliffkopfDie Entstehung und Nutzung der Grinden, ihre Besonderheiten sowie die unter Schutz stehende Tier- und Pflanzenwelt

Was ist überhaupt eine Grindenlandschaft?
Grinde bedeutet „kahler Kopf“. Die beinahe baumfreien Feuchtheiden wachsen auf den abgeflachten Höhenrücken aus Buntsandstein im Nordschwarzwald. Die Grinden entstanden überwiegend durch den Einfluss des Menschen. Im 14. Jahrhundert reichten die Weideflächen für die Viehhaltung in den Tälern des Schwarzwaldes nicht mehr aus. So wurden die Rinder und Ziegen auf die flachen Hochebenen getrieben. Zum Ende des Weidejahres wurde brandgerodet um den Baumwuchs zu unterbinden.

Auf Dauer führte diese Überweidung auf den Hochflächen schon im 16. Jahrhundert zu einem Nährstoffverlust und der Boden verdichtete sich zunehmend. Im Jahr fielen bis zu 2200 mm an Niederschlägen was eine Vernässung und Moorbildung zur Folge hatte. So entstanden die Grinden.

Grindenbeweidung RinderAuf den Grinden wurde bis ins 19. Jahrhundert beweidet. Mitte des 18. Jh. Waren riesig große Waldflächen vernichtet, eine weitere Brandrodung wurde verboten. Heu wurde jedoch weiterhin von den Grinden gewonnen, das Borstgras versprach eine heilende Wirkung auf die Tiere, so dass es sehr beliebt war. Als die Grinden landwirtschaftlich nicht mehr genutzt wurden, wurden die kahlen Flächen teils auf natürlichem Weg mit vorwiegend Bergkiefern, teils durch Aufforstung wieder bewaldet.

Beweidung mit robusten Rinderrassen

Heute finden sich die Grindenflächen im Nordschwarzald auf der Hornisgrinde, Schiffkopf und Kniebis.
Die Grinden am Schliffkopf befinden sich in der Managementzone des Nationalpark Schwarzwald. Damit die Grindenflächen offen bleiben findet eine gezielte Beweidung mit robusten Rinderrassen wie die Hinterwälder sowie mit Ziegen und Schafen des Schäfers Svensson aus Baden-Baden statt.


KreuzotterLebensraum seltener Tiere und Pflanzenarten

Auf den Grinden am Schliffkopf ist wie in anderen Teilen des Nationalparks die Kreuzotter und das Auerhuhn beheimatet. Beerensträucher und Bergkiefern mit den angrenzenden Waldflächen bilden zusammen einen optimalen Lebensraum für diese Tierarten.

Übrigens, es gibt eine schwarze Kreuzotter und eine braune. Die schwarze Kreuzotter lebt vorwiegend in den höheren Lagen. Da es hier kühler ist, wärmt die Sonne die schwarze Haut schneller als die braune.

Hier abgebildet ist eine Schlingnatter, eine weitere Schlange die im Nationalpark zu finden ist.

Wie kann man am Nationalpark teilhaben oder sogar mitmachen?

Es gibt beim Nationalpark nicht nur hauptamtliche Mitarbeiter. Es helfen auch viele Menschen auf ehrenamtlicher Basis mit, um das große Ziel des Nationalparks „Natur Natur sein lassen“ zu verwirklichen. Die Freiwilligen wurden zum Wanderführer/in geschult und können kompetent Auskunft über den Nationalpark geben. Alle Mitarbeitenden des Nationalparks, auch die Freiwilligen, nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil um so über alles Neue im Nationalpark auf dem Laufenden zu sein.

An Aktionen wie Baumpflanzungen oder Freihaltung der Grinden, sind freiwillige Helfer willkommen.

Juniorranger
Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren dürfen als Beobachter, Forscher und Entdecker die Natur erleben, die Tier- und Pflanzenwelt erforschen. Es gibt Anfänger und Fortgeschrittenenkurse. Mehrere Aktionen werden mit Kindern durchgeführt.

Wegkonzept

Nicht mehr alle Wege im Nationalpark werden gepflegt. Sie werden nach und nach der Natur überlassen und somit zurückgebaut. Welche Wege für die Öffentlichkeit noch frei sind, zeigt die erschienene Starterkarte des Nationalpark Schwarzwald. Rad- und Wanderwege mit Wegzeichen dürfen begangen werden. Wenn Sie keine Karte mitführen sollten Sie beachten, nur ausgeschilderte Wege, mit Wanderzeichen wie z.B. die des Seensteig oder Westweg, aber auch die gelbe oder blaue Raute oder Hinweisschilder zeigen begehbare Wege. Alle Wege und Pfade ohne diese Zeichen dürfen nach dem neuen Wegerecht nicht mehr begangen oder befahren werden.

Kleiner Grundkurs in Sachen Nadelbaum

Gegen Ende der Wanderung gab's von Martin noch ein paar Infos, wie werden Fichte und Weißtanne voneinander unterschieden?
Die Fichte hat eine schuppige rotbraune Rinde. Die Nadeln der Fichte sitzen auf kleinen verholzten Stielen um die Äste herum. Die Zapfen der Fichte hängen nach unten. Um den gerade gewachsenen Stamm bildet sich die Krone der Fichte kegelförmig aus.
Die Tanne hat eine graue Rinde, die bei jungen Bäumen glatt ist und bei alten Bäumen meistens in kleine Platten zerfällt. Die Nadeln der Tanne sind flach, lassen sich leicht biegen und tragen auf der Unterseite zwei helle Stoma-Bänder. Die Zapfen der Tanne wachsen an den obersten Zweigen am Wipfel immer aufrecht am Zweig.

Was haben wir gelernt

Natürlich noch viel mehr als hier aufgeschrieben, zum "Teilhaben am Nationalpark Schwarzwald" erfahren wir, neben den hauptamtlichen Mitarbeitenden im Nationalpark helfen viele Menschen ehrenamtlich aus, um das große Ziel des Nationalparks, "Natur Natur sein lassen", zu unterstützen. Teilhaben kann aber jeder Besucher des Nationalparks im Schwarzwald. Dazu muss er nur Aufmerksam durch die Natur gehen und die wilden Schönheiten des Schwarzwalds, den Zauber unberührter Natur fernab der Alltags-Hektik genießen.

Vielen Dank an Martin Rimmler, der uns an diesem Tag durch eine durchweg interessante und abwechslungsreiche, aber manchmal auch lustige Wanderung geführt hat

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