Baden-Baden-Stiftskirche-4.jpeg

Der Karsee Mummelsee – Zwischen Eiszeit-Erbe und lebendigem Mythos

MummelseeDer Mummelsee gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Ausflugszielen in ganz Baden-Württemberg. Direkt an der legendären Schwarzwaldhochstraße (B 500) gelegen, zieht er jedes Jahr Hunderttausende Besucher in den Nordschwarzwald. Während manche Spötter ihn wegen des großen Andrangs an sonnigen Wochenenden als „Rummelsee“ bezeichnen, verbirgt sich hinter der touristischen Kulisse ein faszinierendes und sensibles Naturdenkmal.

Seinen charmanten Namen verdankt der See vermutlich den weißen Seerosen, die hier früher in großer Zahl blühten und im Volksmund „Mummeln“ genannt werden – auch wenn die Botanik mit diesem Begriff eigentlich die Gelbe Teichrose (Nuphar lutea) meint. Heute ist der See weit mehr als ein Postkartenmotiv: Er ist der perfekte Ausgangspunkt für eine wunderschöne Hornisgrinde Wanderung und ein lebendiges Zeugnis unserer Erdgeschichte.

Dieser Artikel befasst sich alleine mit dem Mummelsee als Karsee, Touristische Informationen finden Sie unter:

 Die Attraktionen am Mummelsee

Die Geschichte des Berghotel Mummelsee

Hoch über dem See, der Mummelseeblick

Geografie: Ein See der Superlative im Schwarzwald

Eingebettet zwischen Unterstmatt und dem Nationalparkzentrum Ruhestein liegt der Mummelsee auf einer stolzen Höhe von 1.029 Metern über dem Meeresspiegel. Damit ist er der höchstgelegene noch erhaltene Karsee im Nordschwarzwald. Mit einem Umfang von rund 800 Metern, einer Länge von 270 Metern und einer Breite von 170 Metern erstreckt er sich über eine Wasseroberfläche von etwa 3,7 Hektar.

Auch in der Tiefe bricht er Rekorde: Je nach Messung geht es bis zu 19 Meter steil bergab. Diese beachtliche Tiefe schützt das beliebte Schwarzwaldhochstraße Ausflugsziel vor einem Schicksal, das fast alle anderen Karseen der Region teilen: Während die meisten seiner Geschwister im Laufe der Jahrtausende verlandeten oder verlanden, bleibt die offene Wasserfläche des Mummelsees stabil.

Die Entstehung des Mummelsees: Wenn Gletscher Landschaften formen

Die Wiege des Mummelsees liegt in der Würmeiszeit, der letzten großen Kaltzeit, die vor rund 12.000 Jahren endete. Für die Entstehung Mummelsee herrschten damals im Schwarzwald Durchschnittstemperaturen, die um 8 bis 10 Grad Celsius niedriger lagen als heute – ideale Bedingungen für meterhohen Dauerfrost und mächtige Gletscher.

Über Jahrtausende hinweg sammelten sich gewaltige Schneemassen an den windabgewandten Hängen. Als das Klima wieder wärmer wurde, setzten Schmelzwasserströme die schweren Eismassen in Bewegung. Wie ein gigantischer Hobel rutschte der Gletscher die steile Karwand hinab, riss Erde und Steine mit sich und grub eine tiefe Mulde in den Hang. Das mitgeschleppte Geröll blieb am Fuß der Mulde als sogenannte Endmoräne liegen und bildete einen natürlichen Staudamm. Gespeist durch Regen, Quellen und das Schmelzwasser der Hornisgrinde entstand so im Laufe der Zeit der Karsee Mummelsee im Schwarzwald. Sein Wasser fließt noch heute über das Seebächle bergab in das Seebachtal und mündet schließlich in die Acher.

Warum das Wasser des Karsees so dunkel schimmert

Wer am Ufer steht, blickt auf eine fast schwarze, geheimnisvolle Wasserfläche. Das Rätsel dahinter ist rein geologischer Natur: Der Nordschwarzwald ruht auf mittlerem Buntsandstein. Dieses Gestein ist extrem kalk- und basenarm, was das Wasser stark sauer macht (der pH-Wert liegt oft unter 5). Da der See direkt vom Hornisgrindeplateau gespeist wird, wäscht das Wasser auf seinem Weg wertvolle Huminstoffe aus dem dortigen Hochmoor aus. Diese organischen Stoffe färben den See dunkel und trüb.

Diese extremen Bedingungen haben direkte Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Das Moorwasser ist stark sauer, enthält viel Schwefel und extrem wenig Sauerstoff. Für Fische ist das Überleben hier ummöglich, im Mummelsee sucht man sie vergeblich. Dennoch ist der See nicht leblos: Einige spezialisierte Amphibien- und Molcharten fühlen sich hier wohl, und Forscher konnten am Ufer die seltene Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) nachweisen.

Karseen im Schwarzwald: Ein seltenes Erbe der Eiszeit

Einst hinterließ die Eiszeit allein im Nordschwarzwald über 100 Karseen. Die meisten wurden jedoch im Laufe der Jahrhunderte von Sedimenten zugeschüttet, wuchsen zu Mooren heran oder wurden vom Menschen trockengelegt, um Weiden und Höfe zu errichten. Heute sind im gesamten Schwarzwald nur noch zwölf dieser eiszeitlichen Seen erhalten:

Im Nordschwarzwald: Herrenwieser See, Schurmsee, Huzenbacher See, Wilder See, Mummelsee, Ellbachsee, Buhlbachsee, Sankenbachsee und Glaswaldsee.

Im Südschwarzwald: Feldsee, Titisee und der Nonnenmattweiher.

Aktuelles vom Mummelsee: Zwischen Tradition und Moderne

Der See steht niemals still – weder in der Natur noch in der Kultur. In den letzten Jahren gab es einige bemerkenswerte Entwicklungen, die zeigen, wie lebendig das Ausflugsziel bleibt:

Die Rückkehr des Mummelseekönigs: Jahrzehntelang war Hermann Müller als „Geist vom Mummelsee“ eine absolute Institution für große und kleine Gäste. Nach seinem gesundheitsbedingten Abschied im Jahr 2025 drohte die Tradition einzuschlafen. Doch im Frühjahr 2026 gab es großartige Nachrichten: Sein Enkel Ben hat das Amt übernommen und wandert nun als neuer Mummelseekönig beim SWR Aktuell wieder im traditionellen Gewand um das Ufer.

Die "Mummelsee-Tiefenreifung": Seit Juni 2026 läuft ein weltweit fast einzigartiges Projekt auf dem Grund des Sees. Ein regionaler Winzerkeller hat rund 3.000 Crémant-Flaschen in 17 Metern Tiefe versenkt. Die dort herrschenden Bedingungen, konstante Temperaturen von etwa 4 Grad, absolute Dunkelheit und die völlige Abwesenheit von Erschütterungen, bieten laut den Kellermeistern ideale Bedingungen für eine Premium-Flaschenreifung. Die edlen Tropfen sollen im Frühjahr 2027 als limitierte Edition geborgen werden.

Infrastruktur & Erreichbarkeit an der B 500: Der See ist von Baden-Baden aus über die Schwarzwaldhochstraße in rund 25 Kilometern bequem mit dem Auto oder dem Linienbus erreichbar. Nachdem die B 500 in den vergangenen Jahren abschnittsweise saniert wurde, präsentiert sich die Strecke heute modern ausgebaut. Zudem wurden umliegende Bereiche wie das nahegelegene Seibelseckle umfassend modernisiert und an moderne Abwasser- und Glasfasernetze angeschlossen, um den sanften Tourismus in der Region zukunftssicher aufzustellen.

Der Mummelsee bleibt damit ein faszinierender Spagat: Ein hochsensibles eiszeitliches Ökosystem, das gleichzeitig als lebendiger Kultur- und Erlebnisraum die Menschen damals wie heute in seinen Bann zieht.

Informationen zum Urheberecht

Die in diesem Artikel eingestellten Bilder dürfen unverändert und unter Angabe der Quelle kopiert und zum Zweck der öffentlichen Berichterstattung in allen Medien weiterverarbeitet werden.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Quellen

100 Jahre Bannwald Wilder See Schriftenreihe FORST BW Band 85
Baiersbronn vom Königsforst zum Luftkurort - Wegrahistorik-Verlag Stuttgart
https://www.leo-bw.de/web/guest/themen/natur-und-umwelt/seen/karseen
https://www.leo-bw.de/web/guest/themen/natur-und-umwelt/seen/karseen
Managementplan für das FFH-Gebiet 7415-311 „Wilder See ...
http://www.badische-heimat.de/heft/reprint/1960_3_eiszeit.pdf
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg - Amphibien und Gewässerversauerung 2002
https://www.sedimentologie.uni-freiburg.de/staff/Hemmerleetal.2016Nat_Forsch_Freiburg.pdf
http://www.zobodat.at/pdf/Jh-Ver--vaterl-Naturkunde-Wuerttemberg_63_Beilage_0001-0041.pdf
https://www.sedimentologie.uni-freiburg.de/staff/Hemmerleetal.2016Nat_Forsch_Freiburg.pdf
http://www.botanik-sw.de/BAS/media/texte/Exkursionsf%C3%BChrer_FlorSoz_2001_72dpi.pdf
http://www.inula.de/files/veroeffentlichungen/Schiel_et_al_Libellen_Nationalpark_Schwarzwald_2017.pdf
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/der-mummelseekoenig-laeuft-wieder-um-den-see-100.html
https://www.schwarzwaelder-bote.de/lokales/freudenstadt/premiere-am-mummelsee-3000-cr-mant-flaschen-reifen-ein-jahr-lang-in-17-metern-tiefe-79239902.html
https://rpf.baden-wuerttemberg.de/service/presse/medienmitteilungen/artikel/sanierung-der-b-500-am-mummelsee-ortenau-wird-fortgeset/
https://www.schwarzwaelder-bote.de/lokales/freudenstadt/premiere-am-mummelsee-3000-cr-mant-flaschen-reifen-ein-jahr-lang-in-17-metern-tiefe-79239902.html

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.