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Die Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Straße in Baden-Baden

Um die Gründe die zur Entstehung einer Villengegend für Millionäre führt verstehen zu können, sollte man in das Jahr 1806 zurückgehen, in diesem Jahr erhält Badens erster Großherzog Karl Friedrich zu Baden die Proklamation die zum Großherzogtum führte. Karl Friedrich wählte die Stadt Baden-Baden zu seiner Sommerresidenz, das führte zu einem schnellen Aufstieg der noch mittelalterlichen Stadt an der Oos. Die immer noch von einer Stadtmauer umgebenen Stadt war für diesen Aufstieg der einher ging mit einer Vielzahl vermögender Kurgäste nicht gerüstet, zwar waren die Schäden aus dem großen Brand im Jahr 1689 fast beseitigt, die Stadt war aber nur innerhalb der Stadtmauern wieder aufgebaut worden.

In der aufstrebenden Kur -und Bäderstadt Baden-Baden war man der Auffassung, das sich in Baden-Baden möglichst viele vermögende Kurgäste und Bürger ansammelten sollten. Entscheidend hierbei waren auch die Verhandlungen über eine Verlängerung der Spielbank Konzession in denen der badische Staat diesbezüglich Forderungen stellte. So wurde gegenüber dem Kurhaus, der an die Lichtentaler-Allee angrenzende aufsteigende Hügel (einst Lindenbuckel ) und der obere als Beutig bekannte Bereich zum ersten planmäßig angelegten Villengebiet der Stadt auserkoren. Wir wissen heute, der Plan ist aufgegangen, es entstand eine neue Form von Landhäusern, herausragende Villen im Klassizistischen und Historistischem Stil umgeben von großen Landschaftsparks, sie beeindrucken die Besucher dieser unter den Einheimischen als Millionenhügel bekannten Villengegend auch heute noch. Auch wenn die Parks durch in neuerer Zeit erbauten Gebäuden kleiner wurden, so gehört die Kaiser Wilhelm Straße in Baden-Baden immer noch zu den ersten Adressen der Kurstadt.

Der vorgesehene Bereich bestand vor Entstehung des Villenviertels noch überwiegend aus eingezäunten Obstgärten und Wiesen die das Heu für in der Stadt gehaltenen Vieh lieferten, im oberen Bereich des Beutigs waren auch kleinere Ackerflächen vorhanden. Die Grundstücke, wenn auch nur zu Landwirtschaftlichen Zwecken genutzt waren begehrt und erzielten bei einem Verkauf Höchstpreise. So gehörten die begehrten Flächen auch nur wenigen vermögenden Baden-Badenern Bürgern.

Villa von Ende - Kaiser-Wilhelm-Straße 3Die ersten Villen entstehen unter Baron Karl Wilhelm von Ende

Wie zuvor schon geschrieben, in jenen Jahren entstand in Baden-Baden am Beginn des Aufstiegs der Stadt zur Kur und Bäderstadt, was nur wenige Jahre später zur Hochphase als zur Sommerhauptstadt Europas führen sollte ein neuer Baustil. Bisher wohnten die vermögenden Bürger in ihren räumlich doch eng begrenzten Stadthäusern, die Reichen und Adligen die Baden-Baden besuchten verspürten aber den Wunsch in großzügigen Landhäusern mit möglichst weitläufigem Park zu wohnen und das doch direkt in oder am Rande der Stadt. So war für die mit kompletten Tross an Familienmitgliedern, Begleitpersonen und Bediensteten nebst Kutschen und Pferden anreisenden Kurgästen ein Sommersitz oder eine Dependance erforderlich.

Der spätere Ehrenbürger der Stadt Baden-Baden der Baron Karl Wilhelm von Ende war der erste, der schon fast ein halbes Jahrhundert vor dem eigentlichen Bau des Villenvirtels die Zeichen der Zeit erkannt. Der Baron und Oberzeremonienmeister des Großherzlichen Badischen Hofes sollte sich als gewiefter und tüchtiger Geschäftsmann erweisen, seine Geschäftstüchtigkeit aber war es auch, die von Ende letztlich zur "Verbannung" aus Baden zwang.
Aber der Reihe nach, Karl Wilhelm von Ende wollte für diese Dependance sorgen, als geeigneten Ort sah er die Baumgärten oberhalb der Lichtentaler Allee als beste Wahl an. Der Baron kaufte nach und nach alle Grundstücke teilweise zu horrenden, fast als Wucher zu bezeichnenden Preisen auf. So entstanden schon im Jahr 1818 oberhalb des Maison Messmer (heute Hotel Dorint) in der heutigen Kaiser-Wilhelm-Straße Nummer 3 und Kaiser Wilhelm-Straße 5 die ersten Gebäude für zahlungskräftige Saisongäste. Die lagen erhoben inmitten eines neu angelegten Landschaftspark im englischen Stil. Als Architekt der Gebäude gilt kein geringerer als der berühmte Baudirektor Badens Friedrich Weinbrenner (1766-1826). Er war der Architekt der dem frühen klassizistischen Baustil in Baden zu seinem Höhepunkt verholfen hat, jedoch mit dem Tod Weinbrenners verschwand der Baustil wieder.
Die von Karl Wilhelm von Ende investierten Gelder sollen sich alsbald refinanziert  haben, denn noch bevor der Baron es sich mit dem Badischen Hof verscherzt hatte (näheres an anderer Stelle) konnte der Betrag wieder eingenommen werden.

Die Ära unter Jacques Benazet

Die aufstrebende Kur -und Bäderstadt Baden-Baden hat dem Pächter der Spielbank im Konversationshaus und Erwirker der Belle Epoche Jacques Benazet viel zu verdanken, im Jahr 1838 kauft der Unternehmer nach der Verbannung des Karl Wilhelm von Ende das Anwesen. Er errichtet ein Nebengebäude für Pferde sowie zwei Gewächshäuser, die das Konversationshaus mit Pflanzen, darunter damals zahlreiche Exoten versorgte. Jedoch schon im Jahr 1848 stirbt Benazet, Aufgrund Erbschaftsstreitereien tut sich 16 Jahre lang fast nichts. Erst die Klärung der Erbstreitigkeiten, bei denen Benazets Schwager Aymard Simon Dupressoir als Erbberechtigter hervortritt, bewirkt, das in die Gebäude wieder investiert wird.

Der untere Teil der Kaiser-Wilhelm-Straße entsteht

Nach dem Verbot des öffentlichen Glücksspiels und Schließung der Spielbank zieht sich Dupressoir nach Frankreich zurück, aber dafür geht es mit der Geschichte der Baden-Badener Nobelstraße weiter. Der "S" förmige Beginn der Kaiser-Wilhelm-Straße nach dem Hotel Dorint hinauf zu den Lindenstaffeln entsteht nach einem weitere Verkauf des Anwesens im Jahr 1872 an den preußischen Parlamentarier Adolf von Hansemann. Um das erworbene riesige Grundstück in Bauplätze zu unterteilen benötigt Hansemann eine öffentliche Straße, gemeinsam mit dem Stadtrat wird entschieden, dass die entstehende Straße nach Fertigstellung in städtischen Besitz übergeht.
Der Stadt Baden-Baden kommt das sehr gelegen, so konnte eine Auflage der Regierung neue Villengebiete zu erschließen verwirklicht werden und die Stadt Baden-Baden möglichst viele vermögende Bürger ansiedeln.  

Der mittlere Teil der Kaiser-Wilhelm-Straße entsteht

Hinzu kommt, das im Jahr 1866 etwa in der Mitte der heutigen Kaiser-Wilhelm-Straße eine weitere Herrschaftliche Villa entsteht. Die Familie Guaita, er königlich niederländischer Generalkonsul, sie aus der unter der Sektmarke Mumm bekannten Unternehmersfamilie wohnen in Frankfurt und suchen sich einen Sommersitz in der Bäderstadt. So wird die Villa Guaita an Stelle der heutigen Hausnummer 15 errichtet, das Gebäude wurde Anfang des 20ten Jahrhunderts abgerissen und 1910 durch die noch bestehende Villa Sirius ersetzt.
Aber zurück zum Jahr um 1870, auch die Familie Guaita erhofft sich von dem Ansinnen der Stadt eine Straße zu errichten Vorteile für sich, bisher war die Zufahrt zum Gebäude nur über die parallel zur Lichtentaler Alle führende Friedrichstraße und einem alten Feldweg, dem Aschenbrennerweg möglich. Die Verhandlungen mit der Stadt Baden-Baden führen zu einem Geländetausch, der die Fortführung der Kaiser-Wilhelm-Straße ermöglicht.

Jetzt fehlte nur noch der geeignete Namen für die Straße

Letztlich fehlte nur noch ein passender Name für die neue Straße, die erstmal nur zum Anwesen des heutigen Haus-Nummer 15 führt. Schon am 15 Februar 1876 wurde die Straße als "Kaiserstraße" genehmigt, die Stadt wollte mit dieser Bezeichnung sowohl Kaiser Wilhelm I. als Hoheit aber auch den Kurgast Kaiser Wilhelm ehren. Das führte im Stadtrat aber noch zu einem Umdenken, warum nicht gleich Konkreter werden und die Straße gleich in Kaiser-Wilhelm-Straße umbenennen. Die Bitte des Stadtrates wurde durch Bürgermeister Gönner am 13 Oktober 1876 in Form eines Schreibens an die Badische Regierung formuliert. Die Antwort des so geehrten Kaisers kam wie erhofft schnell und positiv und so konnte noch im gleichen Jahr nicht nur fertig gestellt sondern auch als Kaiser-Wilhelm-Straße eingeweiht werden. Die Kaiser-Wilhelm-Straße kann so mit einer durchschnittlichen Breie von 5,40 Metern erbaut werden, ab der Abzweigung in die Kronprinzenstraße erhält die Straße einen ca. 1,50 Meter breiten Gehweg auf der der Friedrichstraße zugewendeten Talseite.

Der wichtigsten Häuser der Kaiser-Wilhelm-Straße

Noch stehen bei der Einweihung der Straße im Jahr 1876 nur drei Herrschaftliche Villen, die Häuser mit den (heutigen) Nummern 3,5 und 15. Weitere herrschaftliche Villen folgen mit den Jahren, anbei nun eine Aufstellung der bebauten Grundstücke in der Reihenfolge ihrer Hausnummern.

Kaiser-Wilhelm-Straße 1, Villa Roosevelt - erbaut 1886/87
Kaiser-Wilhelm-Straße 2, Villa Schliep - erbaut 1881 für Dr. Paul Schliep, 1971 abgerissen, an der Stelle steht heute eine Wohnanlage
Kaiser-Wilhelm-Straße 3, Villa von Ende - erbaut 1818, auch unter Villa Dupressoir bekannt, umbenannt in Villa Wilhelma,
Kaiser-Wilhelm-Straße 4, Pneumatische Anstalt - erbaut 1880/81
Kaiser-Wilhelm-Straße 5, Villa von Ende - erbaut 1818 als Ökonomiegebäude, um 1860 vermutlich vom Bauunternehmer Belzer abgebrochen und neu aufgebaut, ab 1880 als Hotel-Dependance Villa Helene,
Kaiser-Wilhelm-Straße 6, Villa Nagell - erbaut 1876
Kaiser-Wilhelm-Straße 8, Im Jahr 1880 erbaut von Jakob Schnepf - um 1899 in Villa Addy umbenannt. Von 1912 bis zu einem Umbau des Gebäudes im Jahr 1953 bestand ein Observatorium auf dem Dach des Gebäudes.
Kaiser-Wilhelm-Straße 10, Im Jahr 1878 erbaut von Jakob Schnepf
Kaiser-Wilhelm-Straße 12, Im Jahr 1875 erbaut von Jakob Schnepf
Kaiser-Wilhelm-Straße 14, ehemaliges Gärtnerhaus der Villa Guaita - erbaut 1864 im Schweizerhaus-Stil
Kaiser-Wilhelm-Straße 15, Villa Sirius erbaut 1910, zuvor stand an der gleichen Stelle die Villa Guaita - erbaut 1865
Kaiser-Wilhelm-Straße 16, Villa Kann - erbaut 1890/91
Kaiser-Wilhelm-Straße 17, Villa Montrose - erbaut 1910 als Sommersitz von William O. Roosevelt
Kaiser-Wilhelm-Straße 18, Villa Vitzthum - erbaut 1882/83, 1894 umbenannt in Villa Krupp auch als Villa Meineck bezeichnet. Die prachtvolle Villa im Stile italienischer Renaissance erhebt sich Aufgrund ihrer eindrucksvollen Bauweise und Größe über alle in Baden-Baden befindlichen Villen. Das Gebäude würde sich eher zu einem Schloss als einem privaten Gebäude eignen... Leider wurde die Villa Krupp 1953 abgerissen. Das ehemalige Gärtnerhaus der Villa trägt heute die Hausnummer 18.
Kaiser-Wilhelm-Straße 19, Villa Strickler - erbaut um 1930, um ? abgerissen und durch die Wohnhäuser 19 und 19a ersetzt
Kaiser-Wilhelm-Straße 21, -Villa Wettin - erbaut 1897
Kaiser-Wilhelm-Straße 22, Neubau aus den 1950er Jahren auf dem Grundstück der ehemaligen Villa Vitzthum/ Krupp
Kaiser-Wilhelm-Straße 23, Villa Roß - erbaut 1897, ab 1926 bis 1934 wohnte der Musiker Carl Flesch im Haus
Kaiser-Wilhelm-Straße 25, modernes Wohnhaus, ehemals stand an dieser Stelle das Gärtner- und Gesindehaus der Villa Herold. Berühmtester Mieter des 1906 erbauten Gebäudes in den 1930er Jahren war der Dichter und Schriftsteller Otto Flake.
Kaiser-Wilhelm-Straße 26, Neubau aus den 1950er Jahren auf dem Grundstück der ehemaligen Villa Vitzthum/ Krupp
Kaiser-Wilhelm-Straße 27, Villa Herold - erbaut 1884

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