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Nationalpark-Hotel SchliffkopfDie touristischen Erschließung des Schliffkopfgipfel

Der zwischen Ruhestein und Alexanderschanze zu findende Schliffkopfgipfel mit seiner Grindenfläche gehört zu den schönsten Fleckchen im Nordschwarzwald. Seit Mai 2014 gehört der Schliffkopf zum Nationalpark Schwarzwald. In diesem Artikel möchten wir nicht zum Schutzgebiet Schliffkopf sondern vorwiegend auf die auf dem Schliffkopf stattgefundene touristische Erschließung am Anfang des 20. Jahrhunderts, dem Gedächtnishaus und dem Schliffkopfhotel eingehen.

Ausgedehnte Wälder, unberührte Landschaft

Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen lässt seinen Helden in seinem 1668 erschienenen Schelmenroman  "Der Abentheuerliche Simplicissimus" auch den Schliffkopf besuchen und so beschreiben "Ist ein wüstes Arabien und unfruchtbar, nichts als Tannenzapfen". In einer Urkunde aus dem Jahr 1679 steht über den Schliffkopf "Grausame Wälder, nichts als Klipp und Fels, in die man wohl hineinkäme, aber nicht mehr herausfinde."
Viel hat sich bis Mitte der 20er Jahre des 20. Jahrhundert da nicht geändert, die Landschaft konnte sich fast ungestört von den Menschen entwickeln, nur wenige Wanderer waren unterwegs auf wenigen ursprünglichen Pfaden und dem "Grenzweg", der die Grenze zwischen Baden und Württemberg folgte.

Paul Dinkelacker SteinEine kleine Gruppe begeisterter Skiläufer ändert alles


Auch im Nordschwarzwald zieht das Schneeschuhlaufen ein, bereits 1893 werden den Wintergästen des Kurhaus Sand "Schneeschuhe" (Ski) angeboten. Nachdem im Jahr 1894 der Stuttgarter Bankbeamte Wilhelm Fränkle als erster Skiläufer die Hornisgrinde besteigt, beginnt das Wintervergnügen so richtig. Bis zum Ersten Weltkrieg werden die ersten Skihütten am Kniebis, am Bläsiberg und auch am Schliffkopf erbaut. Die Skihütte auf dem Schliffkopf, 1911 von sieben begeisterten Skiläufern des Schwäbischen Schneeschuhbundes erbaut entwickelt sich schnell zu einer Attraktion, erstmals ist es möglich auf dem Schliffkopf in 1000 Meter Höhe eine warme Hütte zu erreichen. Die Hütte stand in etwa 250 Metern Entfernung zum 1920 erstellten "Schwäbischen Heldenmal", mehr dazu im Artikel über den heute besser als Gedenkstein Bundesvater Dinkelacker bekannten Sandsteinfindling.

Das Gedächtnishaus, der Wunsch nach einer größeren Unterkunft

Im 1921 vom Schneeschuhbund in Schwäbischer Schneelaufbund umbenannten Verein gibt es nach dem Krieg Bestrebungen eine neue Unterkunft für seine Schneeschuhläufer zu erbauen, die größere Unterkunft soll zugleich als Gedächtnishaus für die im 1.Weltkrieg gefallenen Mitglieder des Schneeschuhbundes dienen. Nach einem Standort wurde gesucht und in der Nähe des "Schwäbischen Heldenmal" gefunden. Der ausgesuchte Bauplatz auf Baiersbronner Gemarkung wurde von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt, dazu gab es noch 8000 Mark Baugeld. Die nötigen restlichen Gelder zum Bau des Hauses sollten durch eine Lotterie, Preisausschreiben und dem Verkauf von Bausteinen finanziert werden. Alle Mühen brachten aber nicht den erforderlichen Betrag ein, zogen sich zudem über Jahre hinweg. Bei der Grundsteinlegung die dann endlich 1931 erfolgte musste zudem kleiner als ursprünglich geplant gebaut werden.

Schliffkopfhotel im WinterDie Finanzierung war aber nicht das einzige Hindernis das den Bau des Schliffkopf Gedächtnishauses verzögerte. Das damals für Naturschutz zuständige Stuttgarter Landesamt für Denkmalpflege führte erhebliche Bedenken gegen den Standort vor. Die einzigartige und unberührte Landschaft mit den auf dem Schliffkopfgipfel vorherrschenden Pflanzen und Tieren sollte vor einem Übermaß an Menschen geschützt werden. Vorschlägem das Gedächtnishaus in der Nähe des Ruhesteins, bei der Zuflucht oder bei Buhlbach zu errichten wurden allesamt abgelehnt.

So kommt es letztlich auch nach einem Machtwort des zuständigen Ministers, der entschied, dass die "Sorge um ein gesundes Volk" den Bedenken des Naturschutzes zurückstehen müssen zum Bau des Gedächtnishauses an der Stelle des heutigen Schliffkopfhotels.

Das Gedächtnishaus auf dem Schliffkopf

Das unter den bestehenden schwierigen Wetterverhältnissen schon am 9. Oktober 1932 eingeweihten Gedächtnishaus auf dem Schliffkopf wird die Attraktion für Wanderer und Skiläufer. Das mit moderner Ausstattung erbaute Haus bietet bis zu 44 Personen Unterkunft in mit Zentralheizung beheizten Zimmern, ein Windkraftwerk sorgte für Strom und Licht. Mit der Einweihung des Gedächtnishauses beginnt mit dem Ehepaar Berta und Christian Fahrner auch die Geschichte der Familie, die das Schliffkopf-Gedächtnishaus und spätere Hotel noch heute betreibt. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln wurde anfangs mit einem Pferdefuhrwerk sicher gestellt, erst seit 1936 wird ein Auto gekauft, was die Versorgung zumindest im Sommer enorm erleichtert.

Gedächtnishaus auf dem SchliffkopfDie Schwarzwaldhochstraße

Die zu diesem Zeitpunkt bereits bis zum Ruhestein gebaute Straße sollte nach Wunsch der Hoteliers und Touristenverbände endlich auch zur Alexanderschanze verlängert werden. Der Schwäbische Schneelaufbund mit der Ortsgruppe Baiersbronn, der zuvor so vehement alle Naturschutzbedenken beiseite gewischt hatte um das Gedächtnishaus für seine Mitglieder zu errichten, kämpfte jetzt ebenso hart gegen den Bau der Verlängerung der Schwarzwaldhochstraße. Der Schliffkopfgipfel mit seiner großartigen Grindenlandschaft sollte möglichst unberührt bleiben und bitte nur den Wanderern und Schneeschuhläufern vorbehalten sein. Gemeinsam mit dem Schwarzwaldverein und mit Unterstützung von Prof. Dr. Hans Schwenkel, Vertreter des Staatlichen Naturschutz Württemberg erfolgt am 24. September 1938 die Ausweisung des Naturschutzgebietes Schliffkopf. Somit sollte der Ausbau der Schwarzwaldhochstraße endgültig verhindert worden sein, ein Befehl der damaligen Militärführung gibt das OK für den Bau der Straße aus militärisch notwendigem Grund.

Der Abschnitt zwischen Ruhestein und Alexanderschanze wird im Spätjahr 1938 begonnen. Der Bau wird durch die württembergische Straßenbauverwaltung ausgeführt, die oberste Leitung hat aber die "Organisation Todt", ein Wehrmachtsableger der für das Deutsche Reich Straßen und Bunker baut. Die Inanspruchnahme von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen ist bis heute nicht abschließend geklärt worden, sicher aber ist, im Sommer 1940 konnte das Gedächtnishaus auf dem Schliffkopf erstmals angefahren werden. Der Verlauf der Strecke gleicht leider eher einer Rennstrecke, so wird der Streckenverlauf bis heute als nicht ideal angesehen,

Der Führerbunker beim Schliffkopf Gedächtnishaus

Die Nazis erbauen eine Festung, mit dem Westwall soll eine 630 Kilometer lange unbezwingbare Verteidigungslinie bestehend aus schweren Flaggeschützen und Bunkeranlagen entstehen, die strategische Bedeutung der Schwarzwaldhochstraße wurde auch mit den auf dem Schliffkopf vorkommenden Flagstellungen erklärt. Zudem wurde von der "Organisation Todt" auf Führeranweisung neben dem Schliffkopf Gedächtnishaus unter der Bezeichnung "Anlage T" (Tannenberg) ein kleiner Führerbunker erbaut. Der Bunker wurde zwar mit allem erdenklichen Luxus für den Führer fertig gebaut, der Führer hat den Bunker aber nie bewohnt, das Inventar und die aus edlem Holz und Leder ausgeschlagenen Wände wurden gleich wieder entnommen und in das eigentliche Führerhauptquartier in der Nähe der Alexanderschanze verfrachtet, dessen Schicksal war nicht minder peinlich, aber das an anderer Stelle....

Das Gedächtnishaus im Dritten Reich

Aber nicht nur militärisch rüsten Hitlers Schergen auf, 1936 im Rahmen der Gleichschaltung wollen die Nazis die Sportverbände auflösen, der Reichsbund für Leibesübungen will das Schliffkopfhaus übernehmen, und besteht auf die Auflösung des Verbandes. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wird beschlossen, dem SSB einen neuen Zweck zu geben. Um das Schliffkopf-Gedächtnishaus zu erhalten, wird der Verband in Schwäbischer Schliffkopfhaus-Bund (ebenfalls SSB) umbenannt. Während der Kriegsjahre wird das Haus trotzdem in Beschlag genommen, Opfer aus feindlichen Fliegerangriffen und Kinder aus evakuierten Schulen werden einquartiert.

Schliffkopfhotel Das Gedächtnishaus nach dem Krieg

Die verhinderte Gedächtnishaus-Übernahme durch den Reichsbund für Leibesübungen erweist sich jetzt als Glücksfall, die französischen Besatzer beschlagnahmen das Haus nur kurze Zeit. Nachdem die Besatzer weg und Kriegsschäden am Haus beseitigt sind, wird es schon Anfang der 50er Jahre für eintreffende Skifahrer und Wanderer als Unterkunft bereit gestellt. Im Jahr 1954 erfolgt mit dem Anbau des Nordflügels eine großzügige Erweiterung des Hauses.

Der erste Generationenwechsel, der Übergang zum Schliffkopfhotel

Am 31. Dezember 1962, nach über 30 Jahren erlebnisreicher Tätigkeit durch viele schwierige Jahre, übergeben Berta und Christian Fahrner die Führung des Gedächtnishauses an ihren Sohn Erich Fahrner und Ehefrau Lore. Notwendige Erweiterungen und Reparaturen stehen bald an, dem SSB wird das vermutlich zu teuer, so gibt das der Familie Fahrner im Jahr 1973 die Möglichkeit das Gedächtnishaus auf dem Schliffkopf zu erwerben. Es wird modernisiert, der Übergang zum Schliffkopfhotel moderner Prägung erfolgt 1976 mit einem Anbau, einem Restaurant mit neuer Hotelküche, 1980 wird mit einem Hallenbad, Freizeit und Saunabereich der Start zu einem modernen Wellnesshotel gelegt.

Der zweite Generationenwechsel


Im Jahr 1991 übergeben Lore und Erich Fahrner den Familienbetrieb an ihre Söhne Erich und Heiko Fahrner.

Das Schliffkopfhotel brennt ab, ein Lebenswerk wird zerstört

In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 1991 brennt das Hotel Schliffkopf mit Ausnahme des Südflügels bis auf die Grundmauern nieder, das Lebenswerk von drei Fahrner Generationen wird scheinbar in einer Nacht zerstört. Es wird bis zum Oktober 1994 andauern, bis nach zähen Verhandlungen mit Baubehörde, Naturschutzverwaltung und finanziellen Engpässen wieder eröffnet werden kann. Grund für die Verzögerung war auch die Tatsache, dass nach Wunsch der Bezirksstelle für Naturschutz Karlsruhe und der Landesnaturschutzverband das Hotel an anderer Stelle wieder aufgebaut werden sollte. Da der zehn Jahre zuvor erbaute Südflügel noch stand bestand jedoch Bestandschutz und der Wiederaufbau konnte nicht untersagt werden. Der Wunsch der Familie Fahrner das Hotel aus wirtschaftlichen Gründen in vergrößerter Form wieder aufzubauen gibt aber Gelegenheit Ausgleichsmaßnahmen einzufordern, so musste der Skilift neben dem Hotel abgebaut werden und der Parkplatz im Süden des Hotels rekultiviert werden.
2003 entsteht ein dreistöckiges Wellness-Haus mit speziell ausgestatteten Behandlungsräumen und exklusiven Suiten. Der Schwimmbad- und Saunabereich wird neu gestaltet, ein beheiztes Freibad angebaut.

Das Nationalpark-Hotel Schliffkopf heute

Das Hotel Schliffkopf Hotel im Nationalpark Schwarzwald ist ein 4-Sterne-Superior Haus und zählt zu den namhaften Wellness Hotels in Deutschland. Vom Land Baden-Württemberg bekommt es die Auszeichnung "5 Wellness-Stars" verliehen. Wellness, regionale Küche und Naturerfahrung sind die tragenden Säulen eines der letzten noch bestehenden Hotels der einstmals so exklusiven Höhenhotels entlang der Schwarzwaldhochstraße.

Wanderwege die über den Schliffkopfgipfel führen

Skifernwanderweg
Schliffkopfrundweg
Westweg
Murgleiter endet am Gipfel
Wanderhimmel Höhenweg
Seensteig
Renchtalsteig 

Informationen zum Urheberecht

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